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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for September, 2008

Percorsi del colore – Albano Morandi und Manlio Onorato

Montag, 22. September 2008

Leserinnen und Leser dieser Seite kennen seit langem die Frankfurter Westend Galerie im Haus der Deutsch-Italienischen Vereinigung. Freunden der Galerie sind Morandi und Onorato keine Unbekannten, stellten doch beide Künstler in den Jahren 2001 beziehungsweise 2002 dort aus. In die aktuelle Ausstellung führt Sie die Kunsthistorikerin und Italianistin Friederike Schroeder ein:

Percorsi del colore – Wege der Farbe

Text: Friederike Schroeder

Am 13. September 2008 eröffnete die Frankfurter Westend Galerie, ein Forum für italienische moderne und zeitgenössische Kunst, die Ausstellung Percorsi del colore – Wege der Farbe. Gezeigt werden Arbeiten von Albano Morandi und Manlio Onorato, zwei Künstlern, die sich auf ganz unterschiedliche, wenn nicht sogar konträre Art und Weise mit dem Thema Farbe und Malerei auseinandersetzen. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober 2008 zu sehen.

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Albano Morandi und der Leiter der Galerie, Salvatore A. Sanna

Die Unterschiede zwischen zwei Künstlern könnten kaum größer sein. In starkem Kontrast stehen sich Morandis Collagen und Assemblagen aus Materialien, die er dem Alltag entnimmt und zweckentfremdet, eine Art farbenfrohe arte povera, und Onoratos zarte, den Werken Rothkos und den mosaikhaften Bildern Klees nahe stehende Farbfeldkompositionen gegenüber.

Morandi verwendet als Bildträger unter anderem Schachteln, Metallplatten oder auch die Platte eines Schulpults, auf diesen fixiert er bunte Klebebänder oder Stoffe (Matratzenstoffe oder Möbelbezüge) und organisiert sie in ästhetisch ausgewogenen Kompositionen. Zuletzt werden die Collagen oder Assemblagen mit einer Wachsschicht überzogen, so dass das Farb- und Materialspiel gedämpft wird und dabei eine Einheit entsteht.

Manlio Onorato bedient sich der Pastell- oder Ölmalerei. Bei näherem Ansehen der Bilder entsteht im Auge des Betrachters eine starke Tiefenwirkung, und sie scheinen aus dem atmosphärischen Bildraum heraus zu leuchten.

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Manlio Onorato, Arcipelago, 2008, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm

Albano Morandi (geboren 1958 in Salò, lebt und arbeitet in Raffa del Garda) hat Bühnenbild studiert und ist heute Dozent für Bühnenbild an der Libera Accademia di Belle Arti di Brescia. Dieses die Künste vereinende Studium hat ihn geprägt, er setzt sich in der Kunst für einen Dialog zwischen darstellenden und bildenden Künsten ein und möchte sich auch selber auf keine der Künste festgelegen.

Manlio Onorato (geboren 1951 in Castel Morrone, Kampanien, lebt und arbeitet in Lonigo, Venezien) hat Mathematik und Physik studiert. Als Naturwissenschaftler hat er sich sehr intensiv mit der Wahrnehmung von Farbe auseinandergesetzt, dieses Wissen ist in seine Bilder eingegangen und erklärt die besondere optische Wirkung seiner Werke.

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Albano Morandi, Dittico Rubelli, 2008, Klebeband, Stoff und Wachs auf Spanplatte, 144 x 140 cm

Während Morandi Möglichkeiten erprobt, die Malerei von der Handschrift des Malers zu lösen, steht Onorato in der Tradition der venezianischen Malerei, die Zartheit seiner Bilder erinnert insbesondere an Tiepolo. Auch Morandis Kunst ist reich an Bezügen zur Kunstgeschichte, diese wird jedoch zumeist ironisch reflektiert. Seine Streifenbilder erinnern an den Neoplastizismus Mondrians (auch mancher Titel, zum Beispiel  Neo/Plastico, nimmt ausdrücklich auf ihn Bezug), doch malt Morandi die Streifen nicht, sondern er klebt sie oder verwendet gestreifte Matratzenstoffe zurück. Sein Ziel ist es, und er versteht es als Aufgabe des Künstlers heute, dem Betrachter neue Perspektiven zu eröffnen, daher stellt er alltägliche Gegenstände in der Auseinandersetzung mit künstlerischen Traditionen auf eine spielerische, dadaistische Art und Weise in neue Zusammenhänge.

