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Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Archive for März, 2008

In Frankfurt geht die Kunst aufs Wasser

Montag, 24. März 2008

Dass in Frankfurt am Main die Kunst vor langem schon sozusagen ins Wasser gegangen ist, in den Portikus auf der Maininsel nämlich, das wissen wir. Nun ist sie auch auf das Wasser gegangen, unter dem Motto “Frankfurt Maritim”, in ein Ausstellungs- und Atelierschiff, den neuen schwimmenden Kunststandort der Stadt. Es ankert am Mainwasenweg 29 nahe der Anlegestelle Ruderdorf auf der Höhe des Stadtteils Oberrad. Taufe und Inbetriebnahme des Schiffes fanden am Donnerstag vor Ostern zusammen mit der Eröffnung der Ausstellung “Yona Friedman” – seine Installationen befinden sich sowohl im Portikus als auch auf dem Schiff – statt.

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Im Sommer dieses Jahres werden die Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – und der Portikus, ferner das Museum für Moderne Kunst und der Frankfurter Kunstverein das Ausstellungs- und Atelierschiff mit Einzel- und Gruppenprojekten “bespielen”. Vom Frühjahr 2009 an stellt das städtische Kulturamt das Schiff im Rahmen des neuen Künstlerstipendiums “Frankfurt Maritim” internationalen Gastkünstlern als Atelier und Wohnung zur Verfügung. Mit “Frankfurt Maritim” ergänzt die Stadt ihre bekannten und begehrten zwei- bis dreimonatigen “Artist in Residence” – Stipendien, die sie im jeweiligen Austausch mit acht internationalen Partnerstädten vergibt.

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Das Schiff verfügt über 230 Quadratmeter Nutzfläche im Inneren sowie zusätzlich 45 Quadratmeter Freifläche auf dem Oberdeck. Es bietet zwei grosse Atelierräume, je einen Wohn- und Schlafraum nebst einer Küche und einem Bad sowie 150 Quadratmeter Lagerfläche im Unterdeck. Es eignet sich damit ebenso für Ausstellungen, Seminare oder Open Air-Veranstaltungen der beteiligten Institutionen.

Yona Friedman zählt zu den interessantesten und wichtigsten Architekturtheoretikern und Architekturutopisten der Gegenwart. 1923 in Budapest geboren, lebt und arbeitet er seit vielen Jahren in Paris. Friedman befasst sich mit städteplanerischen Modellen. Er ist Autor zahlreicher theoretischer Schriften und Animationsfilme. Seine Ausstellungen auf der Biennale Venedig und der documenta 11 im Jahr 2002 in Kassel machten ihn einem grösseren Publikum bekannt.

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Friedmans Manifest “L’Architecture mobile”, das er 1958 veröffentlichte, bildete das Gründungsdokument der “Groupe d’étude d’architecture mobile (GEAM)“. Gemeinsam mit gleichgesinnten Architekten und Urbanisten rief Friedman 1965 die “Groupe International d’Architecture Prospective (GIAP)” mit dem Ziel ins Leben, Perspektiven und Konzeptionen für eine zukunftsorientierte Architektur und einen entsprechenden Städtebau zu entwickeln. Architektur dürfe, so das Credo Friedmans, lediglich einen Rahmen, eine Struktur vorgeben, die die Bewohner nach eigenen Vorstellungen ausgestalten sollen. Flexible, mobile Strukturen sollen dabei die klassische Architektur ablösen.

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Friedman zeigt jetzt im Portikus sowie auf dem Ausstellungs- und Atelierschiff kollagen- und modellhafte Strukturen, die er aus Pappen und Papier, Draht und Verpackungsmaterialien wie Styropor gemeinsam mit Studenten und Absolventen der Städelschule entwickelte. Zusätzlich zur Ausstellung ist in einem Screening eine Serie von 13 Animationsfilmen aus dem Jahr 1960 zu sehen.

Die Ausstellung wird bis zum 4. Mai 2008 zu sehen sein.

(Bildnachweis: Portikus Frankfurt am Main; Foto: Wolfgang Günzel; © Yona Friedman)

Osterspaziergang 2008

Samstag, 22. März 2008

200 Jahre Faust I – 200 Jahre Carl Spitzweg – und meinen Leserinnen und Lesern ein schönes Osterfest!

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Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weisses,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss in Breit’ und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

(Johann Wolfgang Goethe, Faust I, Vor dem Tor)

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Carl Spitzweg (1808 bis 1885), Sonntagsspaziergang

Samuel

Mittwoch, 19. März 2008

Wir kennen Nicole Ahland und ihre unlängst in der Galerie Greulich ausgestellten Arbeiten. Heute nähern wir uns ihrer Installation Samuel im Frankfurter Dommuseum.

Schauplatz: der überdachte, von dem kleinen Kreuzgang des Domes umgebene, Quadrium genannte Raum. Licht fällt durch die Dachverglasung auf den bekannten, im Frankfurter Stadtgebiet vielerorts anzutreffenden warmtönigen Buntsandstein dieser Mauern mit ihren Grabmalen und den breiten, dreiteilig gegliederten gotischen Fensterbögen des Kreuzgangs.

