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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for September, 2008

Rätsel um eine schöne Frau – Simonetta Vespucci

Montag, 15. September 2008

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Sandro Botticelli (1445 bis 1510), Weibliches Idealbildnis (mutmasslich Simonetta Vespucci, um 1480)
© Städel Museum Frankfurt am Main

Keine andere als Simonetta Vespucci war zu erraten, die Geliebte des Giuliano I. de Medici. Die obige Darstellung zählt zu den schönsten und populärsten Gemälden des Städel Museums.

Leider wurde Simonettas edle Nase nur von vier Rätselrater(n/innen) erkannt, von:

Marlene Flury, Michael Köhres, Annelie Morelli und Ursula Roth.

Es gab Klagen, die Aufgabe sei zu schwer, man kenne “irgendwie” diese Gesichtspartie, aber … Nix aber!

Nun griff Fortuna (selbstverständlich mit geschlossenen Augen) zu und zog das Zettelchen mit dem Namen Marlene Flury. Herzlichen Glückwunsch! Natürlich handelt es sich um eine Eintrittskarte für das Städel Museum (auf Wunsch änderbar).

Wer war die schöne Simonetta Vespucci? 1453 geboren, verstarb sie bereits 1476 im Alter von nur 23 Jahren an Tuberkulose. Sie galt als die schönste Frau von Florenz und war daher begehrtes Vorbild mancher Maler, allen voran von Sandro Botticelli, einem der Meister der italienischen Frührenaissance. Er verewigte sie in einem Porträt, aber vermutlich auch in der “Geburt der Venus” und im obigen Städel-Bild.

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Sandro Botticelli, Portrait der Simonetta Vespucci (um 1476/1480)

Simonettas kurzes Leben war alles andere als harmonisch: Im Alter von 16 Jahren wurde sie mit Marco Vespucci (einem Cousin des Seefahrers und Entdeckers Amerigo Vespucci) verheiratet. Die unglückliche Ehe misslang – schon früh fand sie, wie es heisst, Zugang zu den Kreisen um die reiche und mächtige Familie der Medici. Giuliano I. de Medici, der Bruder des berühmten Lorenzo “Il Magnifico”, erlag ihrer Schönheit – sie wurde seine Geliebte. Übrigens ist auch Giulianos I. Konterfei in einem Porträt Botticellis auf unsere Tage überkommen.

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Sandro Botticelli, Die Geburt der Venus (wohl nach dem Gesicht der Simonetta Vespucci, Ausschnitt, um 1485)

Simonetta verstarb am 26. April 1476; sie ist in der Familienkapelle der Vespucci in der Kirche Ognissanti in Florenz beigesetzt. Auch Giuliano dem I. war kein glückliches Leben beschieden: Er wurde auf den Tag zwei Jahre nach Simonettas Tod, am 26. April 1478 während der Ostermesse im Dom Santa Maria del Fiore mit Dolchstössen ermordet.

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Piero di Cosimo (eigentlich Piero di Lorenzo), um 1462 bis um 1521, Porträt der Simonetta Vespucci als Cleopatra (ca. 1480/1490)

Das in der Städel-Sammlung befindliche “Idealbildnis” von Botticelli sei, so die Beschreibung des Museums, “ein wunderbares Beispiel für Porträtmalerei der italienischen Renaissance. Die überlebensgrosse Büste war vermutlich Teil einer Wanddekoration in einem florentinischen Palast. Lange wurde spekuliert, ob die dargestellte Dame Simonetta Vespucci, die berühmte Geliebte Giuliano de Medicis, sei. Auf den Bezug zu der Florentiner Familie der Medici weist auch die von der Dargestellten um den Hals getragene Gemme hin. Es ist bekannt, dass dieses Schmuckstück zur Sammlung der Medici gehörte”.

