Bundesverkehrsminister Tiefensee will den “Schilderwald” lichten und übersieht das Notwendige
Den “Schilderwald” im bundesdeutschen Strassenverkehr lichten – das klänge wahrhaftig nach einer herkulischen Heldentat, dem Ausmisten des Augiasstalls gleichzusetzen, fiele diese Meldung nicht in das berüchtigte “Sommerloch” der Politik und machte sie sich nicht bereits dadurch verdächtig.

(Schilderwald-Schwachsinn in Passau; Foto: Bernd Sluka)
Bei näherer Betrachtung der Meldungen aus dem Ministerium aber erkennt man: Wolfgang Tiefensee will gar nicht solche Irrsinnszustände wie oben abgebildet bereinigen (auf kürzester Strecke 7 Halteverbots- mit 10 Zusatzschildern!), sondern eher nützliche, sogar sicherheitsrelevante Warn- und Hinweiszeichen abschaffen:
oder 
Verkehrspolitiker von CSU und FDP meldeten zu Recht Bedenken und Proteste an.
Nein, es riecht nach reinem Aktionismus des bis dato weithin blassen und glücklos operierenden Ministers. Ein durchschaubar vordergründiger Aktionismus, der davon ablenken soll, dass es dem Minister ganz und gar nicht gelingen will, die eigentlichen Probleme des Strassenverkehrs auch nur ansatzweise in den Griff zu bekommen.
Ein Hauptproblem: die “LKW-Wand” auf vielen Autobahnen! Das werktägliche Chaos mit verunfallten LKW, die nicht selten rollenden Schrottplätzen gleichen, ganz zu schweigen von den zahlreicher werdenden Havarien von Gefahrguttransportern. Hören Sie nur einmal über einen Tag hinweg die Verkehrsfunkmeldungen!


(Der werktägliche LKW-Wahnsinn auf Autobahnen; Fotos: Uwe Steinbrich pixelio.de)
Überforderte und übermüdete, von skrupellosen Spediteuren gehetzte LKW-Fahrer verursachen immer wieder Unfälle mit kilometerlangen Staus und stundenlangen Wartezeiten der anderen, sich verkehrsgerecht verhaltenden Reisenden. Wer errechnet endlich einmal den damit verbundenen staubedingten volkswirtschaftlichen Schaden?
Und: Speditionen sowie Liefer- wie Herstellerbetriebe missbrauchen ganz offensichtlich die Fernverkehrsstrassen mit ihrer – wie sie selbst einräumen – “rollenden Lagerhaltung”! Was aber sagt Tiefensee dazu?
Hier hätte Tiefensee ein wirklich sinnstiftendes Betätigungsfeld! Nun hat er zwar unlängst einige erste vernünftige und notwendige Massnahmen vorgeschlagen, vor allem mehr Überholverbote für LKW auf den Autobahnen und eine Staffelung der LKW-Maut in ihrer Höhe nach der Uhrzeit. Allein uns fehlt der Glaube an die Durchsetzungsfähigkeit des Ministers: fielen doch bisher seine Kollegen und Vorgänger in Bund und Ländern vor der schier übermächtigen LKW- und Speditionslobby zumeist schlicht und einfach um.
