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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for März, 2008

KUNST / 22

Montag, 31. März 2008

Ich respektiere die Freiheit der Kunst. Ich mache mich doch lächerlich, wenn ich postuliere, dass Kunst nur dann Kunst ist, wenn ich sie auch verstehe.

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Gemälde eines Schimpansen namens “Congo”

Lothar Späth (geb. 1937), Politiker, Unternehmer

“Denglisch”-Quatsch … zum Zweiten

Sonntag, 30. März 2008

Geert Teunis in der Hauptversammlung der Volkswagen AG am 3. Mai 2006:

Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich vertrete eigene Aktien …

Ich habe vor einigen Monaten einen Passat bestellt und dabei erfahren, dass man fundierte Englischkenntnisse braucht, um alles zu verstehen, was angeboten wird. Bei der Ausstattung kann man wählen zwischen Trendline, Highline, Sportline und Comfortline.

Bei den Motoren gibt es u. a. TDI und FSI. Was “FSI” bedeutet, weiß der Berater nicht genau; es heiße wohl “Full Selected Injection” oder so. In Wirklichkeit heißt es natürlich “Fuel Stratified Injection”.

Es gibt weiterhin den FSI 4MOTION. Meine Nachfrage nach der Bedeutung von “4MOTION” lautet: “Das ist doch klar: unser Allradantrieb!” Der Berater weiß nicht, dass die korrekte Übersetzung für Allradantrieb “Four wheel drive” ist. “4MOTION” ist eine grammatikalische Unmöglichkeit und stellt eine böse Verstümmelung der englischen Sprache dar. Denn “Motion” für Bewegung kann morphosyntaktisch nicht mit einer Zahl kombiniert werden. Im Englischen ist das genau so unmöglich, wie es “4Bewegung” im Deutschen wäre. Bei den Farben ist es so bunt, dass es mir wegen der vielen englischen Qualifizierungen einfach zu bunt wird, bei denen man sich offenbar nicht die Mühe gemacht hat, nach deutschen Äquivalenten zu suchen. Ich darf wählen aus Candy-Weiß, Granite Green, Arctic Blue Silver, Wheat Beige, Shadow Blue, United Silver usw. Gibt es wirklich keine treffenden deutschen Namen für unser deutsches Produkt? Wo bleibt die Kreativität unserer Werbeabteilung?

(Beifall)

Darüber hinaus bietet die Volkswagen Individual GmbH ein individuelles Designpaket aus Sensitive-Leder, in Snow Beige und Türinserts in zeitlosem Design. Und dann zum Entertainment: Ich darf bestellen: Multimedia-Kit, PhatBox und Rear-Seat- Entertainment-Geräte. Bei all den englischen Vokabeln, die ich höre und lese, frage ich mich: Ist das eine Beratung für einen deutschen Kunden oder einen englischen Kunden? Nun fahre ich ihn, den Passat, und muss mich zurechtfinden mit Bezeichnungen wie TIM für Traffic Information System, TMC für Traffic Message Channel, EPC für Electronic Power Control, ACC für Adaptive Cruise Control, mit MUTE, DEST, NAV, MAP, Scan und Autostore, mit Autohold, Reset, SPEED, CANCEL,

(Heiterkeit und Beifall)

mit KESSY für Keyless Entry Start Exit System. – Es ist ein Graus, meine Damen und Herren!

(Beifall)

Es gibt nicht nur die unverständlichen Abkürzungen, sondern unter dem Navigationssystem prangt ein Satz: PASSENGER AIR BAG OFF. – Zu Deutsch, frei übersetzt: Passagier Luft Sack aus.

(Heiterkeit)

Ohne Englischkenntnisse und intensives Studium des Bordbuches kommt man nicht mehr zurecht! Warum steht auf dem Zündschloss der Schriftzug “ENGINE Start/Stop”? Es ging doch Jahrzehnte ohne diesen völlig überflüssigen und unverständlichen Hinweis!

