Rätsel um eine schöne Frau – Simonetta Vespucci

Sandro Botticelli (1445 bis 1510), Weibliches Idealbildnis (mutmasslich Simonetta Vespucci, um 1480)
© Städel Museum Frankfurt am Main
Keine andere als Simonetta Vespucci war zu erraten, die Geliebte des Giuliano I. de Medici. Die obige Darstellung zählt zu den schönsten und populärsten Gemälden des Städel Museums.
Leider wurde Simonettas edle Nase nur von vier Rätselrater(n/innen) erkannt, von:
Marlene Flury, Michael Köhres, Annelie Morelli und Ursula Roth.
Es gab Klagen, die Aufgabe sei zu schwer, man kenne “irgendwie” diese Gesichtspartie, aber … Nix aber!
Nun griff Fortuna (selbstverständlich mit geschlossenen Augen) zu und zog das Zettelchen mit dem Namen Marlene Flury. Herzlichen Glückwunsch! Natürlich handelt es sich um eine Eintrittskarte für das Städel Museum (auf Wunsch änderbar).
Wer war die schöne Simonetta Vespucci? 1453 geboren, verstarb sie bereits 1476 im Alter von nur 23 Jahren an Tuberkulose. Sie galt als die schönste Frau von Florenz und war daher begehrtes Vorbild mancher Maler, allen voran von Sandro Botticelli, einem der Meister der italienischen Frührenaissance. Er verewigte sie in einem Porträt, aber vermutlich auch in der “Geburt der Venus” und im obigen Städel-Bild.

Sandro Botticelli, Portrait der Simonetta Vespucci (um 1476/1480)
Simonettas kurzes Leben war alles andere als harmonisch: Im Alter von 16 Jahren wurde sie mit Marco Vespucci (einem Cousin des Seefahrers und Entdeckers Amerigo Vespucci) verheiratet. Die unglückliche Ehe misslang – schon früh fand sie, wie es heisst, Zugang zu den Kreisen um die reiche und mächtige Familie der Medici. Giuliano I. de Medici, der Bruder des berühmten Lorenzo “Il Magnifico”, erlag ihrer Schönheit – sie wurde seine Geliebte. Übrigens ist auch Giulianos I. Konterfei in einem Porträt Botticellis auf unsere Tage überkommen.

Sandro Botticelli, Die Geburt der Venus (wohl nach dem Gesicht der Simonetta Vespucci, Ausschnitt, um 1485)
Simonetta verstarb am 26. April 1476; sie ist in der Familienkapelle der Vespucci in der Kirche Ognissanti in Florenz beigesetzt. Auch Giuliano dem I. war kein glückliches Leben beschieden: Er wurde auf den Tag zwei Jahre nach Simonettas Tod, am 26. April 1478 während der Ostermesse im Dom Santa Maria del Fiore mit Dolchstössen ermordet.

Piero di Cosimo (eigentlich Piero di Lorenzo), um 1462 bis um 1521, Porträt der Simonetta Vespucci als Cleopatra (ca. 1480/1490)
Das in der Städel-Sammlung befindliche “Idealbildnis” von Botticelli sei, so die Beschreibung des Museums, “ein wunderbares Beispiel für Porträtmalerei der italienischen Renaissance. Die überlebensgrosse Büste war vermutlich Teil einer Wanddekoration in einem florentinischen Palast. Lange wurde spekuliert, ob die dargestellte Dame Simonetta Vespucci, die berühmte Geliebte Giuliano de Medicis, sei. Auf den Bezug zu der Florentiner Familie der Medici weist auch die von der Dargestellten um den Hals getragene Gemme hin. Es ist bekannt, dass dieses Schmuckstück zur Sammlung der Medici gehörte”.
Sandro Botticelli wurde 1445 in Florenz geboren. Er erlernte die Goldschmiedekunst und studierte bei Fra Filippo Lippi die Malerei. 1470 machte er sich mit einer eigenen Malerwerkstatt selbständig. Sein Mäzen Lorenzo “Il Magnifico” de Medici förderte ihn und ermöglichte ihm eine glänzende Karriere nicht zuletzt als Porträtmaler in seiner Heimatstadt Florenz. 1481 berief ihn Papst Sixtus IV. nach Rom, wo er mit anderen herausragenden Künstlern seiner Zeit an der Ausmalung der Sixtinischen Kapelle beteiligt war. Am Ende seines Lebens verfiel Botticelli im Umfeld der religiösen und sozialen Umbrüche, besonders unter dem Einfluss von Girolamo Savonarola, der Schwermut. Er verbrannte einen Teil seiner Bilder, bevor er im Mai 1510 starb.
→ Das Traumpaar des Jahres 2009
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21. September 2010 21:29
Eine gelungene Zusammenfassung.