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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for November, 2008

Nicht von Tucholsky …

Donnerstag, 6. November 2008

weltbuhne.JPG

Der aktuelle Internet-Wurm dieser Tage: Natürlich ist das Gedicht nicht von Kurt Tucholsky (und es stand deshalb auch nicht in der “Weltbühne”), sondern laut “Wiener Standard” stammt es wohl aus der Feder von Richard Kerschhofer (Wien 2008):

Wenn die Börsenkurse fallen
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heisst Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek auf’s Haus
heisst, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen grosse Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Presidential Election 2008

Mittwoch, 5. November 2008

Presidential Election 2008:

flag-of-the-united-states.png

Wir sind erleichtert!

barack_obama.jpg

US-people did a great job!

Do you remember Presidential Election 2000 in Florida?

No?

Look here:

prasidentschaftswahlen-2000-in-florida-700.gif

Die Gurke und der EU-Regelungswahn – gibt’s was Neues?

Sonntag, 2. November 2008

Na ja, das Thema ist alt. Aber immer wieder lustig. Sie wissen schon, der Krümmungsgrad, der Banane etwa, oder der Gurke. Und dass es da Verordnungen gibt, die diesen Krümmungsgrad regeln.

Aber was war neulich los? Es ist nicht zu fassen: Die EU will den Krümmungsgrad der Gurke nicht länger verordnen!

Wie das?

Also da gibt es die “Verordnung (EWG) Nr.1677/88 der Kommission vom 15. Juni 1988 zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken”.

Diese sollen in der Klasse Extra “gut geformt und praktisch gerade sein (maximale Krümmung: 10 mm auf 10 cm Länge der Gurke)” und in der Klasse I “ziemlich gut geformt und praktisch gerade sein (maximale Krümmung: 10 mm auf 10 cm Länge der Gurke)”.

Für die Klasse II regelt die Verordnung: “Leicht gebogene Gurken können eine maximale Krümmung von 20 mm auf 10 cm Länge der Gurke aufweisen … Krumme Gurken können eine grössere Krümmung aufweisen, sie müssen getrennt aufgemacht (? sic!) werden”.

Und dann gibt es noch die Klasse III, wo es unter anderem heisst: “Krumme Gurken, die wie in der Klasse II getrennt aufzumachen (!) sind, dürfen jedoch alle Mängel aufweisen, die in der Klasse II für gerade und leicht gebogene Gurken zugelassen sind.” Alles klar?

autsch.jpg

(Foto: Ernst Rose / pixelio.de)

So, Sie wussten das natürlich alles, meine geschätzten Leserinnen und Leser. Und gingen deshalb schon länger mit Zollstock und Winkelmesser zum Gurkenkauf.

Nun, das brauchen Sie in Zukunft vielleicht nicht mehr zu tun. Denn die Verordnung soll ja – zumindest wohl diesbezüglich – abgeschafft werden. Übrigens haben Sie das dem ehemaligen Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern, Edmund Stoiber, zu verdanken, dem Vorsitzenden der 15-köpfigen Brüsseler “High Level Group” für den Bürokratieabbau in der Union.

Nun gibt es seit kurzem eine völlig neue und schlichtweg revolutionäre Entwicklung: In bislang geheim gehaltenen Labors hat die Gentechnische Lebensmittelindustrie Deutschlands (GLID) erfolgreich die Gurkenbanane oder auch Bananengurke entwickelt. Sie steht kurz vor ihrer Markteinführung.

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(Foto: Michael Mertes / pixelio.de)

Würde sie die EU-Bürokraten zur Verzweiflung bringen, die Gurkenbanane oder auch Bananengurke, hier fotografiert von Michael Mertes ?

Wie aber, potztausend, soll deren Krümmungsgrad geregelt werden? Ob die EU wiederum eine “High Level Group” einsetzen wird, um diese schwierige neue Aufgabe zu meistern?

Und, ja, wo, ja wo sind denn nun die nächsten Ministerpräsidentenwahlen … könnte da nicht vielleicht möglicherweise eventuell wieder ein freigesetzter Ministerpräsident eine neue Beschäftigung im geliebten Brüssel finden? Oder rettet uns Andrea “Harakiri” Ypsilanti davor?