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Manlio Onorato, Mediterraneo, 2008, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm

Onorato hingegen hat es auf dem Gebiet der klassischen Malerei zu höchster technischer Virtuosität gebracht. Er ist sich der charakteristischen Wirkung der einzelnen Farben und Farbkontraste bewusst und weiss diese gezielt einzusetzen. Durch Komplementärkontraste entsteht das charakteristische Leuchten der Bilder. Auch schöpft er die Möglichkeiten der Pastell- und Ölmalerei voll aus. Durch die Verwendung des olio magro, eines stark mit Terpentin vermischten Öls, schafft er eine aquarellhafte Wirkung und so feine Übergänge, dass in seinen Bildern eine unendliche Tiefe entsteht. Diese Übergänge sind so zart, dass Reproduktionen keinen Eindruck von der Wirkung dieser Bilder vermitteln können. Der Ausdruck der Werke ist sehr unterschiedlich, manche sind energiegeladen, wie flirrende Farbteppiche, andere strahlen eine meditative Ruhe aus.

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Manlio Onorato und Friederike Schroeder

Die verschiedenen Wege der Farbe in den Werken dieser beiden gegensätzlichen Künstler nachzuvollziehen, lädt die Frankfurter Westend Galerie herzlich ein.

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(Bildnachweis: Frankfurter Westend Galerie; © Albano Morandi und Manlio Onorato)

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig …

Samstag, 20. September 2008

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig

Text: Ingrid Malhotra
Buchautorin und Fotografin

Fotografien: Ingrid Malhotra und Marion Toelle (2)

Wirklich?

Auch auf einer schwimmenden Kleinstadt?

Wir machen gerne Kreuzfahrten – wir, das sind vier Freunde, die viel unterwegs sind, mal alleine, mal zu zweit, mal zu viert.

Aber eine Kreuzfahrt auf einem dieser Riesendampfer können wir uns nur sehr schwer vorstellen. Deshalb sind wir ja auch so neugierig. Und deshalb haben wir auch nur die kleinstmögliche Kreuzfahrt gebucht: Southampton – Cork – Southampton.

Länger haben wir uns nicht getraut, denn uns steckt noch die Kreuzfahrt mit einem der Schiffe mit dem Kussmund in Erinnerung. Dort war der Altersdurchschnitt so niedrig, dass wir direkt alt aussahen. Irgendwie ziehen wir amerikanische Schiffe vor; dort ist der Altersdurchschnitt meist so hoch, dass wir uns fast wie die Kinder an Bord fühlen …

Die „Independence of the Seas“ ist ein amerikanisches Schiff.

Aber so gross! Fast 160.000 BRT, über 338 m lang, 1400 Mann Besatzung, Kapazität für 3328 Passagiere, 14 Etagen, hm, nein, Decks …Kann man sich auf einem so grossen Schiff noch wohl fühlen?

Na, mal sehen …

Die Anreise macht auf jeden Fall schon viel Spass: mit dem ICE nach Brüssel, nach (eher weniger spassigem) Check-in wie bei einer Flugreise weiter mit dem Eurostar unter dem Kanal hindurch nach London. Eine hatte Angst, klaustrophobisch zu werden beim Gedanken, dass so viel Wasser über ihrem Haupte fliesst, aber sie hat es einfach verschlafen.

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In London ist der alte Bahnhof St. Pancras gleich bei King’s Cross für den Eurostar wieder in Betrieb genommen worden, und bei dieser phantastischen Mischung aus viktorianischer Prachtarchitektur und modernster Technik stand ich schon mit offenem Munde da und staunte nur noch. Aber der wäre eine eigene Reportage wert – hier geht es um die Kreuzfahrt!

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Southampton, wir stehen am Kai und schauen auf das Schiff; und selbst bei uns vieren kommt das ganze Spektrum an Kommentaren – von “hab ich mir grösser vorgestellt” bis „Mann, was für ein Kasten“.

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An Bord sind wir schnell, nachdem wir ja schon in – sehr – mühevoller Kleinarbeit online eingecheckt hatten (das könnte man sicher besser und praktischer programmieren!), auch unsere Kabinen finden wir überraschend schnell, und dort erwartet uns eine sehr angenehme Überraschung: kaum 12 qm, aber geräumig und grosszügig wirkend, mit richtigen Betten, vielen Spiegeln, einer gemütlichen Sitzecke und einem raffinierten kleinen Duschbad.

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Vom Steward with love …

Gut, später, als wir andere Passagiere sehen, fragen wir uns schon, wie die eine oder andere in die Dusche hineinkommt, aber für uns reicht es. Alles genial durchdacht. Da hatten wir schon auf sehr viel teureren Schiffen sehr viel engere und liebloser eingerichtete Kabinen.