Sandro Botticelli wurde 1445 in Florenz geboren. Er erlernte die Goldschmiedekunst und studierte bei Fra Filippo Lippi die Malerei. 1470 machte er sich mit einer eigenen Malerwerkstatt selbständig. Sein Mäzen Lorenzo “Il Magnifico” de Medici förderte ihn und ermöglichte ihm eine glänzende Karriere nicht zuletzt als Porträtmaler in seiner Heimatstadt Florenz. 1481 berief ihn Papst Sixtus IV. nach Rom, wo er mit anderen herausragenden Künstlern seiner Zeit an der Ausmalung der Sixtinischen Kapelle beteiligt war. Am Ende seines Lebens verfiel Botticelli im Umfeld der religiösen und sozialen Umbrüche, besonders unter dem Einfluss von Girolamo Savonarola, der Schwermut. Er verbrannte einen Teil seiner Bilder, bevor er im Mai 1510 starb.

→  Das Traumpaar des Jahres 2009

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Spam, Spam, Spam …

Freitag, 12. September 2008

Woran erkennt man, dass man unwichtig ist?

Man bekommt nicht einmal Spam-Mails.

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SPAM-Dosenfleisch (SPiced hAM) - der Namensgeber

Wie werden wir uns im “Schwarzen Loch” fühlen?

Donnerstag, 11. September 2008

Gestern nahm am CERN der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) den Betrieb auf. Noch bis Ende dieses Jahres sollen – so hofft man – als Ergebnis bislang noch nicht realisierten Teilchen-Kollisionen spektakuläre Erkenntnisse zum Uralt-Thema

“Möchte wissen, was die Welt
im Innersten zusammenhält”

gewonnen werden.

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(CMS-Detektor des LHC; Foto: Muriel, wikimedia commons CC)

Otto Rössler, Doktor der Medizin, Professor für Physikalische und Theoretische Chemie sowie für Mathematik, bekannter Chaos-Forscher und Führer bizarrer juristischer Auseinandersetzungen gegen die Tübinger Universität, hält es für möglich, dass wir alle in gut vier Jahren in einem “Schwarzen Loch” sitzen werden (oder auch liegen, stehen, sonstwie), das aus den Experimenten entstehen könne. Deshalb klagte er gegen den LHC vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Einen entsprechenden Eilantrag wies der Gerichtshof ab – die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich langsam. Eine Entscheidung in der Sache steht noch aus. Sie dürfte, falls sich die Prognosen Rösslers bestätigen sollten, auch nicht mehr wichtig sein, sässen die Strassburger Richter dann doch selbst und in schöner Eintracht mit dem Kläger im “Schwarzen Loch”.

Übrigens – dort sässen dann ja auch Roland Koch, Andrea Ypsilanti, Tarek Al-Wazir, Willi van Oyen und Jörg-Uwe Hahn zwangsfriedlich miteinander vereint, auf ein Tausendmillionstel einer Stecknadelkopfgrösse geschrumpft – eigentlich toll, nicht wahr (ein “Rotes Loch” wird es wohl nicht geben können, oder doch, Herr Rössler)?

Na ja, das ist ein anderes Thema.

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Fiktives Schwarzes Loch (Bildnachweis: Ute Kraus, Physikdidaktik-AG Kraus, Theoretische Astrophysik Tübingen)

Hat sich Kasimir Malewitsch mit seinem legendären suprematistischen “Schwarzen Quadrat” vielleicht auch mit den Erkenntnissen seiner Zeitgenossen Albert Einstein und Karl Schwarzschild auseinandergesetzt?

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Kasimir Malewitsch (1878 bis 1935), Schwarzes Quadrat

Absolventenausstellung 2008 der Städelschule

Mittwoch, 10. September 2008

Ende 2008 ? Anfang 2008!

“Ende 2008″ heisst die diesjährige Abschlussausstellung der Absolventinnen und Absolventen der Staatlichen Hochschule für bildende Künste, der Städelschule in Frankfurt am Main. Eine gute Tradition findet damit ihre Fortsetzung.

Aber der diesjährige Titel scheint ein wenig resignativ anzumuten, sollte doch ein erfolgreicher Hochschulabschluss einen Anfang, den Schritt in einen neuen Lebensabschnitt bedeuten, in welchem man  – endlich – auf eigenen Füssen steht und seine weiteren persönlichen und beruflichen Perspektiven so frei wie möglich gestalten kann. Deshalb möchten wir den Studienabgängern lieber zurufen: Anfang 2008!

