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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Claudius Seidl und die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen

“… angesichts des Umstands, dass erstmals hoheitliche Aufgaben wie Post, Bahn, Fernmeldewesen zum Nutzen des Kunden privatisiert worden sind … ” meint Claudius Seidl, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in deren Ausgabe vom 15. Juni 2008 schreiben zu müssen.

Nur drei Tatsachen:

Erstens: Seidl war offensichtlich nie in Grossbritannien, oder er hat sich dort mit dem Taxi zwischen Portsmouth und Edinburgh chauffieren lassen. Die europaweit bekannte desaströse Entwicklung der britischen Eisenbahnen nach deren Privatisierung (zahlreiche Unfälle, Streckenstilllegungen, marode Gleise und Züge, Verspätungen an der Tagesordnung, total verschmutzte Personenwagen, undiskutabler “Service” usw.) wären ihm sonst nicht entgangen. Sollte man jedenfalls annehmen.

Hoffentlich bleibt uns, über weitere Streckenstilllegungen und verlotterte, weil privatisiert-personalfreie Bahnhöfe hinaus eine derartige negative Entwicklung in Deutschland erspart.

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(Foto: Stihl024 pixelio.de)

Zweitens: Seit der angeblich so segensreichen “Privatisierung” der Post in Deutschland ist – allein in unserem grossen Stadtteil – festzustellen: Schliessung des Postamts; Abbau mehrerer in unserem Wohnbezirk gelegener Briefkästen; Austrag der Sendungen über Jahre hinweg durch ständig wechselnde, natürlich schlecht bezahlte und deshalb unmotivierte Zusteller, mitunter auch durch mutmassliche Analphabeten (mit der Folge: wir trugen die bei uns eingeworfene Post zu den Nachbarn, diese legten wiederum die für uns bestimmte in unseren Briefkasten, nette Bekanntschaften sind dadurch entstanden).

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(Erinnerung an vergangene Zeiten der Solidität und Zuverlässigkeit)

Drittens: Privatisiert-Telefonieren in Deutschland? Die zeitliche Dauer der nervtötenden Suche nach ebenfalls ständig wechselnden, in dümmlichstem “Denglisch” angepriesenen Tarifen übertrifft die des eigentlichen Telefonats um ein Vielfaches. Und dazu ist uns das Leben zu kurz.

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Spass beiseite: “Zum Nutzen des Kunden”? Der blanke Hohn! Aber Tatsachen stören bekanntlich.

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