Jetzt noch fix häuslich einrichten und zur ersten Erkundungstour starten.

Kurze Verzögerung durch die obligatorische Seenotrettungsübung, aber dann!

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Seenotrettungsübung

Zunächst geht es zur “Royal Promenade”, einer Einkaufsstrasse, auf die so manche Kleinstadt stolz wäre: Läden, Bars, Restaurants, Friseur, sogar ein richtiger Barbier.

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Royal Promenade

Am anderen Ende gibt es Restaurants der unterschiedlichsten Art und Grösse auf allen Etagen. Wir trinken erst einmal einen Kaffee in einem der Selbstbedienungsrestaurants ganz oben und schauen auf Southampton hinab. Als das langweilig wird, gehen wir nach draussen, um den Pool anzuschauen.

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Für Schwimmer

Pool? Das ist kein Pool! Das sind gewaltige Wasser- und Badelandschaften – so viele Whirlpools habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen! Und oben darüber gibt es als Krönung etwas, das nennt sich “Flow Rider”, wo man sich mit einem Board in eine Gegenstromanlage stellt und versucht, nicht ins Wasser zu fallen.

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Wasserlandschaft

Ergänzt wird das Ganze durch mehrere Bars und Imbissstände – nur nicht verhungern! -, durch einen einschüchternd gut ausgestatteten Fitnessraum – mit Aussicht, nicht, wie meistens, irgendwo unten im Bauch des Schiffs versteckt, ein Beauty Parlour, Sauna, und, und, und …

Zwei von uns sind vom Hingucken schon völlig erschöpft und wir lassen uns an der “Royal Promenade” in einen Barsessel sinken, wo wir prompt das Auslaufen des Schiffs verpassen.

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Eine der vielen Bars

Man merkt es nicht, wenn dieses Riesenteil sich in Bewegung setzt. Überhaupt bemerkt man Bewegung nur, wenn etwas Seegang oder eine lange Dünung herrschen. Hier seekrank zu werden, stelle ich mir schon etwas schwieriger vor.

Auf dem Weg zum Abendessen haben wir Gelegenheit, die Fotos anzusehen, die bei der Ankunft von uns gemacht wurden – grauenhaft, breiten wir den Mantel des Vergessens darüber und widmen uns dem Zusammenfinden; das ist gar nicht so einfach, denn man hat uns, obwohl wir gemeinsam reisen, verschiedenen Restaurants zugeteilt, und vor dem Maître d’ wartet ungeduldig eine lange Schlange – wohl mit ähnlichen Problemen. Der Kellner regelt es dann unbürokratisch und setzt uns einfach zusammen, was kein Problem ist, weil man dem jungen Ehepaar, das mit am Tisch sitzt, zwei nicht vorhandene Kinder angedichtet hat – wir kriegen also deren Plätze und sind wieder vereint.

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Ein Häppchen für zwischendurch …

Nach einem opulenten Mahl wollen wir eigentlich noch schauen, was in einem der Theater am anderen Ende des Schiffs aufgeführt wird, merken aber schnell, dass wir ganz allmählich einschlafen, während auf der Bühne jemand singt, und ziehen uns lieber in unsere Kabinen zurück.

Das Programm für den kommenden Tag bietet, ausser der Ankunft in Cobh, dem Hafen der irischen Stadt Cork, überwiegend Verkaufsveranstaltungen – eine gute Gelegenheit zu weiteren Erkundungsgängen. Ich nehme mal meinen Schrittzähler mit und stelle nachmittags doch leicht erstaunt fest, dass ich gut zehn Kilometer gelaufen bin! Wieso nimmt man eigentlich bei Kreuzfahrten immer so viel zu?

Muss wohl am Essen liegen …

Nun, was haben wir noch gefunden? Ein grosses Casino, einen kleinen Golfplatz, eine grosse Kletterwand, einen Sportplatz – man könnte hier wirklich sehr viel trainieren. Könnte …

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Casino

Aber da ist ja noch die Royal Promenade. Heute, auf hoher See, sind die Läden geöffnet. Da muss man doch mal schauen, oder? Aber, na ja, so richtig umwerfend ist das Angebot nicht, finde ich.

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Royal Promenade

Aber richtig umwerfend finde ich die Eisbahn am anderen Ende des Schiffs! Gut, wenn ich Schlittschuhe anschnallen würde, wäre ich wohl tatsächlich schnell umgeworfen, aber schon allein die Tatsache, dass es so etwas an Bord eines Schiffes gibt … Auch wenn sie dort Bingo spielen, als ich hineinschaue …

Auf der Royal Promenade verteilt jemand Karten für eine Eisrevue! Schnell hin, und Glück gehabt: Ich habe noch vier ergattert, allerdings erst für den letzten Tag.