Nach der Übergabe des Fahrzeugs war früher der Kundendienst für mich zuständig. Nun ist er umbenannt worden in After Sales Service.

(Heiterkeit)

Das ist absolut nicht einzusehen. Das ist nicht nur rücksichtslos, sondern es erscheint mir auch verkaufsstrategisch gesehen als dumm, so mit deutscher Kundschaft umzugehen.

(Beifall)

Ich empfehle, sich ein Beispiel an McDonald’s zu nehmen. McDonald’s hat in Deutschland bis vor gut einem Jahr mit “Every time a good time” geworben. Eine Marktanalyse ergab, dass dieser Werbespruch von der Bevölkerung nicht verstanden wurde. McDonald’s hat seinen Werbespruch geändert in “Ich liebe es!”.

(Heiterkeit und Beifall)

Aus demselben Grund hat auch unsere Konzerntochter Audi umgeschwenkt von “Driven by Instinct” auf “Pur und faszinierend”.

Herr … , auch Ihre Mitarbeiter in der Produktion verstehen nur unzulänglich Englisch. Sie haben trotzdem vier “Product Units” ? abgekürzt PUs ? für vier selbständig wirtschaftende Einheiten eingeführt. Es sind dies die PU A-Klasse, die PU Presswerk, die PU Trim und die PU Fahrsysteme – ein schönes Mischmasch aus Deutsch und Englisch! Gemeint sind aber offensichtlich gar nicht “Product Units”, sondern “Production Units”. Abgesehen von diesem Fehler empfehle ich, die jetzt von Ihnen eingeführte Bezeichnung “Product Unit” wieder zurückzunehmen. Die bisher gebräuchliche “Fertigung” kann genau so wirtschaftlich arbeiten wie eine “Product Unit”.

(Beifall)

Meine Damen und Herren, wenn der Kunde nachhaltig an Volkswagen gebunden werden soll, muss die Sprache stimmen. Die ist für deutsch Sprechende nun mal Deutsch und kein deutsch-englisches Mischmasch.

(Beifall)

Außerdem hat jeder das Recht, nicht Englisch zu können.

(Beifall)

Herr … , ich habe abschließend zwei Fragen und einen Vorschlag. Meine erste Frage: Beabsichtigen Sie, im deutschen Volkswagen Konzern, der bereits seit Jahrzehnten global agiert, jetzt zunehmend englische Bezeichnungen einzuführen, insbesondere auch dann, wenn es gute deutsche Wörter gibt? Meine zweite Frage: Ist schon einmal geprüft worden, welche Haftungsrisiken bestehen, falls ein des Englischen nicht mächtiger Kunde den im Zweifel lebenswichtigen Warnhinweis “PASSENGER AIR BAG OFF” nicht berücksichtigen konnte?

Und nun mein Vorschlag: Herr … , Sie haben vor gut einem Jahr einen neuen Namen für unseren deutschen Volkswagen Konzern gesucht, um eine Abgrenzung zu Volkswagen Aktiengesellschaft zu erreichen. Ich habe auf der letzten Hauptversammlung “People’s Wagon Group” vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt.

(Beifall)

Ich versuche es heute mit einem anderen Vorschlag. Falls Sie eine englische Bezeichnung für unseren Betriebsrat suchen sollten, ich habe ein Angebot: “Work Council” mit der Abkürzung “WC”.

(Große Heiterkeit und Beifall)

Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Ihnen mein Vorschlag so gut gefällt. Dann dürfen wir zusammen auf die Antwort von Herrn … gespannt sein. Falls der Vorschlag angenommen wird, kann der Worker an der Finishline künftig während oder nach seiner Shift zu seinem vertrauten WC gehen.

(Heiterkeit)

Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche allen Volkswagen-Fahrern eine gute Zusammenarbeit mit ihrem After Sales Service.