26 Absolventinnen und Absolventen der Städelschule stellten am 4. September 2008 ihre Abschlussarbeiten vor, die von Malerei und Skulptur über Fotografie, Video und Film bis zu Rauminstallationen reichen. Die sehenswerte Ausstellung im Erdgeschoss des Städel-Anbaus bleibt leider nur bis zum 21. September geöffnet. Wer sich über den Stand der künstlerischen Reflexionen und Entwicklungen an einer der bedeutendsten Kunstakademien Europas informieren will, sollte sie keinesfalls versäumen.

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© Nils Ebert 2008
bollwerk, 3 Tische, zerschossen
o.T., Ton
Nugat, Ton
Skateboard, Ton
o.T. (Pferd), 310 x 240 x 140 cm, Gips

Martin Engler, Sammlungsleiter für die Kunst nach 1945 am Städel Museum, Daniel Birnbaum als Rektor der Städelschule und Georg-Christof Bertsch, Vorstand des Vereins Städelschule Portikus e.V., eröffneten die Ausstellung mit Werken der Absolventen Ola Bielas, Erik Blinderman, Nils Ebert, Michael Eddy, Jana Euler, Simona Galeckaite, Manuel Gnam, Andrei Koschmieder, Laura Kuch, Pedro Lagoa, Sascha Langer, Maria Loboda, Elena Loukianova, Marina Naprushkina, Julia Nuss, Sarah Ortmeyer, Karl Orton, Mario Pfeifer, Att Poomtangon, Stehn Raupach, Benjamin Saurer, Matthias Scholten, Slava Seidel, Anja Sopic, Stephen Suckale und Hendrik Zimmer. Sie waren Schülerinnen und Schüler der Klassen der Professoren Michael Krebber, Mark Leckey, Christa Näher, Tobias Rehberger, Willem de Rooij und Simon Starling.

Wie im letzten Jahr fragen wir uns: Wo werden wir den Künstlerinnen und Künstlern künftig wieder begegnen, in welchen Galerien und Museen werden wir ihre Arbeiten antreffen, werden manche ihre weiter auszubauenden Ideen, Fertigkeiten und Erfahrungen als Lehrer an künftige Generationen weitergeben, aber werden auch einige am rauhen Lebensalltag stranden? Neun von zehn akademisch ausgebildeten jungen Künstlern werden, so heisst es, kaum einen angemessenen Lebensunterhalt mit einem Verkauf ihrer Arbeiten bestreiten können. Der “Kunstmarkt” ist in weiten Teilen durchkommerzialisiert, seine Gesetzmässigkeiten sind hart und unerbittlich, zumeist rücksichtslos gegenüber der menschliche Seite der Künstler. Das Angebot an junger Kunst ist auch für Professionelle kaum mehr überblickbar, die Konkurrenz im Kreis der Künstler riesengross. Und doch: Es ist beglückend zu sehen, dass sich junge Künstlerinnen und Künstler durch solcherlei Szenarien nicht beirren lassen und sich immer wieder aufmachen, ihren Weg zu finden und zu gehen. Und: Diese Ausstellungen im Städel Museum gewähren den an ihr Beteiligten einen durchaus respektablen Start in die künftige künstlerische Existenz.

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© Slava Seidel 2008
Lösung, Sepiatusche auf Leinwand, 150 x 13o cm

Traditionell wird bei der Ausstellungseröffnung der vom Verein Städelschule Portikus e. V. gestiftete, mit 2000 Euro dotierte Absolventenpreis vergeben. Preisträgerin des Jahrgangs 2008 ist Sarah Ortmeyer mit ihrer Arbeit “Gala La Love”. Die 1980 in Frankfurt am Main geborene Künstlerin studierte zuletzt in den Klassen der Professoren Wolfgang Tillmanns und Simon Starling.