Aber jetzt nähern wir uns der Hafeneinfahrt von Cobh. Viele vorgelagerte Inseln, Raffinerien, alte Befestigungsanlagen und dann ein Hügel voller farbenfroher Häuser, überragt von einer gewaltigen Kirche.

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Cobh (Irland)

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Wir gehen an Land und mieten einen Wagen, fahren nach Cork und schauen uns die Stadt an.

Nett. Interessante Strassenbeleuchtung.

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Strassenbeleuchtung in Cork (Marion Toelle)

Abends gehen wir in Cobh in ein Pub und stellen fest, dass die Klischees über die Iren doch sehr zu stimmen scheinen. So sehr, dass eine aus unserer Gruppe nach einem entsetzten Blick auf die Männer an der Bar das Weite sucht. Am nächsten Tag fahren wir dann zum Rock of Cashel, einer Burganlage, deren Anfänge auf das 4. Jahrhundert zurückgehen. Hier herrschten über Hunderte von Jahren die Könige von Munster, und viele Legenden spinnen sich um die Anlage. Erklärt wurde sie uns von einem Iren, der als einer der Könige auftrat – enorm eindrucksvoll.

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Rock of Cashel (Marion Toelle)

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Rock of Cashel

Ich habe fotografiert wie verrückt – und dann ist der Chip kaputt gegangen! Zum Glück haben die anderen auch fotografiert und helfen gerne aus. Aber ansonsten hilft da alles nichts: ich muss noch einmal hin. Das wird nicht besonders schwerfallen, denn schon aus dem bisschen Irland, das wir gesehen haben, wird klar, dass es ein wunderschönes Land ist, in das man gerne zurückkehrt.An Bord zurück müssen wir uns beeilen, denn heute findet das festliche Abendessen statt, zu dem wir uns doch alle möglichst schön machen wollen – na ja, so schön es halt geht in der Hast und Eile.

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Ein Treppenhaus

Aber wirklich – heute zeigen alle, was sie können, und in Einzelfällen ist das schon beachtlich!

Eigentlich sollte der bedauernswerte Kapitän eine Rede halten und danach für Fotos mit den Passagieren herumstehen. Aber es gab eine Hubschrauberrettungsübung, was ihn – sicher zu seiner grossen Freude – längere Zeit verhindert hat.

Eigenartigerweise erwies es sich am nächsten Tag als gut, dass die Übung stattgefunden hatte, denn es kam zum Ernstfall. Was mich dabei am seltsamsten berührte, war eine Durchsage kurz nach dem Hubschraubereinsatz, dass die Hellsehersitzung und die Séance “aufgrund unvorhergesehener Umstände” ausfallen würden ….

Zufall?

Ansonsten war dies ein ganzer Tag auf See, mit vielen Gelegenheiten, sich gründlicher umzuschauen, sich sportlich zu betätigen oder, ja was wohl, einzukaufen.

Also schauen wir uns um, essen ein wenig, auf Sport habe ich keine Lust, die Geräte im Fitnessraum wirken doch gar zu einschüchternd, zum Schwimmen ist es zu kalt, da esse ich doch lieber noch etwas …

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“Ameryptischer” Salon

Und ich erhalte eine Nachricht vom Zahlmeister über meine Ausgaben – verbunden mit der Aufforderung, schleunigst zu bezahlen, da ich bei dieser Ausgabenhöhe sonst nicht mehr kreditwürdig sei. Das überrascht mich schon ein wenig, denn ich hatte gar nicht so viel ausgegeben. So schlecht kann mein Gedächtnis doch gar nicht sein, dass ich soo viel vergessen habe. Ich wandere also – ziemlich aufgeregt – zum Zahlmeister beziehungsweise seinen Mitarbeiterinnen, wo schon eine lange Schlange steht. Meine Kabinengenossin kommt zum Glück mit. Wirklich ein Glück, denn man hat, während wir ahnungslos in Irland herumfuhren, kurzerhand alle ihre Ausgaben bei ihr storniert und meinem Konto angelastet. Bis das geklärt war und die Mitarbeiterin akzeptiert hatte, dass da ein Fehler vorlag, das dauerte etwas. Es ging weiter damit, dass sie versuchte, von meiner Freundin den Betrag zu kassieren, den sie mir schuldete. Sehr, sehr wirr. Da das Abrechnungssystem ausgefallen war, konnte keine endgültige Abrechnung erstellt werden, und wir warten jetzt in atemloser Spannung darauf, was uns wohl ins Haus flattern wird.

