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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

“© MURAKAMI” im Frankfurter MMK (Teil 1)

Zum Abschied die One Man-Show und ein Paukenschlag

So war es nicht gedacht. Wie Udo Kittelmann, der scheidende Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, erläuterte, sei noch einiges in Planung gewesen für die Jahre seiner zweiten Amtszeit in Frankfurt am Main. Es kam jedoch anders. Zwei Spitzenpositionen in der deutschen Museumslandschaft waren zu besetzen, die Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin sowie die Direktion der Alten und Neuen Nationalgalerie, und die Wahl fiel auf zwei Spitzenmänner der deutschen Museumsszene, Michael Eissenhauer, bislang Direktor der weit und breit einzigartigen “Museumslandschaft Hessen Kassel”, und eben Udo Kittelmann.

So gerät die One Man-Show “© MURAKAMI” unversehens zur One Man-Show Kittelmann, einer grandiosen Abschiedsvorstellung. Seine viele Hundertschaften zählende Kunstgemeinde pilgerte am vergangenen Freitag zur Eröffnungsfeier, die zugleich ein Abschied war – mit ovationsartigem Beifall für den Scheidenden. Und wir können uns – leider – sehr sicher sein, dass das MMK eine derartige Präsentation auf absehbare Zeit nicht wieder erleben wird.

Nun zum Ist und Heute: Umbenannt wurde das Haus bis zum 9. Januar 2009: “© MURAKAMI MUSEUM FÜR MODERNE KUNST” heisst es ab sofort, am Schriftzug an der Fassade von weitem zu erkennen. Kittelmann frozzelte: Eigentlich sei Takashi Murakami jetzt bis zum Ende der Ausstellung der Direktor des Hauses. Zum zweiten Mal seit seinem Bestehen – nach der grossen Sturtevant- Ausstellung “The Brutal Trouth” 2004/2005,  es erhielt dafür den “Art Award 2005″ des Beaux Arts Magazine “Beste Internationale Ausstellung” – widmete Kittelmann das gesamte Haus einem einzigen Künstler.

Leuchtend rot schallt es uns im Erdgeschoss entgegen: Geburt von “DOB” – O-vales Gesicht, zwei Ohren namens D und B, Karikatur und Persiflage der von US-Amerika aus die Welt überschwemmenden Mickey-Mouse-Kultur – aus dem Strahl des spermaschleudernden “My Lonesome Cowboy”? “Entstanden aus einer Simulation von Sprache und Comicbildern”, schreibt Mika Yoshitake, “verdankt sich Murakamis DOB-Produktion einer Auseinandersetzung mit der Entstehung eines Symbols als Gegenstand der Massenkommunikation und seiner Verbreitung als eigenständiges geschütztes Warenzeichen, das sich verwenden, wiederverwenden, kaufen und verkaufen lässt.”

Womit wir zum Paukenschlag gelangen: “© MURAKAMI” bereitete schon zum Beginn Ärger, mit rigiden Vorschriften etwa für die Presse: Bilder dürfen nur bis zu einer bestimmten Formatgrösse und nur mit den vorgegebenen Textunterschriften gedruckt werden. Die Folge: dpa stieg aus der Berichterstattung aus, und Julia Voss (“Der Trick des Murakami”, FAZ vom 27. September 2008) verzichtete auf den Abdruck von Bildern – zu spät freilich, denn Katharina Deschka-Hoeck hatte zuvor in der Freitags-Ausgabe (“Niedliche, traurige Monster”) bereits mit Bild berichtet. Die FAZ lasse sich nicht, schimpft Voss, in der journalistischen Freiheit einschränken und von Künstlern zu einer Art verlängerter Pressestelle reduzieren. Recht hat sie.

Takashi Murakami überspannt den Bogen. Er hat sein Werk nebst sich selbst zu einer kommerziellen Marke stilisiert, über deren Verwertungsart er alleine bestimmt. Kunst begreift er als einen Teil der Wirtschaft. Mit seiner Firma Kaikai Kiki Co., Ltd. entfaltet er ein riesiges Geschäftsfeld in der massenhaften Herstellung von Merchandising-Artikeln, und er schreckt nicht vor Kooporationen im Bereich des Corporate Design zurück, beispielsweise mit der Firma Louis Vuitton.

Kittelmann sieht ihn, trotz aller Unterschiede im einzelnen, in einer Reihe mit Damien Hirst oder Jeff Koons, und er prophezeit den Sieg derartiger Kunst-Vermarktungsmodelle über den tradionellen Kunstbetrieb. Wir sind nicht überzeugt von solchen Entwicklungen und werden darauf an anderer Stelle näher eingehen.

Unbeschadet dieser Kritik zurück zur Ausstellung: Sie ist in jeder Weise gewaltig, und in der Tat rechtfertigt sie den mit einem immensen Aufwand verbundenen Schritt, ihr das gesamte Museum zur Verfügung zu stellen. Drei Wochen nahmen die notwendigen Räumungs- und Umbaumassnahmen in Anspruch. Es ist immerhin die erste museumsgebundene Einzelausstellung des Künstlers in Europa. Vom legendären Museum of Contemporary Art MOCA in Los Angeles organisiert und kuratiert, nahm beziehungsweise wird sie ihren Weg über das Brooklyn Museum, New York und derzeit das MMK (Kurator: Mario Kramer) im nächsten Jahr zum Guggenheim Museum Bilbao nehmen. Der Künstler sowie MOCA-Chefkurator Paul Schimmel reisten eigens nach Frankfurt am Main an, um der Eröffnung im MMK beizuwohnen.

Takashi Murakami, 1962 in Tokio geboren,  studierte an der National University of Fine Arts and Music in Tokio. Er schloss sein Studium mit dem Bachelor und Master sowie einer Promotion ab. Heute lebt und arbeitet er in Tokio und in Long Island City, New York.

Wir werden uns mit der Ausstellung, deren Beschreibung und Beurteilung neben einem nicht nur flüchtigen Blick in den 328-seitigen textstarken Katalog auch ein Studium der Exponate voraussetzt, noch im einzelnen auseinandersetzen (Teil 2).



3 Kommentare zu ““© MURAKAMI” im Frankfurter MMK (Teil 1)”

  1. Roland
    3. Oktober 2008 16:09
    1

    Kurz gesagt: ein Pflichtbesuch! Den auch wir noch vornehmen werden :-)

    mit freundlichen DUESENgrüßen (Roland)

  2. Takashi Murakami « Kunst und Kultur im Rhein/Main Gebiet
    9. Oktober 2008 13:14
    2

    [...] Internet Magazin von Erhard Metz Teil 1 [...]

  3. metablog » Blog Archive » kaikaikiki
    27. November 2008 20:47
    3

    [...] Mittwoch ist Museumsabend in Frankfurt. Da sind die Öffnungszeiten für die normal Arbeitenden etwas humaner. Denn immer nur Samstag oder Sonntag für einen Besuch zu nutzen, macht auf die Dauer auch keinen wirklichen Spass. Daher also gestern noch die Energie gesammelt und kurzerhand ins MMK gestiefelt. Dort ist noch bis Ende des Jahres die große Murakami-Ausstellung. Hm. Murakami. Nach dem Eintrittsstempel – # 8216, der Künstler will das so, # 8217 – klärte man uns auf – gleich von der ersten Plastik geflashed. Ist ein bisschen zwiespältig mit Murakami. Einerseits kann ich nicht verleugnen, dass eine Menge seines Outputs mich schon anspricht, andererseits gingen mir nach dem Besuchen aller Räume die Blumen, dobs und Mangaanleihen langsam auf den Sack. Alles ein bisschen zuviel. Überdosiert. Zuerst auch noch den Shop besucht, aber die Preise sind derart lächerlich hoch, dass wir glücklicherweise schon dadurch abgehalten wurden, unser Geld für Massenproduktion unter dem Kunststempel auszugeben. Dann doch lieber ein paar Buttons vom befreundeten Artist kaufen, statt mit Grinseblumen rumzurennen. Na, für 19,99 hätte man noch ein Shirt mitnehmen können, aber 45 Euro müssen für # 8217 nicht sein. Leider haben wir die öffentliche Führung um 18.00 verpasst, aber in 14 Tagen probieren wir # 8217 nochmal. Denn mit Hintergrundinfos wird # 8217 sicherlich lohnenswert. Die kann man sich aber auch ganz schön und lesenswert hier holen: http://erhard-metz.de/2008/09/29/murakami-im-frankfurter-mmk-teil-1/ [...]

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