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Archive for September, 2008

“© MURAKAMI” im Frankfurter MMK (Teil 1)

Montag, 29. September 2008

Zum Abschied die One Man-Show und ein Paukenschlag

So war es nicht gedacht. Wie Udo Kittelmann, der scheidende Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, erläuterte, sei noch einiges in Planung gewesen für die Jahre seiner zweiten Amtszeit in Frankfurt am Main. Es kam jedoch anders. Zwei Spitzenpositionen in der deutschen Museumslandschaft waren zu besetzen, die Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin sowie die Direktion der Alten und Neuen Nationalgalerie, und die Wahl fiel auf zwei Spitzenmänner der deutschen Museumsszene, Michael Eissenhauer, bislang Direktor der weit und breit einzigartigen “Museumslandschaft Hessen Kassel”, und eben Udo Kittelmann.

So gerät die One Man-Show “© MURAKAMI” unversehens zur One Man-Show Kittelmann, einer grandiosen Abschiedsvorstellung. Seine viele Hundertschaften zählende Kunstgemeinde pilgerte am vergangenen Freitag zur Eröffnungsfeier, die zugleich ein Abschied war – mit ovationsartigem Beifall für den Scheidenden. Und wir können uns – leider – sehr sicher sein, dass das MMK eine derartige Präsentation auf absehbare Zeit nicht wieder erleben wird.

Nun zum Ist und Heute: Umbenannt wurde das Haus bis zum 9. Januar 2009: “© MURAKAMI MUSEUM FÜR MODERNE KUNST” heisst es ab sofort, am Schriftzug an der Fassade von weitem zu erkennen. Kittelmann frozzelte: Eigentlich sei Takashi Murakami jetzt bis zum Ende der Ausstellung der Direktor des Hauses. Zum zweiten Mal seit seinem Bestehen – nach der grossen Sturtevant- Ausstellung “The Brutal Trouth” 2004/2005,  es erhielt dafür den “Art Award 2005″ des Beaux Arts Magazine “Beste Internationale Ausstellung” – widmete Kittelmann das gesamte Haus einem einzigen Künstler.

Leuchtend rot schallt es uns im Erdgeschoss entgegen: Geburt von “DOB” – O-vales Gesicht, zwei Ohren namens D und B, Karikatur und Persiflage der von US-Amerika aus die Welt überschwemmenden Mickey-Mouse-Kultur – aus dem Strahl des spermaschleudernden “My Lonesome Cowboy”? “Entstanden aus einer Simulation von Sprache und Comicbildern”, schreibt Mika Yoshitake, “verdankt sich Murakamis DOB-Produktion einer Auseinandersetzung mit der Entstehung eines Symbols als Gegenstand der Massenkommunikation und seiner Verbreitung als eigenständiges geschütztes Warenzeichen, das sich verwenden, wiederverwenden, kaufen und verkaufen lässt.”

Womit wir zum Paukenschlag gelangen: “© MURAKAMI” bereitete schon zum Beginn Ärger, mit rigiden Vorschriften etwa für die Presse: Bilder dürfen nur bis zu einer bestimmten Formatgrösse und nur mit den vorgegebenen Textunterschriften gedruckt werden. Die Folge: dpa stieg aus der Berichterstattung aus, und Julia Voss (”Der Trick des Murakami”, FAZ vom 27. September 2008) verzichtete auf den Abdruck von Bildern – zu spät freilich, denn Katharina Deschka-Hoeck hatte zuvor in der Freitags-Ausgabe (”Niedliche, traurige Monster”) bereits mit Bild berichtet. Die FAZ lasse sich nicht, schimpft Voss, in der journalistischen Freiheit einschränken und von Künstlern zu einer Art verlängerter Pressestelle reduzieren. Recht hat sie.

Takashi Murakami überspannt den Bogen. Er hat sein Werk nebst sich selbst zu einer kommerziellen Marke stilisiert, über deren Verwertungsart er alleine bestimmt. Kunst begreift er als einen Teil der Wirtschaft. Mit seiner Firma Kaikai Kiki Co., Ltd. entfaltet er ein riesiges Geschäftsfeld in der massenhaften Herstellung von Merchandising-Artikeln, und er schreckt nicht vor Kooporationen im Bereich des Corporate Design zurück, beispielsweise mit der Firma Louis Vuitton.