Danach waren meinem Einkaufsdrang enge Grenzen auferlegt, denn noch einmal der Warteschlange und den Rechenkünsten der Besatzung wollte ich mich nicht aussetzen, und man konnte nur mit Schiffskarte einkaufen – jedenfalls an den meisten Stellen.

Mittags kam dann die Eisrevue. Umwerfend! Ganz ohne Übertreibung: umwerfend. Erstklassige Leute, hervorragende Choreographie. Wunderschön!

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Eisrevue

Dieser Höhepunkt nahm mir ein wenig den Wind aus den Segeln. Zu toppen war das nicht, das Schiff dümpelte irgendwo vor der englischen Küste herum, weil ja noch ein ganzer Nachmittag und eine Nacht “totzuschlagen” waren vor der planmässigen Ankunft in Southampton. Gesehen hatte ich eigentlich alles, die anderen waren nicht aufzufinden. Wie, um alles in der Welt, sollte ich die Zeit verbringen – es war immer noch zu kalt, um ins Wasser zu gehen.

Ach ja, war da nicht eine Werbung für Stoffwechselmessungen und Beratung, wie man einen – in meinem Fall eindeutig viel zu lahmen – Stoffwechsel ankurbeln kann? Also, zurück ins Fitnessstudio. Ein sehr junges, schlankes und gut trainiertes Mädchen erklärte mir, dass der Test nur Sinn macht, wenn ich dann gleich für viele hundert Euro Nahrungsmittelergänzungen von ihr erwerbe. Da ich das dringende Gefühl hatte, dass man mich hier für dumm verkaufen wollte, guckte ich skeptisch, was sie zu der Frage veranlasste, ob ich wohl durch ihre fachmännischen Erklärungen „puzzled“ sei. Da war ich denn doch etwas gekränkt und entschwand.

Lief noch ein wenig herum, lachte über die Fotos, die von uns gemacht worden waren, guckte anderen Leuten zu, die auch herumliefen, bestaunte nochmals ausgiebig die unglaubliche Architektur des Schiffes, fuhr ein paar Mal mit den Panorama-Aufzügen auf und ab, traf schliesslich die anderen in einer Bar. Und da blieben wir, bis es Zeit war, sich für das Abendessen umzuziehen.

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Ein weiteres Treppenhaus

Ein letztes opulentes Mahl, ein letzter Versuch, dem Showprogramm etwas abzugewinnen, ein letzter Gang durch das Casino, und dann noch eine letzte Nacht beim sanften, kaum merklichen Wiegen des Schiffes –

und dann ein Höllenlärm!

Erster Gedanke: Titanic

Aber der verschreckte Blick aus dem Fenster zeigt, dass wir nur in Southampton angekommen sind, und es der Besatzung enorm wichtig zu sein scheint, uns schnellstens wach und von Bord zu kriegen.

Ein letztes Frühstück, bei dem wir alle heftig ins Grübeln kommen, warum plötzlich der Service so schlecht ist: waren die Trinkgelder zu gering? Oder haben die Leute ihren Speichervorrat an Freundlichkeit und Aufmerksamkeit in den vier Tagen aufgebraucht und müssen jetzt sparen, damit für die neuen Passagiere noch etwas übrig ist?

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Gulliver im Legoland

Seltsam. Nun, wir werden das Rätsel wohl nie lösen, denn so interessant das Schiff auch ist und so überwältigend das Gebotene – es ist uns einfach viel zu gross …

Pascal Dubreuil mit Bachs Clavier-Übung I

Donnerstag, 18. September 2008

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JOHANN SEBASTIAN BACH

PARTITAS

CLAVIERBUNG I (1731) – BWV 825-830


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ASCAL DUBREUIL, CEMBALO

Titus Crijnen, nach H.Ruckers, 1996

(2 CDs )

“Man hatte noch nie so vortreffliche Claviercompositionen gesehen und gehört. Wer einige Stücke daraus recht gut vortragen lernte, konnte sein Glück in der Welt damit machen; und noch in unserm Zeitalter wird sich ein junger Künstler Ehre damit erwerben können, so glänzend, wohlklingend, ausdrucksvoll und immer neu sind sie.”

