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Das Online-Magazin von Erhard Metz

Tommaso Cascella – Forme nello spazio

“In diesen Jahren, in denen das Interesse für die figurative Malerei wieder erwacht ist, beharre ich darauf, mit meiner Arbeit gegen den Strom zu schwimmen, indem ich das Primat der Abstraktion als einen Blick nach innen bejahe.” (Tommaso Cascella)

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Tommaso Cascella – Forme nello spazio

Text: Friederike Schroeder

In der Frankfurter Westend Galerie sind bis zum 23. Januar 2009 Bilder des Malers und Bildhauers Tommaso Cascella zu sehen, dem die Galerie hiermit bereits zum fünften Mal eine Einzelausstellung widmet.

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Slancio immoto (Regungsloser Schwung), 2008, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100 cm

Die Werke überraschen durch ihren archaisch anmutenden Charakter: Auf leuchtende Farbfelder sind grafische symbolhafte Zeichen aufgetragen, die an alte Schriften und Hieroglyphen denken lassen. Die Farbe ist von grobkörniger Substanz, so dass die Bildoberfläche an den Verputz einer Mauer erinnert. Neben grossformatigen Bildern sind in tiefen Rahmen kleine verspielte Collagen aus Papier und Pappe zu sehen, die sich zu Bühnen, „teatrini“, wie sie der Künstler nennt, auffächern.

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Il cerchio delle mani (Der Kreis der Hände), 2008, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100 cm

Tommaso Cascella, 1951 in Rom geboren, ist mit der Kunst aufgewachsen: Vier Generationen von Malern, Bildhauern und Keramikern sind aus der Familie hervorgegangen. In Pescara befasst sich ein ganzes Museum, das Museo Cascella, mit dem Schaffen dieser Künstlerfamilie. Internationale Bekanntheit haben sein Vater Pietro und sein Onkel Andrea Cascella erlangt, dessen Arbeiten auf der Biennale di Venezia und der Quadriennale di Roma gezeigt wurden. Es war der frühe Kontakt mit der Kunst, der Tommaso Cascella einen eigenwilligen Stil finden ließ. Sicherlich ist auch sein Experimentieren mit unterschiedlichsten Techniken auf den Einfluss seines Umfelds zurückzuführen.

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Il seme negli occhi (Das Korn in den Augen), 2008, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100 cm

Tommaso Cascella hat Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und zuletzt auch Keramiken geschaffen. Für seine Bilder mischt er Farbpigmente und Sand mit Vinavil, so dass eine raue, bewegte Oberfläche entsteht. Die Farbfelder werden zu Farbräumen, Farblandschaften, zur Bühne der Zeichen, die Cascella als sein „alfabeto“ bezeichnet. Immer wieder erscheint die Spirale, die vor allem als Symbol des Lebens und der ewigen Wiederkehr zu verstehen ist, aber auch als Notenschlüssel oder menschliche Figur gelesen werden kann.

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L’arretrare del sole (Rückzug der Sonne), 2008, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100 cm

Über ihren Symbolcharakter hinaus ist es auch die Art der Gestaltung, die den Chiffren ihre Bedeutung verleiht. Eine mit spitzen Formen und langem Schatten in weitem Raum dargestellte Spirale kann Assoziationen an eine Sanduhr wecken und so an die Vergänglichkeit gemahnen. Auf anderen Bildern hingegen scheint die Spirale leicht über die Leinwand zu schweben, und sie wird so zum positiven Zeichen.

Grundsätzlich ist bei Cascella eine spielerische, heitere Grundnote vorherrschend. Mit seinen abstrakten Zeichen hat er eine Bildsprache entwickelt, die sich, unabhängig von der verwendeten Technik, durch seine Kunst zieht und sein ganzes Werk zu einer grossen Narration mit Tagebuchcharakter zusammenwachsen lässt. Neben den Zeichen bieten die Titel der Werke einen weiteren Anreiz für Assoziationen. Sie sind oftmals der Literatur, in erster Linie der Poesie entnommen, wie zum Beispiel “In der Höhle der Luft”, “Die Schwalbe des Tages” oder “Spröder Frühling”.

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Lampo d’essere (Blitz des Seins), 2008, 100 x 150 cm, Mischtechnik auf Karton

Mit Hilfe der Abstraktion will Cascella “Unsagbares ausdrücken”: “Das Universum, so ungenügend und lückenhaft von der Wissenschaft beschrieben, ist in seiner Ganzheit nur durch die Poesie beschreibbar, durch die Metapher und die Vision. Farbe und abstrakte Zeichen werden zum Emblem, welches das Leben und die vorhandene Energie sichtbar machen.”

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Silenzio rosso (Rote Stille), 2008, 100 x 150 cm, Mischtechnik auf Leinwand

(Bildnachweis: FRANKFURTER WESTEND GALERIE © Tommaso Cascella)

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