Kittelmann sieht ihn, trotz aller Unterschiede im einzelnen, in einer Reihe mit Damien Hirst oder Jeff Koons, und er prophezeit den Sieg derartiger Kunst-Vermarktungsmodelle über den tradionellen Kunstbetrieb. Wir sind nicht überzeugt von solchen Entwicklungen und werden darauf an anderer Stelle näher eingehen.

Unbeschadet dieser Kritik zurück zur Ausstellung: Sie ist in jeder Weise gewaltig, und in der Tat rechtfertigt sie den mit einem immensen Aufwand verbundenen Schritt, ihr das gesamte Museum zur Verfügung zu stellen. Drei Wochen nahmen die notwendigen Räumungs- und Umbaumassnahmen in Anspruch. Es ist immerhin die erste museumsgebundene Einzelausstellung des Künstlers in Europa. Vom legendären Museum of Contemporary Art MOCA in Los Angeles organisiert und kuratiert, nahm beziehungsweise wird sie ihren Weg über das Brooklyn Museum, New York und derzeit das MMK (Kurator: Mario Kramer) im nächsten Jahr zum Guggenheim Museum Bilbao nehmen. Der Künstler sowie MOCA-Chefkurator Paul Schimmel reisten eigens nach Frankfurt am Main an, um der Eröffnung im MMK beizuwohnen.

Takashi Murakami, 1962 in Tokio geboren,  studierte an der National University of Fine Arts and Music in Tokio. Er schloss sein Studium mit dem Bachelor und Master sowie einer Promotion ab. Heute lebt und arbeitet er in Tokio und in Long Island City, New York.

Wir werden uns mit der Ausstellung, deren Beschreibung und Beurteilung neben einem nicht nur flüchtigen Blick in den 328-seitigen textstarken Katalog auch ein Studium der Exponate voraussetzt, noch im einzelnen auseinandersetzen (Teil 2).



Das rätselhafte Huhn

Samstag, 27. September 2008

Vielleicht sollten wir wieder einmal ein neues Rätsel aufgeben, warum nicht dieses:

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Hier die Rätselfragen, die innerhalb von sieben Tagen alle richtig beantwortet werden müssen:

a)  Was für ein Huhn ist abgebildet?
b)  Woher kommt der Name dieses Huhns?
c)  War dieses Huhn zum Zeitpunkt der Fotografie glücklich,  ja oder nein?
d)  Wieviele Eier legt ein solches Huhn pro Jahr (circa)?
e)  Um welche Person der Zeit handelt es sich bei dem huhntragenden Knaben?

Ja, und was gibt es zu gewinnen (Fortuna wartet schon ungeduldig)?

Eine Packung von 10 oder vielleicht sogar 12 ganz frischen Eiern von garantiert glücklichen Landhühnern im hessischen Mittelgebirge, handverlesen von der Landeier-Frau!

Für alle, denen es zu schwer zu lösen ist, gibt es die Rätselhilfe!

Weisheiten / 40

Freitag, 26. September 2008

Wer a sagt, der muss nicht b sagen. Er kann auch erkennen, dass a falsch war.

Bertolt Brecht (1898 bis 1956), Dichter, Dramatiker

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(Fritz Cremer (1906 bis 1993), Bertolt Brecht, Skulptur in Bronze auf dem Bertolt-Brecht-Platz, Berlin; Foto: SpreeTom wikimedia commons GFDL)

Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren

Donnerstag, 25. September 2008

Sie gelten  – die alten Regeln, bis auf den heutigen Tag. Eine dieser Grundregeln des gänzlich deregulierten Kapitalismus ist nun einmal die Tatsache, dass Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert werden: und zwar vor allem dann, wenn es einige Exponenten dieses Sytems auf die Spitze treiben, wenn sie mit ihren Un-Taten das gesamte wirtschaftliche – und damit gesellschaftliche und politische – Gefüge an den Rand des Abgrunds bringen. Dann muss auf einmal doch der – in diesen Kreisen ansonsten missliebige und gern verspottete – Staat retten, was zu retten ist, aller Deregulierungsphilosophien zum Hohn, und wer ist dieser Staat? Na, raten Sie mal: Richtig, es sind die steuerzahlenden Bürgerinnen und Bürger, niemand anderes!