Johann Nikolaus Forkel, der erste Biograph von Johann Sebastian Bach, schrieb diese Sätze 1802 in seiner Schrift “Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke”. Zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung sorgten die sechs Partiten unter den Musikliebhabern für einiges Aufsehen. Von vielen gefeiert, von anderen wiederum kritisiert, wurde das Werk immer als ein Meilenstein in der Kompositionsweise für Cembalo betrachtet. Die meisten Kritiker hoben vor allem die extrem hohen Ansprüche an das spieltechnische Niveau und die Komplexität der Komposition hervor.

Der französische Cembalist Pascal Dubreuil setzt jetzt mit seiner im Mai dieses Jahres erschienenen Einspielung neue Massstäbe in der Interpretationsgeschichte der Partiten. Verdienter Lohn des Künstlers wie auch des Labels RAMÉE: der renommierte und begehrte “Preis der Deutschen Schallpattenkritik”, dessen Aufgabe es ist, die Öffentlichkeit auf herausragende Aufnahmen des Tonträgerangebots aufmerksam zu machen.

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(Bildnachweis: RAMÉE)

Pascal Dubreuil studierte Cembalo bei Yannick le Gaillard. Anschließend vervollständigte er seine Ausbildung auf Meisterkursen, unter anderem bei Kenneth Gilbert und Gustav Leonhardt. Darüber hinaus studierte er Orchesterdirigieren bei Nicolas Brochot.

Dubreuil erhielt sowohl in den Sparten Cembalo als auch Generalbass den Premier Prix am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris. 1997 war er Preisträger beim Internationalen Wettbewerb in Brügge.

Der Künstler spielt bei Konzerten und Aufnahmen in Frankreich und Europa als Solist und Kammermusiker auf dem Cembalo ebenso wie auf dem Clavichord und dem Pianoforte. Er musizierte unter anderem mit dem Bratislavaer Barockorchester Musica Aeterna, mit Claire Michon, Patrick Ayrton, François Fernandez, Bruno Boterf sowie Ricardo Rapoport, ferner als Generalbassspieler auf dem Cembalo oder der Orgel mit Vokalensembles wie dem “Ensemble Vocal de l’Abbaye aux Dames de Saintes” und “Sagittarius”. Er ist regelmäßig auf Festivals wie Printemps des Arts, Académies Musicales de Saintes, dem Festival Alter Musik in Barcelona oder dem Internationalen Festival in Bratislava zu hören. Weiter übernimmt er regelmäßig die künstlerische Aufnahmeleitung für CD-Einspielungen, insbesondere für das französische Ensemble “Les Witches”.

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(Cembalo von Andreas Ruckers (1646); Foto: Gérard Janot wikimedia commons GFDL)

Pascal Dubreuil hat sich auch als Lehrer und Musikwissenschaftler einen Namen gemacht: Er lehrt Cembalo und Kammermusik am Conservatoire National de Région in Rennes, wo er die Abteilung für Alte Musik leitet. Am Centre de Formation des Enseignants de la Danse et de la Musique im Poitou-Charentes bildet er die Studierenden in den Fächern Kammermusik und musikalische Rhetorik des Barock aus. Regelmäßig wirkt er als Jurymitglied und in Meisterkursen in Frankreich und im Ausland.

Nach mehrjähriger Forschungsarbeit über musikalische Rhetorik gab er in Zusammenarbeit mit Agathe Sueur die erste vollständige französische Übersetzung des Traktats von Joachim Burmeister Musica Poetica (1606) sowie grundlegender Passagen der zwei anderen Abhandlungen dieses Musiktheoretikers heraus.

Nun liegt die Clavier-Übung in einer Vielfalt von Einspielungen vor, zumeist auf dem modernen Konzertflügel. Der Überlieferung nach war Johann Sebastian Bach im Dialog mit den Instrumentenbauern seiner Zeit stets auf der Suche nach dem “besten” Instrument, und die Annahme geht sicherlich nicht fehl, dass auch er sich der gewaltigen heutigen Instrumente bedient hätte, hätte es sie bereits zu seinen Lebzeiten gegeben. Dennoch sind wir glücklich, das Opus – endlich einmal wieder – in einer Neueinspielung auf dem Cembalo zu hören. Gerade Dubreuil erschliesst auf diesem Instrument und mit seinem Verständnis des Werkes als einen Diskurs neue musikalische Welten.

Wiederum keine Überraschung, weil wir insoweit angenehm verwöhnt sind, stellt der äussere Auftritt der neuen Edition von RAMÉE dar: Umschlag und Aufmachung sind ein kleines Gesamtkunstwerk, das Textheft mit einem ausführlichen Beitrag des Interpreten bildet zusammen mit den anderen RAMÉE-Booklets mittlerweile bereits eine eigene musikhistorische Bibliothek.