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© Sarah Ortmeyer 2008
Gala La Love, Papier auf Holz

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Thema der Preisträgerarbeit sind “Paare”, die sich in der Vorstellung der Künstlerin beziehungsweise in der Realität niemals begegneten oder begegnen konnten oder dies eben gerade doch auf eine besondere Weise taten, wenn auch kaum unter dem Vorzeichen “love”. Überhaupt: Was für eine Verknüpfung: “la” und “love”! Zum einen, sicher eher vordergründig, parodiert Ortmayer mit subtilem Humor auf mehreren Reflexionsebenen am Beispiel der Zeitschrift “Gala” eine dem Zeitgeist verhaftete Presse, die sich mit realen oder vermuteten Beziehungsgeschichten über “Prominente” an ein – wie die publizistische Forschung ausweist – ganz überwiegend weibliches Publikum wendet unter dem Motto “gute Nachrichten und schöne Bilder statt negative Schlagzeilen und Leid”. Entsprechend gehören zu dem Werk einige Exemplare einer “Gala”-Ausgabe (Nr. 37 vom 4. September 2008), mit einem Einhefter der Künstlerin versehen, der verschiedene Angaben und Illustrationen über die in der Realität möglichen wie vermeintlichen “Paare” beinhaltet.

Wer sich eingehender mit der Arbeit von Sarah Ortmeyer auseinandersetzen will, muss zuvor selbst einiges an eigener Arbeit investieren: Es wird ihm nicht erspart bleiben, sich mit dem Leben und dem Handeln der betreffenden Personen näher zu befassen, um den Un- oder Hinter-Sinn ihrer “Paarungen” zu ergründen: Die Mühe lohnt sich, man wird erstaunliche Entdeckungen machen.

Sarah Ortmeyer bringt auf diese Weise Angela Davis und Theodor Adorno, Glenn Gould und Thomas Bernhard, Sophie Scholl und Otl Aicher, Andreas Baader und Nico (Christa Päffgen), Peggy Oki und Tony Alva, Simone de Beauvoir, Che Guevara und Jean-Paul Sartre – ausnahmsweise als Trio und in der Mitte des Ensembles positioniert, entsprechend der historischen Begegnung der drei im Jahr 1960 – , Queen Elizabeth II und Marcel Duchamp, Barbra Streisand und Bobby (Robert James Fischer), George Schulte-Frohlinde und Yoko Ono, Djuna Barnes und Thelma Wood sowie schliesslich Ludwig Wittgenstein und Margarethe Stonborough Wittgenstein jeweils miteinander in Beziehung.

Die Arbeit besteht aus elf Holzkästen, innen mit weissem Passepartout-Karton ausgekleidet, die bildlichen Darstellungen sind, jeweils im Passepartout-Fenster, in unterschiedlicher Weise angeordnet.

Die diesjährige Jury – Georg-Christof Bertsch, Martin Engler, Melanie Ohnemus (Kuratorin, Portikus) und Thomas Wagner (freier Kunstkritiker) – hat ein sperriges Werk prämiert, das dem betrachtenden Publikum einiges “zumutet”.

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© Benjamin Saurer 2008
ohne Titel, Mischtechnik auf Stoff
ohne Titel, Mischtechnik auf Papier

Kuratorin der Ausstellung ist Katharina Dohm von der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Ihr gelang es mit viel Einfühlungsvermögen, die sehr unterschiedlichen künstlerischen Positionen in einen durchaus sich erschliessenden Kontext der Präsentation eines Jahrgangsabschlusses zu bringen. Städelschul-Rektor Daniel Birnbaum, durchaus bekannt als ein Freund offener Kritik,  zeigte sich entsprechend sehr zufrieden mit der Qualität der Ausstellung.

