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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Dezember, 2008

Neujahr 2009

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Johann Wolfgang Goethe

Zum neuen Jahr

Zwischen dem Neuen,
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heisst mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.

Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.

Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!

Dankt es dem regen,
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut;
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!

Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.

So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar,
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.

animated_fireworks.gif

Weihnachtsspeck? Weg damit!

Montag, 29. Dezember 2008

Heute möchten wir uns besonders an unsere geneigten Leserinnen wenden.

Was sich eventuell in der Weihnachtszeit lästig als Fettpölsterchen angesammelt haben mag (die Gründe wären vielfältig, beispielsweise Glühwein, Lebkuchen, Pistazienmarzipan, mehrfach Gänsebraten und Dresdner Stollen usw.), lässt sich einfach und mühelos wegtrainieren:

suryanamaskar.gif

(Bildnachweis: Camino / wikimedia commons GFDL)

Schauen Sie sich die Übungen der jungen Dame an, sind sie nicht kinderleicht? Turnen Sie sie ganz einfach nach, trainieren Sie anfangs langsam und steigern Sie dann allmählich das Tempo, bis Sie etwa gegen Mitte Januar 2009 mit dem Rhythmus der Vorturnerin spielend mithalten können.

“Der Weihnachtsspeck
ist bald schon weg!”

Aber ja!

Weihnachtsgrüsse 2008

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Meinen Leserinnen und Lesern
ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

gauguin-450.jpg

Paul Gauguin (1848 bis 1903) , Geburt Christi, des Gottessohnes (Te tamari no atua), Öl auf Leinwand, 96 x 128 cm, Neue Pinakothek München

“Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden” im Städel Museum Frankfurt / 3

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Den Darstellungen zweier Madonnen des “Meisters von Flémalle” und aus der Werkstatt Rogier van der Weydens in den ersten Abschnitten unserer Betrachtungen schliesst sich heute eine Geburtsszene an, wiederum aus dem Kreis des “Meisters von Flémalle”.

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Meister von Flémalle, Geburt Christi, Eichenholz, 85,7 mal 72 cm,
Musée des Beaux Arts, Dijon
Foto: Musée des Beaux Arts, François Jay

Diese Darstellung der Geburtsszene zählt mit zu den bemerkenswertesten – und faszinierendsten – ihrer Art in der abendländischen Malerei. Ihre Symbolsprache und ihr Detailreichtum vermag sich einem Betrachter im Zeitalter heutiger massenmedialer Reizüberflutung zwar kaum mehr zu erschliessen. Versuchen wir es dennoch:

Die Szene ist in eine ideale Landschaft gebettet mit der detaillierten Wiedergabe einer befestigen Burg und Stadt. Es ist eine herbstlich-winterliche Landschaft, die Bäume stehen beschnitten und ohne Laub. Eine – offensichtlich aufgehende – Sonne erhellt die Szenerie. Bemerkenswert die brennende Kerze in Josephs Hand, an die Dunkelheit der Geburtsnacht gemahnend.

Die Personengruppen umfassen jeweils drei Gestalten: die der drei Engel in ihren farbigen Gewändern, der drei Hirten, der heiligen Familie und der beiden Damen rechts im Vordergrund mit dem ihnen zugewandten Engel.

Das Jesuskind liegt nackt auf dem blossen Erdboden. Maria – im Gegensatz zu fast allen anderen überlieferten wie modernen bildlichen Darstellungen, die sie in blauen und roten Gewändern zeigen – trägt knieend ein weisses Kleid und einen weissen Umhang. Und: Ihr gegenüber knieen beziehungsweise stehen zwei Hebammen, es sind Azel und Salome, zwei Figuren aus dem apokryphen Evangelium des “Pseudo-Matthäus”, von denen die eine an die “unbefleckte Empfängnis” glaubt, die andere hingegen nicht. Die beiden Damen tragen eine hochherrschaftliche, festliche, zweifellos sehr aufwändige und teure Kleidung. Zu ihnen spricht der ihnen zugewandte Engel, im Gegensatz zu der Engeltroika über dem Dach des Stalles in ein ähnlich festlich anmutendes weisses Gewand gekleidet. Welch ein ungeheurer Kontrast zu dem nackt auf dem Boden liegenden Jesuskind!

Bescheiden dagegen wiederum die Aufmachung der drei Hirten in ihren rustikalen, aus groben Stoffen gefertigten Umhängen, der eine hält ein armseliges Musikinstrument, eine Sackpfeiffe, der andere einen schmucklosen Filzhut in den Händen.