(Heiterkeit und Beifall)

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(Sogenannter Narrenturm, weltweit erster Spezialbau zur Unterbringung von Geisteskranken, auf dem Gelände des Wiener Allgemeinen Krankenhauses; Foto: Gryffindor wikimedia commons GFDL)

Zehn Minuten . . .

Freitag, 28. März 2008

. . . zehn Minuten – hier die legendären seinerzeitigen Ausführungen von Edmund Stoiber – wären es gewesen, mit dem Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen “Franz Joseph Strauß”, statt der 45 Minuten, bei denen es auf absehbare Zeit bleiben wird. Denn nun wurde das Aus für die Transrapid-Strecke beschlossen.

Liebe Bayerinnen und Bayern, lassen Sie uns die Zehn-Minuten-Rede in liebevoller Erinnerung behalten – das ruft Ihnen ein absolut bavariaphiler Hesse zu!

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Der Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus

Donnerstag, 27. März 2008

Nehmen wir an, Sie sitzen an einem warmen Frühlingstag auf der Terasse des Hilton-Hotels und schauen in das junge Grün des hier Bockenheimer Anlage genannten Abschnitts des Frankfurter innerstädtischen Wallanlagenrings. Ihr Blick schweift umher und bleibt auf einem besonderen Kleinod dieser an Kleinodien wahrlich nicht armen Stadt ruhen: Sie erblicken das Nebbiensche Gartenhaus, das Domizil des renommierten Frankfurter Künstlerclubs. Gewiss nehmen Sie sich vor, nach einem abschliessenden Cappuccino Ihre Schritte dorthin zu lenken. Sie treten ein und befinden sich in einer Ausstellung eines der vielen namhaften Frankfurter Künstler.

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Das klassizistische Nebbiensche Gartenhaus, 1810 von Salins de Montfort für den Verleger Marcus Johannes Nebbien als Gartenpavillon errichtet, diente vor dem Zweiten Weltkrieg verschiedenen Zwecken, zuletzt als Maleratelier. 1952 wurde es mit Hilfe von Spenden renoviert. Zu seiner Rechten steht in dem das Gebäude umgebenden romantischen Garten ein marmorner italienischer Renaissance-Brunnen aus dem Park der Villa Waldfried des von den Nationalsozialisten verfolgten Frankfurter Unternehmers und Mäzenen Carl von Weinberg. Die linke Seite schmückt ein weiterer Springbrunnen, aus einem Kapitell aus weissem Sandstein gefertigt und mit einem schmiedeeisernen Brunnenhäuschen verziert.

Ende 1953 gab die Stadt das Gebäude zur Nutzung durch einen Kunstverein frei. Es wurde der Schauspielerin Dodo van Doeren zur Verfügung gestellt, die 1955 mit sechs weiteren Künstlerinnen und Künstlern den gemeinnützigen Verein “Gebende Hände” zur Unterstützung freischaffender Künstler gründete. 1980 – nach 25 Jahren seiner Existenz – gab sich der Verein seinen heutigen Namen “Frankfurter Künstlerclub – gemeinnütziger Zusammenschluss von Künstlern und Kunstfreunden”.

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Heute zählt der Verein rund 350 Mitglieder. Eine Besonderheit ist es, dass in ihm alle Sparten der bildenden und darstellenden Künste vertreten sind, also Malerei, Bildhauerei und Grafik, Fotografie, Prosa und Lyrik, Musik, Schauspielerei und Kabarett. Mit seinen zwölf Kunstausstellungen und den rund 140 Matineen und Soireen, Familienkonzerten und sonstigen Veranstaltungen, namentlich zum Museumsuferfest und zur Frankfurter Buchmesse, erreicht der Künstlerclub rund 10.000 Besucher jährlich. Neben dem Vorstand sind ein Beirat und eine Jury für den Verein tätig. Mit seinen Angeboten gehört der Frankfurter Künstlerclub seit langem zu den wichtigen Kulturträgern des Rhein-Main-Gebietes.