(Bildnachweis: Städelschule / Städel Museum; Fotos: Norbert Miguletz)

“Saure Gurke” 2008

Montag, 8. September 2008

Es ist soweit: Die Teilnehmerinnen des mit grosser Spannung erwarteten 31. Herbsttreffens der Medienfrauen von ARD, ZDF und ORF in Wien haben an diesem Wochende den heiss begehrten Wanderpreis “Saure Gurke” des Jahres 2008 verliehen: Die Auszeichnung erhielt Günter Struve, der langjährige Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr Struve! Also – bei allem Respekt und unserer tiefen Anerkennung: Ein wenig neidisch sind wir ja doch auf Sie, wir, die wir nie die Chance und erst recht nicht das Vergnügen hatten, für diese hohe Auszeichnung überhaupt nur in Betracht gezogen zu werden. Aber ein wenig stolz sind wir auch (rechnen wir uns doch immer noch und uneingeschränkt zum grossen Familienverbund der ARD), diesen Preis im harten Wettbewerb mit den bösen kommerziellen Veranstaltern (igittigitt!), gegen diese schier übermächtige und eigentlich für unbesiegbar gehaltene Konkurrenz für den Clan “gesichert” (wie es bei uns so schön heisst) zu haben.

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(Medienpreis “Saure Gurke” (Bildnachweis: Medienpreis “Saure Gurke” Manuela Schönberg)

Die Saure Gurke wird verliehen für Beiträge, in denen Frauen nicht vorkommen oder in denen Frauen über ihren Körper definiert werden oder die den Zuschauerinnen und Zuschauern überidealisierende Rollenmodelle aufdrängen.

Die Begründung der Preisverleihung wollen wir Ihnen, geneigte Leserinnen und Leser, natürlich keinesfalls vorenthalten, hier ist sie:

“Seinem steten Bemühen verdanken wir die Einführung frauenaffiner Formate im öffentlichen-rechtlichen Fernsehen. Vom Aussterben bedrohte Rollenklischees wurden erfolgreich reanimiert. Sie finden sich inzwischen an immer mehr Abenden zur besten Sendezeit in Werken wie “Liebe nach Rezept” oder “Der Traum ihres Lebens” und ganz besonders in “Ein Wink des Himmels” aus der Reihe “Der Arzt vom Wörthersee”, gesendet am 23. März 2008 um 20.15 Uhr in der ARD und in ORF 2.

Herrlich – wie in traumhafter Landschaft schöne Menschen trotz aller Intrigen und Schicksalsschläge ihren Platz finden: die hingebungsvolle Ärztin und ihr intrigantes Gegenstück, die fürsorgliche Therapeutin, die lebenskluge Grossmutter, die patente Pensionswirtin, die mutige Postbotin, die erfolgreiche Managerin, die blonde, tief dekolletierte Sekretärin. Zum männlichen Personal gehören der schlitzohrige Bürgermeister, der geniale Arzt, der falsche Pfarrer und der fiese Geschäftsführer. Nicht zu vergessen: eine Schar wohlerzogener Kinder. Eben Menschen wie du und ich, die wir ohne Günter Struve nie kennen gelernt hätten. Wir sind ihm zu Dank verpflichtet.”

Ja, wir schliessen uns – als Unwissende zwar, denn wir haben bislang das Einschalten dieser herausragenden Sendungen erfolgreich vermeiden können , also gleichsam beschränkt auf Erkenntnisse vom Hörensagen – diesem Dank an. Denn: Die Medienfrauen, sie werden schon recht hingeschaut haben, sie werden es schon richtig gemacht haben mit der Preisverleihung, da sind wir uns ganz sicher! Aber ja!

Im vergangenen Jahr erhielt, Sie werden sich, liebe Leserinnen und Leser, noch gerne erinnern – die ZDF-Produktion “Lafer! Lichter! Lecker!” mit Johann Lafer und Horst Lichter diese beliebteste Auszeichnung, die wir in unserem wunderschönen Fernsehland vergeben können.

Lieber Günter Struve, nehmen Sie es nicht so schwer. Also – wir hätten da einen kleinen Rat, wie Sie sich trösten können: Gehen Sie doch am besten gleich morgen zu Johann Lafer und lassen Sie sich von ihm mit dem Menü verwöhnen, das wir für ihn im vergangenen Jahr in unserem kleinen Artikelchen entwickelt haben, verzehren Sie es gemeinsam mit ihm, und es wird Ihnen anschliessend – garantiert! – direkt sau(regurken)wohl gehen!

Der Autor grüsst Sie herzlich von dieser Stelle aus!

→  Saure Gurke 2009