Die Geburt findet – besser fand, auch die beiden Hebammen scheinen zu spät zu ihr gekommen zu sein -  vor einem sich in einem erbärmlichen Bauzustand befindlichen Stall statt. Und auch dieser Stall mit seinen verrotteten Wänden bleibt den Tieren als Schutzraum vorbehalten – Ochse und Esel haben ihn in Beschlag genommen, allenfalls Maria scheint noch etwas Geborgenheit unter dem vorstehenden, ebenfalls schadhaften Dach zu finden.

Alt und müde wirkt Joseph – und distanziert, wie er hilflos seinen Blick auf das nackt auf dem Boden liegende Kind senkt.

Erinnern wir uns: Die Bildersprache der alten Meister richtete sich – vor allem, wenn sich die Werke im öffentlichen oder zumindest halböffentlichen Raum befanden – an eine in weiten Teilen noch von Analphabetismus gekennzeichnete Gesellschaft. Sie trat neben die mündliche Überlieferung von Wissen und Erfahrungen. Wir haben es längst verlernt, diese Bildersprache zu entziffern, und es setzt Zuwendung voraus und bereitet einige Mühe, den Weg zu ihr zu finden  in unserer – wir sprachen bereits davon – von ebenso banalen wie plumpen massenmedialen Reizen überfluteten Zeit. Aber die Anstrengung lohnt sich – so meinen wir.

Die Ausstellung im Städel Museum endet am 22. Februar 2009. Anschliessend ist sie – in einer allerdings modifizierten Form – in der Berliner Gemäldegalerie zu sehen.

Eine herausragende Leistung stellt der zur Ausstellung erschienene, reich bebilderte Katalog dar. Sein Preis von 34,90 Euro mutet in Anbetracht der opulenten Ausstattung nahezu als ein Schnäppchen an – es ist immer noch Zeit für ein verspätetes Weihnachtsgeschenk und erst recht für die sinnvolle Verwendung einer entsprechenden Geldgabe.

Wir hoffen, liebe Leserinnen und Leser, Ihnen mit der nachfolgenden grösseren Wiedergabe dieser Geburtsszene eine erste vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Meisterwerk zu ermöglichen. Eine Abbildung kann jedoch keinesfalls die unmittelbare Betrachtung des Originals im Städel Museum ersetzen, sondern lediglich dazu ermuntern, die Schritte dorthin zu lenken.

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(Bildnachweis: s. oben)

“Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden” im Städel Museum Frankfurt / 2

Dienstag, 23. Dezember 2008

Stellten wir im 1. Abschnitt unseres Beitrags zur gemeinsamen Ausstellung von Städel Museum und Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin die “Madonna an der Rasenbank” vor, so wenden wir uns heute einer Madonnendarstellung aus der Werkstatt Rogiers van der Weyden zu, die als ein Teil eines Diptychons oder eines Triptychons verstanden wird.

Die bekrönte Madonna steht in einer von zwei goldenen Löwen geschmückten Thronnische. Der Realismus der Darstellung geht mit deren – für die damalige Zeit ungewohnten – Freizügigkeit einher: Das Jesuskind ist nackt, nur spärlich mit einer Windel verhüllt, Maria stillt es mit entblösster Brust. Die Kunstkritik würdigt den emailartigen Schmelz und die pralle Rundheit der unbekleideten Körperpartien. Phantastisch der Faltenwurf und das Blau des Madonnengewandes vor dem goldbrokatenen Ehrentuch im Hintergrund, umrahmt von der steinernen Umrandung der Thronnische.

Wieder faszinieren der Detailreichtum – Krone und Haar der Madonna, die Ornamentik des Ehrentuchs oder der gekachelte Fussboden – und die auf das Sorgfältigste ausgeführte malerische Arbeit.

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Rogier van der Weyden (Werkstatt), Madonna (Flügel eines Diptychons); Eichenholz, 18,9 mal 12,1 cm,
Kunsthistorisches Museum, Wien
Foto: Kunsthistorisches Museum

Das kleinformatige Gemälde wurde zunächst den frühesten Arbeiten Rogier van der Weydens (1399/1400 bis 1464) zugerechnet, wird aber heute als eine Werkstattarbeit aus der Mitte des 15. Jahrhunderts angesehen.

Ausstellung im Städel Museum Frankfurt am Main.

(zu Folge 3)