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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für Dezember, 2008

„Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“ im Städel Museum Frankfurt / 3

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Den Darstellungen zweier Madonnen des „Meisters von Flémalle“ und aus der Werkstatt Rogier van der Weydens in den ersten Abschnitten unserer Betrachtungen schliesst sich heute eine Geburtsszene an, wiederum aus dem Kreis des „Meisters von Flémalle“.

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Meister von Flémalle, Geburt Christi, Eichenholz, 85,7 mal 72 cm,
Musée des Beaux Arts, Dijon
Foto: Musée des Beaux Arts, François Jay

Diese Darstellung der Geburtsszene zählt mit zu den bemerkenswertesten – und faszinierendsten – ihrer Art in der abendländischen Malerei. Ihre Symbolsprache und ihr Detailreichtum vermag sich einem Betrachter im Zeitalter heutiger massenmedialer Reizüberflutung zwar kaum mehr zu erschliessen. Versuchen wir es dennoch: Weiterlesen

„Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“ im Städel Museum Frankfurt / 2

Dienstag, 23. Dezember 2008

Stellten wir im 1. Abschnitt unseres Beitrags zur gemeinsamen Ausstellung von Städel Museum und Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin die „Madonna an der Rasenbank“ vor, so wenden wir uns heute einer Madonnendarstellung aus der Werkstatt Rogiers van der Weyden zu, die als ein Teil eines Diptychons oder eines Triptychons verstanden wird.

Die bekrönte Madonna steht in einer von zwei goldenen Löwen geschmückten Thronnische. Der Realismus der Darstellung geht mit deren – für die damalige Zeit ungewohnten – Freizügigkeit einher: Das Jesuskind ist nackt, nur spärlich mit einer Windel verhüllt, Maria stillt es mit entblösster Brust. Die Kunstkritik würdigt den emailartigen Schmelz und die pralle Rundheit der unbekleideten Körperpartien. Phantastisch der Faltenwurf und das Blau des Madonnengewandes vor dem goldbrokatenen Ehrentuch im Hintergrund, umrahmt von der steinernen Umrandung der Thronnische.

Wieder faszinieren der Detailreichtum – Krone und Haar der Madonna, die Ornamentik des Ehrentuchs oder der gekachelte Fussboden – und die auf das Sorgfältigste ausgeführte malerische Arbeit.

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Rogier van der Weyden (Werkstatt), Madonna (Flügel eines Diptychons); Eichenholz, 18,9 mal 12,1 cm,
Kunsthistorisches Museum, Wien
Foto: Kunsthistorisches Museum

Das kleinformatige Gemälde wurde zunächst den frühesten Arbeiten Rogier van der Weydens (1399/1400 bis 1464) zugerechnet, wird aber heute als eine Werkstattarbeit aus der Mitte des 15. Jahrhunderts angesehen.

Ausstellung im Städel Museum Frankfurt am Main.

(zu Folge 3)

„Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“ im Städel Museum Frankfurt / 1

Montag, 22. Dezember 2008

Die Feiertage um Weihnachten und Neujahr, noch dazu in diesem Jahr „arbeitnehmerfreundlich“ im Wochenablauf eingebettet, sollten Daheimgebliebenen eine Gelegenheit bieten, im Städel Museum Frankfurt am Main eine der schönsten, bemerkenswertesten und sicher auch spektakulärsten Ausstellungen dieser Jahrzehnte zu besuchen. Ihr Titel: „Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“.

Zum ersten Mal in der Ausstellungsgeschichte werden die entsprechenden herausragenden Bestände des Städel Museums und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zusammengeführt, ergänzt durch Leihgaben unter anderem der Londoner National Gallery, dem Madrider Museo del Prado, dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Musée du Louvre in Paris, der St. Petersburger Staatlichen Eremitage, der National Gallery in Washington und dem Wiener Kunsthistorischen Museum. Bei den meisten der ausgestellten Exponate handelt es sich wegen ihres unschätzbaren Wertes um grundsätzlich nicht ausleihbare Werke. Umso bemerkenswerter ist diese – tatsächlich einzigartige – Schau; obendrein für die Kunstwissenschaft ein bedeutendes Ereignis: bietet diese Zusammenstellung doch erstmals die Möglichkeit des unmittelbaren Vergleichs dieser Gemälde untereinander, die vieles miteinander gemeinsam haben, vor allem die „Entdeckung der Wirklichkeit in der Malerei“. So wollen der Städel-Kurator Jochen Sander und sein Berliner Kollege auf der Grundlage dieser Ausstellung einer weitverbreiteten Ansicht entgegentreten, die in dem legendären „Meister von Flémalle“ den in Tournai tätigen Maler Robert Campin (1375 bis 1444) vermutet. Vielmehr wird mit der Werkschau die These untermauert, bei dem fiktiven „Meister von Flémalle“ handele es sich nicht um eine Einzelperson, sondern um einen Kreis von Malern, wohl unter dem Einfluss Robert Campins, zu denen auch Rogier van der Weyden zählt.

Eine derartige Malerei mit ihrer detailrealistischen Wiedergabe der Wirklichkeit hatten die Menschen des 15. Jahrhunderts noch nicht gesehen. Den Weg zu dieser neuen Malweise ebnete nicht zuletzt die Ölfarbe, bei der das Öl die bisher hauptsächlich als Bindemittel verwendete Tempera ablöste.

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Meister von Flémalle, „Madonna an der Rasenbank“, Eichenholz, 40,2 mal 28,5 cm,
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Foto: bpk/Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin/Jörg P. Anders

Bei der in das erste Drittel des 15. Jahrhunderts zu datierenden „Madonna an der Rasenbank“ handelt es sich, wie sich aus Vergleichen mit inhaltlich ähnlichen Werken ergibt, vermutlich um die rechte Tafel eines Diptychons. Auffallend und ungewöhnlich die erschrockene, ja angstvolle und abwehrende Gebärde des Jesuskindes. Sie scheint sich gegen eine Darstellung der späteren Passion – des Schmerzensmannes – auf der dazugehörigen linken Tafel zu wenden.

Auffallend zum Beispiel auch die akribisch-realistische Darstellung der Flora auf dem Boden und auf der Rasenbank, neben einer Vielzahl von Pflanzen sind unschwer Erdbeeren und Löwenzahn auszumachen.

„Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“ im Städel Museum Frankfurt – eine wirklich phantastische Schau von Meisterwerken der Malerei der „ars nova“ an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit.

→  Folge 2

→  Folge 3

WANDA PRATSCHKE – EIN KÜNSTLERISCHER PROZESS / 2

Samstag, 20. Dezember 2008

„LIEGENDE“ von Wanda Pratschke

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Wanda Pratschke, „Liegende“, (zweiter) Bronzeguss, 22 x 38 x 22 cm

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Es hat sich viel getan seit besagtem 12. Dezember: Die Bildhauerin Wanda Pratschke arbeitet rund sechs Stunden täglich in der zum Atelier umgewandelten AusstellungsHalle 1A in Frankfurt-Sachsenhausen. Ihre grosse „Liegende“, vor einer Woche – Status 12. Dezember – noch eher einem Gerüst ähnelnd, hat einiges an „Fleisch“ und „Muskeln“ angesetzt. Die Skulptur mit den Ausmassen 110 x 190 x 110 cm wächst langsam und stetig in den Raum hinein. Weiterlesen

Bergpark Nidda-Bad Salzhausen, Mitte Dezember 2008

Donnerstag, 18. Dezember 2008

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Siegfried Böttcher, „Popcorn“, Michelnauer Tuff

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