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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Juni, 2008

Zum Tod von Hans Steinbrenner

Freitag, 27. Juni 2008

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(Hans Steinbrenner, Figur, vor dem Kaisersaal im Frankfurter Römer; Bildnachweis: PIA Frankfurt)

Wie das Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main aktuell mitteilt, verstarb am vergangenen Samstag einer der grössten Künstler dieser Stadt, Hans Steinbrenner, im Alter von 80 Jahren.

Oberbürgermeisterin Petra Roth: “Ich habe einen guten Freund verloren und einen Menschen, der meinen künstlerischen Blick geschärft hat. Sein Tod ist nicht nur ein grosser Verlust für die Stadt Frankfurt, sondern auch ein grosser persönlicher Verlust. Eines meiner Lieblingswerke Steinbrenners steht im Römer zwischen Kaisersaal und meinen Büro und wird mich täglich an sein Schaffen und seine grosse Persönlichkeit erinnern.”

Steinbrenner, 1928 in Frankfurt am Main geboren, studierte an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – bei deren Direktor und Professor Hans Mettel sowie an der Akademie der Bildenden Künste in München bei deren Vizepräsidenten Toni Stadler. Er steht in der Tradition von Hans von Marées, Wilhelm Lehmbruck und Oskar Schlemmer. Steinbrenner war einer der wenigen deutschen Künstler, die sowohl als Bildhauer, Maler und Grafiker wirkten, wobei im Vordergrund seines Œuvres die Bildhauerei stand. Man bezeichnete ihn vielfach als einen Künstler des “Flächenraumes”, der Räume über Flächen definierte. Sein bildhauerisches wie malerisches Schaffen kennzeichnet eine innere Balance zwischen Statik und Dynamik, konzentrierter Ruhe und innewohnender Kraft. Schon früh wurde Steinbrenner über die Grenzen Frankfurts hinaus im europäischen Ausland bekannt. Seine Arbeiten sind in Frankfurt unter freiem Himmel sowie im Städel Museum, im Museum für Moderne Kunst und im Historischen Museum vertreten, darüber hinaus in den bedeutenden nationalen und internationalen Kunstsammlungen.

Das traditionsreiche Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath , das Hans Steinbrenners Schaffen bereits über fünf Jahrzehnte hinweg begleitete, widmete dem Künstler von März bis Mai dieses Jahres zu dessen 80. Geburtstag eine grosse und vielbeachtete Ausstellung mit Skulpturen und Gemälden. “Die Skulpturen zeichnen sich durch eine strenge, asketische Geometrie aus. Die stelenartige Ausrichtung der Gesamtfigur und die kubische Anordnung der sichtbaren Flächen entziehen sich nicht einer Allansichtigkeit, sondern laden zum Umwandern und zur allseitigen Betrachtung ein…” (Frankfurter Kunstkabinett)

Das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte wird den herausragenden Künstler vom 21. Oktober 2008 an im Rahmen einer retrospektiven Jubiläumsausstellung im Karmeliterkloster würdigen.

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(Hans Steinbrenner, Figur; Bildnachweis: Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath über lifePR)

Claudius Seidl und die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen

Freitag, 27. Juni 2008

“… angesichts des Umstands, dass erstmals hoheitliche Aufgaben wie Post, Bahn, Fernmeldewesen zum Nutzen des Kunden privatisiert worden sind … ” meint Claudius Seidl, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in deren Ausgabe vom 15. Juni 2008 schreiben zu müssen.

Nur drei Tatsachen:

Erstens: Seidl war offensichtlich nie in Grossbritannien, oder er hat sich dort mit dem Taxi zwischen Portsmouth und Edinburgh chauffieren lassen. Die europaweit bekannte desaströse Entwicklung der britischen Eisenbahnen nach deren Privatisierung (zahlreiche Unfälle, Streckenstilllegungen, marode Gleise und Züge, Verspätungen an der Tagesordnung, total verschmutzte Personenwagen, undiskutabler “Service” usw.) wären ihm sonst nicht entgangen. Sollte man jedenfalls annehmen.