“Glänzend, wohlklingend, ausdrucksvoll und immer neu” zitiert Pascal Dubreuil den eingangs erwähnten Bach-Biografen Johann Nikolaus Forkel, und schreibt: “Könnte man die Quintessenz dieses Werkes nach mehr als zwei Jahrhunderten besser herausstreichen?”

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(Cembalo von Johannes Ruckers, Antwerpen, um 1590; Paris, Musée de la Musique, wikimedia commons GFDL)

Dubreuil spielte die Clavier-Übung auf einem klangmächtigen, brillianten Instrument des Cembalobauers Titus Crijnen ein, der sich auf Repliken berühmter Meisterinstrumente des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisiert hat. Das besagte Cembalo basiert auf einem Instrument der Antwerpener Cembalobauer-Dynastie Ruckers.

Hans Ruckers, um 1555 in Mechelen geboren, übersiedelte 1575 nach Antwerpen, wo er sich als Instrumentenbauer niederliess. Seine Söhne Johannes und Andreas führten den väterlichen Betrieb fort, wobei Letzterer später eine eigene Werkstatt begründete, die sein Sohn, ebenfalls mit Namen Andreas (verstorben um 1655), fortführte. Ein Mitglied der Familie, Johannes Couchet, sowie dessen Nachkömmlinge setzten die Tradition des Ruckers’schen Cembalobaus fort.

Etwa 130 Instrumente verschiedener Bauarten der Flämischen Schule aus der Zeit zwischen 1580 und 1680 sollen auf den heutigen Tag überkommen sein, teilweise in einem ausgezeichnet restaurierten und spielfertigen Zustand.

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(Cembalo, Werkstatt Ruckers, 1624; Foto: Frinck51 wikimedia commons GFDL)

Wahlkampffuselkopf Günther Beckstein … oans, zwoa, gsuffa!

Mittwoch, 17. September 2008

Griass aich, Laidl, gfraid me, dass hergfundn habts auf mei Seidn!

Aber reden wir doch jetzt besser Klardeutsch: Nicht unreich an Lebenserfahrung wissen wir, dass Politiker, zumal im Wahlkampf, so manchen Schmarren und Schwachsinn daherreden. Da sollen Sie, geneigte Leserinnen und Leser, nach einer oder zwei Mass Bier durchaus noch mit dem Auto in die heimische Garage zurückfinden dürfen. Sagt Günther Beckstein. Also jedenfalls, wenn sie ein “gestandenes Mannsbild” sind, sagt er.

Der Aufschrei aus Politik, Polizei, Medizin, Pädagogik und irgendwie noch Vernünftiger liess nicht lange auf sich warten.

Lieber Günther Beckstein, wir wissen sehr wohl den Charme bayerischer Biergärten zu schätzen, und dem Hellen sind wir ganz und gar nicht abhold. Aber nach zwei Mass (= 10 Glas!) noch Auto zu fahren ist verantwortungslos und kriminell.

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(Foto: senator86 wikimedia commons GFDL)

Sie werden doch jetzt 65 Jahre alt, und wir mögen Sie doch ganz grundsätzlich, auch wenn Sie kein Bayer, sondern nur Franke sind. Und weil wir Sie mögen, rufen wir Ihnen zu: Lassen Sie doch lieber mal einen Jüngeren in der Staatskanzlei ran (wenn es nicht gerade der Markus Söder ist, den wir gar nicht mögen), und setzen Sie sich zur Ruhe und in einen der wunderschönen Biergärten Ihres schönen Freistaats! Dann trinken Sie ein oder zwei Mass, es dürfen auch drei sein, das gönnen wir Ihnen doch von Herzen. Aber das Auto lassen Sie anschliessend stehen!

Un jetzt hoit dei Babn, du Zamgsuffana! Kraizkruzefix!

Markus Elsner – der Polaroid-Künstler

Dienstag, 16. September 2008

Wir haben viel über Fotokunst berichtet auf dieser Seite. Aber es gibt immer noch Überraschungen der besonderen Art.

Die Produkte von Markus Elsner zum Beispiel. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Was tut er?

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Dolls & toys

Elsner hat sich der Polaroid-Fotografie verschrieben. Das war mutig, denn die Polaroid-Technik stirbt – ist eigentlich bereits gestorben, wenn nicht von irgendwoher eine wundersame Wiederbelebung geschieht. Die ist derzeit aber nicht in Sicht. Die Kamera- und Filmproduktion wurde eingestellt. Elsner hat – auf allen erdenklichen Wegen und durchaus global – die Filmbestände aufgekauft, derer er habhaft werden konnte. Deren Verfallsdatum naht aber mit dem Ende des Jahres 2009, spätestens in 2010. Dann ist Schluss, aus und vorbei.