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(Foto: Manuel Dohmen wikimedia commons GFDL)

Wie bekannt,  will die US-amerikanische Administration in diesen Tagen um die 700 Milliarden Dollar und auch mehr – man muss einmal versuchen, sich solche Zahlen zu veranschaulichen – zur Rettung der maroden Finanzmärkte bereitstellen – natürlich letztlich aus öffentlichen Mitteln, sprich Steuergeldern. Um den ganz grossen finalen Finanz-Crash zu vermeiden und weil es somit gesamtgesellschaftlich notwendig sei.

Nun hat diese skandalöse Finanzwirtschaft unvorstellbar hohe Summen “verbrannt”, Vermögen vernichtet, aber es ist noch genug Geld da: In den Taschen jener skrupellosen Manager und Helfershelfer dieses Systems nämlich, die in völliger Verantwortungs- und Gewissenlosigkeit, allein von reiner Profitgier getrieben, diese sogenannten Finanzprodukte ersonnen und genutzt haben, in einer deregulierten und von einer gewissen Politik gehätschelten Szenerie. Das heisst, in den Taschen dieser Jongleure wird es auch nicht unbedingt sein, sondern vielfach steuerhinterzogen auf Konten in Steuerhinterzieher-Paradiesen à la Kaimaninseln oder Liechtenstein. Warum nicht zuerst einmal diese Leute in die Haftung nehmen, mit ihrem gesamten persönlichen Vermögen, bis hin zu deren Privatkonkurs? Wird wohl so einfach nicht sein, und war ja auch immer recht angenehm für manche Politiker, sich im Lichte dieser Finanzgrössen auf deren Jachten und Parties zu sonnen (auch wenn diese ein armseliges monatliches Senatoren- oder Minister- Salär an einem einzigen Tag verjuxen).

Nein, da ist es doch sehr viel einfacher, die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für die Ergebnisse dieser Finanzskandale bluten und die Finanzganoven ungeschoren davonkommen zu lassen …

Wie aktuell zu vernehmen ist, sollen entsprechende Gesetzentwürfe der US-Administration dem Finanzministerium – und damit auch dessen feinen Freunden in eben jener Finanzchaos-Szene – einen Freibrief ausstellen für ein künftig weitgehend der parlamentarischen Kontrolle entzogenes und damit demokratiefreies Finanzgebaren. Auch wird darin der Weg geebnet, Managern von Finanzinstituten, die mit Steuergeldern gerettet werden, später Millionen und Abermillionen von Bonuszahlungen und Abfindungen hinterherzuwerfen. Der Skandal ist noch lange nicht zu Ende!

Und auch hierzulande stehen letztlich der Staat, also die Gesellschaft, im Klartext die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die dummerweise kein Liechtenstein-Ticket in der Tasche haben, für manches fachliche Versagen der Banker und Berater ein, für die Sanierung dieses vom Kollaps bedrohten Finanzsystems. Es handelt sich allein in Deutschland um viele hundert Millionen Euro, es können leicht Milliarden* werden (wenn dies nicht bereits jetzt schon der Fall ist), die in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Altenpflege fehlen, unerfreulicherweise täglich neu zu lesen, zu sehen und zu hören in den Medien.

(* inzwischen sind es weit mehr als 100 Milliarden geworden)

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(Bildnachweis: Friedrich.Komberg, Foto: Walter J. Pilsak wikimedia commons GFDL)

Damit muss Schluss gemacht werden!

Fragen Sie doch, liebe Leserinnen und Leser, Ihre Bundes- und Landtagsabgeordneten, wie diese sich zu diesen Zuständen verhalten. Und machen Sie doch Ihre nächsten Wahlentscheidungen auch davon abhängig, wie zufriedenstellend Sie deren Antworten finden.

KUNST / 30

Mittwoch, 24. September 2008

Nicht die Abbildung der Wirklichkeit ist das Ziel der Kunst, sondern die Erschaffung einer eigenen Welt.

Fernando Botero (*1932), Maler, Bildhauer

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Fernando Botero, “Bird”
(Foto: Heinz Albers  wikimedia commons GFDL)