Hoffentlich bleibt uns, über weitere Streckenstilllegungen und verlotterte, weil privatisiert-personalfreie Bahnhöfe hinaus eine derartige negative Entwicklung in Deutschland erspart.

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(Foto: Stihl024 pixelio.de)

Zweitens: Seit der angeblich so segensreichen “Privatisierung” der Post in Deutschland ist – allein in unserem grossen Stadtteil – festzustellen: Schliessung des Postamts; Abbau mehrerer in unserem Wohnbezirk gelegener Briefkästen; Austrag der Sendungen über Jahre hinweg durch ständig wechselnde, natürlich schlecht bezahlte und deshalb unmotivierte Zusteller, mitunter auch durch mutmassliche Analphabeten (mit der Folge: wir trugen die bei uns eingeworfene Post zu den Nachbarn, diese legten wiederum die für uns bestimmte in unseren Briefkasten, nette Bekanntschaften sind dadurch entstanden).

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(Erinnerung an vergangene Zeiten der Solidität und Zuverlässigkeit)

Drittens: Privatisiert-Telefonieren in Deutschland? Die zeitliche Dauer der nervtötenden Suche nach ebenfalls ständig wechselnden, in dümmlichstem “Denglisch” angepriesenen Tarifen übertrifft die des eigentlichen Telefonats um ein Vielfaches. Und dazu ist uns das Leben zu kurz.

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Spass beiseite: “Zum Nutzen des Kunden”? Der blanke Hohn! Aber Tatsachen stören bekanntlich.

Das rätselhafte Musikinstrument – die Lösung

Donnerstag, 26. Juni 2008

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(Diatonisches Hackbrett)

Bei schwacher Beteiligung gab es nur eine richtige Lösung:

das Hackbrett, alias Salterio, Dulcimer, Pantaleon und auch Cymbal.

Die richtige Lösung hat Michael Köhres eingesandt, der Gewinner bereits des Dreieck-Rätsels. Herzlichen Glückwunsch! Es gibt wunderschöne Einspielungen mit diesen Instrumenten. Eine entsprechende CD ist ihm sicher!

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(Salterio; Bildnachweis: Hackbrettforum e. V. mit weiteren Hinweisen)

”Mit meinem 3. Auge” – Fotografien von Horst Thürling im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs

Mittwoch, 25. Juni 2008

Als Horst Thürling 1989 nach rund 25jähriger Tätigkeit als Kamera- und Chefkameramann des Hessischen Rundfunks die Fernsehkamera gegen den Fotoapparat tauschte, machte er eine aufregende Wiederentdeckung: das Hochformat! Es nahm ihn fortan in Beschlag, ebenso wie die Möglichkeiten der Standbildfotografie. Aus dem Chefkameramann entwickelte sich der Fotokünstler mit seither über zwanzig Ausstellungen in Deutschland und in Italien (dort liebevoll Oreste Thuerling genannt).

Thürling blieb und bleibt – wie alle ersthaften Fotokünstler – der analogen Technik verpflichtet. Eine nachträgliche Bearbeitung des Aufgenommenen findet nicht statt. Nur einen einzigen kleinen Trick wendet er hin und wieder an: Er lässt mitunter Schwarz-Weiss-Filme im Farblabor entwickeln – durchaus legitim und mit nur dem Kennerauge erschliessbarem, aber faszinierendem Ergebnis. Umgekehrt fotografiert er Motive mit Farbfilm – und sie erscheinen, zumal im Gegenlicht, dem ungeübten Betrachter schlichtweg schwarz.