Seit 1996 leitet der Frankfurter Maler und Buchautor Ernst-Dietrich Haberland mit viel Engagement und grosser Leidenschaft als Vorsitzender den Verein. Ihm steht dabei die Ärztin und Geigerin Hannelore Gwildis zur Seite. War es zu Zeiten der “Gebenden Hände” noch eine wesentliche Aufgabe des Vereins, existenzbedrohte und notleidende Künstler zu fördern und zu unterstützen, so hat er sich unter der Führung von Haberland mehr und mehr zu einem zeitgerecht gemanagten, gleichwohl am Gemeinnutz orientierten Kunstbetrieb mit einem besonderen Akzent auf Kunstausstellungen und Darbietungen seiner künstlerischen Mitglieder entwickelt. Haberland realisierte insbesondere seine neue Konzeption, die ausgestellten Kunstwerke durch ein individuell abgestimmtes, der künstlerischen Aussage eines Malers oder Bildhauers entsprechendes Musik- und Literaturprogramm zu begleiten. Ferner trug er dafür Sorge, dass das historische Nebbiensche Gartenhaus optisch und technisch auf einen neuen, den aktuellen Erfordernissen entsprechenden Stand gebracht wurde. Zu den Höhepunkten der bisherigen Geschichte des Künstlerclubs gehörte 2005 der Festakt zum 50. Jahrestag seiner Gründung in Anwesenheit der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth und des damaligen Kulturdezernenten der Stadt, Hans-Bernhard Nordhoff.

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Es ist zum einen dieses reiche kulturelle Angebot, zum anderen aber ebenso der genius loci, der Zauber des klassizistischen Gebäudes, umgeben vom lauschigen Garten mit seinen Brunnen, dies alles inmitten des Wallanlagenparkes mit seinem hohen, alten Baumbestand, den romantischen Weihern und gepflegten Wegen, was die Freunde und Liebhaber des Clubs wie auch die vorüberkommenden Spaziergänger in den Bann zieht.

Übrigens: Der Künstlerclub stellt das Gartenhaus auch Firmen und Privatpersonen für interne Veranstaltungen und Familienfeiern zur Verfügung. Gerne vermittelt er Künstlerinnen und Künstler, die zum Erfolg solcher Veranstaltungen beitragen.

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Derzeit stellt Rudolf Kunstmann unter dem Titel “Schatten der Zeit” Arbeiten in Acryl und Mischtechnik sowie Kollagen im Gartenhaus aus. Am Sonntag, 13. April 2008, 11 Uhr, eröffnet Ernst-Dietrich Haberland die Ausstellung mit Werken von Hans-Ludwig Wucher, bekannt als “Monet von Frankfurt”.

Ein Kleinod mitten in Frankfurt am Main: das Nebbiensche Gartenhaus, Sitz des Frankfurter Künstlerclubs .

(Bildnachweis: Foto A. Köhler wikimedia commons GFDL [1]; Frankfurter Künstlerclub [2 bis 4])

Wirtschaftssystem in der Kritik

Mittwoch, 26. März 2008

Ich sehe, dass sich zunehmend mehr Menschen von Personal und Institutionen in Wirtschaft und Staat distanzieren. Die grosse Gefahr dabei ist, dass nicht nur einzelne Wirtschaftsführer oder Politiker ihre Glaubwürdigkeit verspielen, sondern das ganze System letztlich keine Akzeptanz mehr findet . . .

Wenn sich der Eindruck verfestigt, dass die Entscheidungen über Investitionen und damit über die Lebensbedingungen der Menschen ausschliesslich der Logik von Rentabilitätskalkülen folgen, dann verwundert es nicht, dass dieses Wirtschaftssystem seine Akzeptanz verliert.

Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23. März 2008: “Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos”