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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren

Sie gelten  – die alten Regeln, bis auf den heutigen Tag. Eine dieser Grundregeln des gänzlich deregulierten Kapitalismus ist nun einmal die Tatsache, dass Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert werden: und zwar vor allem dann, wenn es einige Exponenten dieses Sytems auf die Spitze treiben, wenn sie mit ihren Un-Taten das gesamte wirtschaftliche – und damit gesellschaftliche und politische – Gefüge an den Rand des Abgrunds bringen. Dann muss auf einmal doch der – in diesen Kreisen ansonsten missliebige und gern verspottete – Staat retten, was zu retten ist, aller Deregulierungsphilosophien zum Hohn, und wer ist dieser Staat? Na, raten Sie mal: Richtig, es sind die steuerzahlenden Bürgerinnen und Bürger, niemand anderes!

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(Foto: Manuel Dohmen wikimedia commons GFDL)

Wie bekannt,  will die US-amerikanische Administration in diesen Tagen um die 700 Milliarden Dollar und auch mehr – man muss einmal versuchen, sich solche Zahlen zu veranschaulichen – zur Rettung der maroden Finanzmärkte bereitstellen – natürlich letztlich aus öffentlichen Mitteln, sprich Steuergeldern. Um den ganz grossen finalen Finanz-Crash zu vermeiden und weil es somit gesamtgesellschaftlich notwendig sei.

Nun hat diese skandalöse Finanzwirtschaft unvorstellbar hohe Summen “verbrannt”, Vermögen vernichtet, aber es ist noch genug Geld da: In den Taschen jener skrupellosen Manager und Helfershelfer dieses Systems nämlich, die in völliger Verantwortungs- und Gewissenlosigkeit, allein von reiner Profitgier getrieben, diese sogenannten Finanzprodukte ersonnen und genutzt haben, in einer deregulierten und von einer gewissen Politik gehätschelten Szenerie. Das heisst, in den Taschen dieser Jongleure wird es auch nicht unbedingt sein, sondern vielfach steuerhinterzogen auf Konten in Steuerhinterzieher-Paradiesen à la Kaimaninseln oder Liechtenstein. Warum nicht zuerst einmal diese Leute in die Haftung nehmen, mit ihrem gesamten persönlichen Vermögen, bis hin zu deren Privatkonkurs? Wird wohl so einfach nicht sein, und war ja auch immer recht angenehm für manche Politiker, sich im Lichte dieser Finanzgrössen auf deren Jachten und Parties zu sonnen (auch wenn diese ein armseliges monatliches Senatoren- oder Minister- Salär an einem einzigen Tag verjuxen).

Nein, da ist es doch sehr viel einfacher, die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für die Ergebnisse dieser Finanzskandale bluten und die Finanzganoven ungeschoren davonkommen zu lassen …

Wie aktuell zu vernehmen ist, sollen entsprechende Gesetzentwürfe der US-Administration dem Finanzministerium – und damit auch dessen feinen Freunden in eben jener Finanzchaos-Szene – einen Freibrief ausstellen für ein künftig weitgehend der parlamentarischen Kontrolle entzogenes und damit demokratiefreies Finanzgebaren. Auch wird darin der Weg geebnet, Managern von Finanzinstituten, die mit Steuergeldern gerettet werden, später Millionen und Abermillionen von Bonuszahlungen und Abfindungen hinterherzuwerfen. Der Skandal ist noch lange nicht zu Ende!

Und auch hierzulande stehen letztlich der Staat, also die Gesellschaft, im Klartext die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die dummerweise kein Liechtenstein-Ticket in der Tasche haben, für manches fachliche Versagen der Banker und Berater ein, für die Sanierung dieses vom Kollaps bedrohten Finanzsystems. Es handelt sich allein in Deutschland um viele hundert Millionen Euro, es können leicht Milliarden* werden (wenn dies nicht bereits jetzt schon der Fall ist), die in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Altenpflege fehlen, unerfreulicherweise täglich neu zu lesen, zu sehen und zu hören in den Medien.

(* inzwischen sind es weit mehr als 100 Milliarden geworden)

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(Bildnachweis: Friedrich.Komberg, Foto: Walter J. Pilsak wikimedia commons GFDL)

Damit muss Schluss gemacht werden!

Fragen Sie doch, liebe Leserinnen und Leser, Ihre Bundes- und Landtagsabgeordneten, wie diese sich zu diesen Zuständen verhalten. Und machen Sie doch Ihre nächsten Wahlentscheidungen auch davon abhängig, wie zufriedenstellend Sie deren Antworten finden.

3 Kommentare zu “Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren”

  1. Michael Köhres
    26. September 2008 02:05
    1

    Die dümmsten Kälber
    wählen ihre Metzger selber

  2. Joachim Franz
    28. September 2008 06:42
    2

    Dank, für das korrekte Analysieren, was in New York passierte. Mit diesem Beitrag wurden jahrzehntelange Faseleien von den Wohltaten des “freien” Wirtschaftens entlarvt.Ja, es ist richtig, mit Finanz-Regulierung wird eine Lücke in unserem demokratischen System geschlossen.Nur dieses garantiert letztlich unsere Menschenrechte.Bitte dieses Thema weiter verfolgen.Auch in meiner Internetzeitung http://www.lokalglobal.de gibt es dazu ein Stück.

  3. Ursula Günther
    29. September 2008 21:07
    3

    Auf den Punkt gebracht. Gibt zu denken. Danke!

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