Wir sehen eine etwa dreieinhalb Meter hohe, rund sieben Meter breite, ungeteilte Projektionsfläche aus Stoff, ein gegenüber aufgestellter Projektor strahlt ein Dia auf diese Wand. Es handelt sich um eine schemenhaft in hellem Licht erscheinende Figur, ein Jüngling, ein junger Mann, die volle Höhe der Projektionsfläche einnehmend, den Kopf und die Füsse leicht angeschnitten, bekleidet ist diese Figur lediglich mit einem weissen Slip. Links und rechts der aus hellem Licht hervortretenden Figur verdunkelt sich die Wand in einem bräunlichen Ton.

Der junge Mann, vom Licht des Hintergrunds nahezu überstrahlt, scheint seinerseits in seiner linken, dem Betrachter zugewandten Seite seines eher schmächtigen Körpers zu erstrahlen. Und wir erinnern uns an den Umgang der Fotokünstlerin Nicole Ahland mit dem Licht, das sich in ihren Bildern gleichsam materialisiert.

Der Jüngling steht mit geschlossenen Beinen, den Kopf nach vorne gesenkt, mit herabhängenden Schultern und Armen wehrlos, verletzbar erscheinend, als müsse er sich vor einer unsichtbaren Instanz verantworten.

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Auf dem steinernen Fussboden vor der Projektionswand liegen verstreut weisse Kartons, bei näherem Hinsehen erweisen sie sich als Postkarten, das Adressfeld zum Beschriften mit feinen Linien angedeutet, mit einem Stempel der Künstlerin versehen. Auf der Rückseite einer jeden Karte ist eine Zeile in Bleichgoldpigmentfarbe handschriftlich aufgetragen, es gibt diese Karten in deutscher, französischer, italienischer und englischer Sprache:

Nichts getan.
Il n’a rien fait.
Non fatto niente.
Nothing done.

Der freundliche Herr am Eingang des Dommuseums bedeutet uns, wir sollten ruhig einige Karten vom Boden aufheben und mitnehmen. Sie werden offenkundig, so lassen weitere Besuche am Ausstellungsort erkennen, jeweils um neue Exemplare ergänzt.

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Ist es der junge Samuel, den Nicole Ahland darstellt, der alttestamentliche Prophet? Der Sohn der Hanna, jener unfruchtbaren Frau des Elkana, dessen weitere Frau Peninna ihm im Gegensatz zu Hanna viele Söhne und Töchter geschenkt hatte? Sohn jener Hanna, die dem Gott Zebaoth gelobte, wenn er ihr einen Sohn beschere, wolle sie diesen “dem Herrn geben sein Leben lang”, wie es dann auch geschah? Warum gibt die Künstlerin ihrem Werk diesen Namen?

Oder ist die Darstellung ein Ecce homo, ein Sehet, welch ein Mensch, im Ausstellungsduktus des Dommuseums auf die Passions- und Osterzeit fokussiert?

Bekennt dort ein Mensch eine Schuld, die wir nicht kennen, aber vielleicht erahnen können?

Oder steht der junge Mann als ein Sinnbild für die zur militärischen Musterung Vorgeführten, in Kontrollen aller Art “Gefilzten”, vor einem Tribunal Verhörten, steht er für die Beschimpften, Gedemütigten, Versklavten, Gefolterten, Entrechteten dieser Welt?

Und was ist das überhaupt für eine Frau, was für eine Mutter, diese Hanna, die Gott mit jenem Gelöbnis um einen Sohn bittet und diesem Samuel jedweden Raum für ein eigenes, selbstbestimmtes Leben nimmt? Was für eine Mutter-Sohn-Beziehung?

Aber ergibt sich nicht zwischen all den genannten Deutungsmöglichkeiten ein tiefer innerer Zusammenhang, ein Sinn?

Es stehen ein paar Stühle im Quadrium gegenüber der Installation, wir sollten das Angebot zum Niedersetzen und Innehalten annehmen. Und wir sollten eine dieser goldbeschriebenen Karten vom Boden aufheben und mit nach Hause nehmen oder in die Welt tragen, uns an den Goldpreis von eintausend Dollar die Unze und daran, wem dies alles nützt oder schadet erinnern, oder an den alttestamentlichen Tanz um das Goldene Kalb, und an dieses Nichts getan, dieses Il n’a rien fait, Non fatto niente, Nothing done.

Die Ausstellung dauert bis zum 27. April 2008.

Dommuseum im Kreuzgang des Kaiserdomes zu Frankfurt am Main, Domplatz 14, 60311 Frankfurt am Main; Telefon: (069) 13376186; www.dommuseum-frankfurt.de;
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 11 bis 17 Uhr

(Bildnachweis: Nicole Ahland; Fotos: © Dirk Uebele)

KUNST / 21

Dienstag, 18. März 2008

Die Kunst ist der Statthalter der Utopie.

Max Frisch (1911 bis 1991), Architekt, Schriftsteller, Träger des Georg-Büchner-Preises

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(Foto: Jürgen Maus /pixelio.de)

Nachbarschaft

Montag, 17. März 2008

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. . . es müssen nicht immer Gartenzwerge sein.