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Tischgesellschaft

Nach ihrer Reise fast um den ganzen Erdball – unter anderem besuchte sie das Museum of Modern Art in San Francisco, die Tate Modern in London und das Musée D’Art Contemporain in Avignon – ist die Tischgesellschaft nach Frankfurt am Main zurückgekehrt. Sie hat im grossen Saal des ehemaligen Hauptzollamts Platz genommen, vis-à-vis dem Museum für Moderne Kunst, als dessen Dependance der 1927 errichtete Bau heute die Ausstellungsmöglichkeiten des MMK erweitert.

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Die Skulptur Tischgesellschaft der 1956 in Essen geborenen, in Düsseldorf arbeitenden Künstlerin Katharina Fritsch ist eine der Ikonen der Frankfurter Museumslandschaft, den Freunden und Besuchern des MMK seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1991 vertraut, vielen sogar “ans Herz gewachsen”. Über Jahre hinweg hatte sie ihren Platz in einem der Dreiecksäle des Hauses, in wechselnden Umgebungen und damit auch Perspektiven. Nun hat sie, nach ihrer Odyssee durch viele der renommierten Häuser der Welt, ein – vorläufiges? – Domizil gefunden, das auf den ersten Blick erstaunt und spätestens auf den zweiten überzeugt.

Da ist zunächst der Ort: Der Saal im ehemaligen Zollamt ist heute in das Haus am Dom integriert, dem katholischen Kultur- und Bildungszentrum des Bistums Limburg. Gerade in dieser Bezogenheit ist er mit seinen verklinkerten Säulen und Wandverkleidungen von einer strengen, asketischen, nahezu sakralen Anmutung. Mit der Tischgesellschaft in seiner Mitte könnte er uns als ein klösterliches Refektorium erscheinen.

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Charakteristisch für die Arbeiten von Katharina Fritsch sind die Farben schwarz, weiss und rot. Ihre Skulpturen sind zumeist von mathematischer Strenge, Symmetrie und Geschlossenheit. Oft scheint die Zahl Acht eine Rolle zu spielen, in ihrer Multiplizier- und Teilbarkeit: So besteht auch die Tischgesellschaft aus 32, sich in zwei Reihen zu je 16 Personen gegenübersitzenden identischen Figuren. Das 16 Meter lange Ensemble ist an seinem jetzigen Standort – wir erinnern uns der Acht – in genialer Weise mittig zwischen zwei Säulenreihen der Ausstellungshalle aufgebaut, die wiederum jeweils aus vier Pfeilern bestehen.

Es handelt sich um lebensgrosse Männer, bekleidet mit schwarzem Hemd, schwarzer Hose und schwarzen Schuhen. Der zweiunddreissigfach gleiche Faltenwurf des Hemdes mutet lediglich für sich betrachtet individuell an. Die Männer legen in gleicher Weise ihre ebenso wie die Gesichter weissen Hände auf die aus einem Stück gefertigte Tischdecke, welche ein rotfarbenes, mathematisch-verschränktes Muster aufweist, gleichsam als wollten sie mit diesen Händen die in dem Muster vermutete Botschaft ertasten, enträtseln. Die Figuren entsprechen einem zeitgenössischen Typ von Mann, der jedoch in tiefer Introvertiertheit verstummt und verharrt. Ein jeder ist mit jedem anderen beliebig verwechsel- wie austauschbar. Bedrückende Szenerie verlustig gegangener Persönlichkeit, Schreckensvision einer von Klonung bedrohten Zukunft.

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Katharina Fritsch, Tischgesellschaft (1988), Holz, Polyester, Baumwolle, Dauerleihgabe der Dresdner Bank AG an das MMK

(Bildnachweis: © Museum für Moderne Kunst; Fotos: Axel Schneider)

Ein Kommentar zu “Tischgesellschaft”

  1. Ursula Günther
    23. Februar 2008 18:07
    1

    Vom Abendmahl zur Tischgesellschaft?? Na, Gott sei Dank, das Problem mit den fünf Broten und zwei Fischen ist damit endlich vom Tisch! Und Verräter gibt`s auch keine mehr. Sauber aufgeräumt. Regression in die Nicht-Existenz. “Lebensgroß” ? Überlebensgroß!

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