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Wind Bonn

Sie alle kennen doch noch, liebe Leserinnen und Leser, die Sofortbildfotografie, die klobigen Apparate, die berühmten Polaroid-Bildchen, kleines Quadrat, weisser Rand oben, links und rechts, weisses Rechteck an der Unterkante, diese kleine Folientasche, in der sich das Entwicklungs- und Fixiermaterial verbarg. Hübsch waren die kleinen Hoppla-hier-bin-ich-Bildchen, man konnte auch noch Jahre nach der Markteinführung dieser Technik das Publikum mit der Stegreif-Fotografie überraschen und begeistern.

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Strukturen Glassteine

Markus Elsner faszinierte diese Art des Fotografierens. Und es faszinierte ihn auch die bekannte Farbstichigkeit der kleinen Spontan-Bildchen, die ihn nicht – wie die meisten der anderen Anwender – eher ärgerte, sondern vielmehr inspirierte. Irgendwie muss er dann darauf gekommen sein, in den Entwicklungsprozess, den dieses eigenartige Folientäschlein am unteren Bildrand auslöste, einzugreifen, und zwar in gestaltender Absicht …

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Claudia

Und das ging und geht immer noch so: Der vollständige Entwickungs- und Fixierungsprozess dauert etwa zwei bis drei Minuten. Elsner manipuliert diesen Prozess durch Wärme und Kälte (wobei auch schon mal Herd oder Kühlschrank herhalten müssen) und vor allem durch eine Bearbeitung der Bildoberfläche, indem er mit mehr oder weniger spitzen oder stumpfen Gegenständen auf sie einwirkt, Konturen oder Linien “graviert”, die Chemikalien auseinderdrückt und diese somit in ihrer lokalen Konsistenz verändert. Das Ergebnis: Verfremdungen der Farben und der Konturen. Und, wenn dieser zeitlich begrenzte Prozess abgeschlossen ist, eine fixierte, völlig neue Darstellung der mit der Fotografie zunächst aufgenommenen realen Welt.

Elsner sieht in diesem Verfahren ein kaum begrenzbares künstlerisches Gestaltungspotential, das aber zugleich Raum für spontanes, ja intuitives Handeln eröffnet. Bei aller Routine, die der Künstler inzwischen entwickelt haben mag, bleibt am Ende das Ergebnis doch ein Stück unwägbar. Neue, ungeahnte Bildwelten entstehen.

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Cemetery

Elsner bearbeitet das Original nicht weiter, also auch nicht digital. Er scannt die Bilder lediglich ein und reproduziert sie in grossen Formaten, von 28 x 28 cm über 100 x 100 cm bis hin zu 10 m². Die extremen Vergrösserungen offenbaren Farbnuancen und Strukturen, die im kleinen, weniger als 9 x 9 cm messenden Format allenfalls zu erahnen, aber kaum erkennbar waren.

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Car Calkutta

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House Calcutta

Elsner studierte in den achtziger Jahren in Bonn Kunstgeschichte, Geschichte und Politologie. Daneben setzte er sich mit der Schwarz/weiss- und der Farbfotografie auseinander, seit 1986 als Schwerpunkt mit der Polaroid-Sofortbildfotografie. Seit 1993 lebt der als freier Autor, Journalist und Redakteur tätige Künstler in Frankfurt am Main. Er stellte in Bonn, Kassel und Oxford aus. Zu seinen fotografischen Themen zählen Projekte über Kalkutta, grossformatige Reproduktionen über Südamerika sowie Fotoreihen über Kinder und Frauen.

Elsner wäre nicht Elsner, wenn er nicht einen Plan A (und sicherlich auch einen Plan B) für die Zeit “danach” – also des absoluten Endes der Polaroid-Technik – in der Schulade hätte. Er verfügt wohl über tausende kleiner Polaroid-Bildchen. Was wird er damit machen? Wir dürfen – so glauben wir – erwartungsvoll gespannt darauf sein.

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Red Group

Der Frankfurter Künstlerclub präsentiert Elsners Arbeiten unter dem Titel “Fotografische Abstraktionen” noch bis zum 21. September 2008 im Nebbienschen Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage. Der Weg dorthin lohnt sich – wie stets!

(Bildnachweis: Frankfurter Künstlerclub, © Markus Elsner)