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Farbe spielt für Horst Thürling, der von der Schwarz-Weiss-Filmtechnik kam und erst 1967/68 den überhaupt ersten Farbfilm für das deutsche Fernsehen drehte (”Von Mäusen und Menschen” nach dem Roman von John Steinbeck), eine zentrale Rolle: Aber insoweit, als er mit Farbe äusserst sparsam umgeht. “Bunte” Fotografie kommt für ihn nicht in Frage. Auch sieht er das Schwarz und das Grau in allen seinen Schattierungen als Farben an. “Wer damals von der Schwarz-Weiss-Technik kam”, erzählt er, “hatte eine bestimmte ‘Angst’ vor der Farbe, die bei vielen ins ‘Bunte’ abglitt”. Oft werden seine Motive wesentlich nur durch eine Farbe geprägt – zu dominieren scheint zuweilen das Blau. Porträts – als Ergebnis langer Sitzungen und Interwiews – nimmt er grundsätzlich in Schwarz-Weiss auf. Ergreifend in der Ausstellung das Porträt “Frau Dr. M.” – die Augen einer Chirurgin nach einer offensichtlich erfolglosen Operation mit vermutlich letalem Ende.

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Thürling fotografiert – und er erzählt damit von – Landschaften, Menschen, Begegnungen, Trennungen. Er schildert Reisende, Wartende, Verharrende, in sich versunken Erscheinende. Aber auch Eitelkeiten, Modisch-Zeitgeistiges. Oft mit Humor, menschlich-allzumenschliche Schwächen dekuvrierend, nie aber verletzend. Kinder spielen eine Rolle – nicht selten schauen sie mit dem Blick des wissenden, des im Bedrückenden erfahrenen Erwachsenen. Besonders interessieren ihn Spiegelungen und Puppen: dem Menschen nachgebildete, oft ihn verzerrende Schaufensterpuppen. Das verpfuschte Abbild, die verleumderische Pose. Das Gegenüber von Echt und Falsch, Sein und Schein. Die dazwischen zu verschwimmen scheinenden Grenzen.

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Horst Thürling hat den Blick des professionellen Fotografen, des den entscheidenden Sekundenbruchteil Erfassenden. Gleichwohl sind seine Fotografien von einer strengen Komposition. Und sie muten, obgleich nie das Dokumentarische verleugnend, in manchem malerisch an. Es sind allesamt Unikate: Mehr als der Originalabzug ist nicht erlaubt. Thürling signiert ihn.

Am kommenden Sonntag, den 29. Juni 2008, endet die Ausstellung im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs. Kein Geringerer als der berühmte Frankfurter Maler und Zeichner Ferry Ahrlé hatte zur Eröffnung in sie eingeführt.

Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus, Bockenheimer Anlage (gegenüber dem Hilton-Hotel)

(Bildnachweis: Frankfurter Künstlerclub; © Horst Thürling)

Frankfurter Äppelwoi siegt über Regelungswut der EU-Kommission

Montag, 23. Juni 2008

Nun hat er also doch gesiegt – der Frankfurter (und südhessische) Äppelwoi (oder Ebbelwoi), über die masslose Regelungs- und Nivellierungswut der EU-Kommission (rund 24.000 EU-Bürokraten)!

Wir freuen uns! Dem Ebbelwoi ein dreifach Hoch!

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(Bildnachweis: Eva Kröcher/wikimedia commons GFDL)

Im EU-Amtsblatt-Wirrwarr nach der neuen Weinmarktordnung zu suchen, die zum kommenden 1. August in Kraft treten soll – nein, dafür ist uns das Leben zu kurz! Aber Presseberichten und Äusserungen des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien zufolge soll das Wort Wein auch in Zukunft im Zusammenhang mit anderen Früchten als Trauben verwendet werden können. Dabei müsse jedoch dafür gesorgt werden, dass eine Verwechslung mit echtem Wein nicht möglich ist. Na sowas! Es steht doch seit jeher eben “Apfelwein” auf der Flasche, oder? Für wie dumm hält uns die EU-Kommission eigentlich?