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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Oh ihr Kunstkritiker

“Bevor man seine Bedenken äussert, sollte man seine Äusserungen bedenken.”

Gerhard Uhlenbruck (* 1929), Immunologe, Aphoristiker

“… Je digitaler, glatter die Frustration der Formerwartung ist, desto verzweifelter krallen sich die Konnotationen der Inszenierung in die an sich bedeutungslose, zufällig raue Oberfläche der Form … Bei genauer Betrachtung verweigert sich noch die negierte Form, indem sie einfache Bedeutungen abschüttelt und parasitäre Botschaften als Mythen entlarvt … Mit dem zweiten Blick thematisiert die Form Paradoxie und Inkonsequenz ihrer Nichtgestalt zugleich. Denn immerhin wiederholt sich die durchgängige Amorphie von Gesamtbild und Bildausschnitt des Objekts auf seiner Oberfläche als Isomorphie …” (Zitat Ende).

Nur ein Beispiel einer Kunstbesprechung, einer Kunstkritik. Ein furchtbares zugegebenermassen. Wollen wir es einfach als das einstufen, was es ist: als sprachlichen, semantischen, kommunikationssoziologischen wie logischen Unsinn. Und umkleiden wir den Autor dieses Dummzeugs, der sich sogar – aus uns unerschliessbaren Gründen – einen “Professor” nennen – besser gesagt schimpfen – darf, wie auch den dermassen schrecklich Besprochenen mit dem Mantel der christlichen Nächstenliebe und damit der Anonymität, auch wenn dies schwerfällt. (Der Künstler ist mit seinem Werk immerhin prominent im Frankfurter Museum für Moderne Kunst MMK vertreten.)

kunstkritiker

Gabriel Cornelius Ritter von Max (1840 bis 1915, Maler, Professor für Historienmalerei), Affen als Kunstrichter, 1889, Öl auf Leinwand, 85 x 107 cm, Neue Pinakothek München

Wir gehen gern zu Vernissagen, denn es ist wichtig zu versuchen, neben deren Werken auch die Künstlerinnen und Künstler in ihrer künstlerischen Persönlichkeit kennen zu lernen, zu erleben.

Aber: Zuvor muss man mitunter Unbekömmliches ertragen: Einführungen in Gestalt manch abstruser Auslassungen von Kunstkritikern, Kunstsoziologen, Kunstwissenschaftlern, besser oder genauer gesagt von Personen, die derartige Qualifikationen oft wohl unberechtigt in Anspruch nehmen. Zumeist liest jene Spezies ihre verschroben-sperrigen, gekünstelt-unverständlichen Texte mehr oder weniger vom Manuskript ab. Nicht den Künstler, sondern sich selbst wollen sie in den Vordergrund ihres Auftritts stellen. Nein, da schmeckt dann auch das Glas Wein nicht mehr, das die Galeristin oder der Galerist nach Beendigung solcher Verbalzumutungen versöhnlich lächelnd reicht.

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