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Erhard MetzHerzlich willkommen!
Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Archive for Februar, 2008

“Denglisch”-Quatsch

Freitag, 29. Februar 2008

“… jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird …”

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(durch das Internet geisternder, Hilmar Kopper, dem vormaligen Vorstandsprecher der Deutschen Bank zugeschriebener Denglisch-Redetext)

Gott und der Teufel oder: Wer sich um unsere Gesundheit kümmert

Donnerstag, 28. Februar 2008

Am Anfang bedeckte Gott die Erde mit Brokkoli, Blumenkohl und Spinat, grünem, gelbem und rotem Gemüse aller Art, damit Mann und Frau lange und gesund leben mögen.

Der Teufel schuf Mövenpick und Bahlsen und er fragte: “Noch ein paar Kirschen zum Eis?” Der Mann antwortete: “Gerne.” Die Frau fügte hinzu: “Bitte noch eine heiße Waffel mit Sahne.” Schwupps hatten beide fünf Kilo zugenommen.

Da schuf Gott den Joghurt, damit sich die Frau die Figur erhalten möge, die der Mann so liebte.

Der Teufel aber erfand das weisse Mehl und den Zucker und kombinierte sie. Die Frau änderte ihre Konfektionsgröße von 38 auf 46.

Gott sprach: “Versuch doch einmal einen knackigen Gartensalat!”

Der Teufel schuf das Sahnedressing und dazu den Knoblauchtoast als Beilage. Schon bald öffneten Mann und Frau ihre Gürtel um ein bis zwei Löcher.

Gott verkündete: “Ich habe Euch frisches Gemüse gegeben und dazu Olivenöl, damit ihr es darin garen möget.”

Nicht faul, steuerte der Teufel üppiges Bries und Camembert bei. Und in Butter geschwenkte Hummerstücke und Flugentenbrust, so dass man in aller Regel einen zweiten Teller benötigte. Die Cholesterinwerte der Menschen schossen in schwindelerregende Höhen.

Also erschuf Gott den Laufanzug und das Joggen, damit seine Kinder Sport treiben sollten und dabei ein paar der überschüssigen Pfunde verlören.

Der Teufel, nicht faul, erfand dafür das Kabelfernsehen und die Fernbedienung, damit die Menschheit satt und zufrieden verharre. Mann und Weib verbrachten viele Stunden vor dem flackernden Schirm und begannen, sich in Anzüge aus Stretchmaterial zu kleiden.

Gott schuf die Kartoffel, welche arm an Fett und reich an Nährstoffen war und vor Kalium nur so strotzte.

Der Teufel entfernte die gesunde Schale und zerteilte das Innere in Chips, die er in triefendem Fett briet und mit Kochsalz bestreute. Der Mensch legte weitere Pfunde zu.

Dann schuf Gott das magere Fleisch, auf dass seine Kinder weniger Kalorien verzehren und trotzdem satt würden.

Der Teufel aber erfand McDonalds und den Cheeseburger für 99 Cent und fragte den Menschen: “Mit Pommes?” Der Mensch sprach: “Ja, und doppelt Majo!”, und der Mensch erlitt einen Herzinfarkt.

Gott seufzte und schuf den Herzkatheter und die vierfache Bypass-Operation.

Was machte der Teufel? Er erfand die gesetzliche Krankenversicherung.

(Autor unbekannt)

Die Ambivalenz des Fliegens – Kyra Claydon in der Galerie der Frankfurter Heussenstamm-Stiftung

Dienstag, 26. Februar 2008

In leuchtenden Farben und grossem Format geht es derzeit in der Galerie der Frankfurter Heussenstamm-Stiftung zu: Die Malerin Kyra Claydon lässt ihre – meist lebensgrossen – Figuren fliegen. “Modan Garu” – eine wohl aus dem Japanischen stammende Verballhornung von “modern girls” – betitelt sie ihre Ausstellung, die (nur) noch bis zum 7. März 2008 zu sehen ist. Man sollte sich deshalb beeilen, die Galerie in der Braubachstrasse aufzusuchen.

Kyra Claydon präsentiert dort eine Werkschau, die sich dem Betrachter trotz – oder gerade wegen – ihrer exponentiellen Farbigkeit und Figurativität nicht auf den ersten Blick erschliesst, sondern ihn im Gegenteil auf interpretatorische Irrwege führen kann, vermutlich auch will. Was hat es mit dem Fliegen auf sich?

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La Fee, Öl auf Leinwand, 200 mal 140 cm

“Eine meiner Großtanten war begeisterte Segelfliegerin. Eine junge Pilotin und Künstlerkollegin, Simone Aaberg Kaern, flog 2002 allein und in 50 Stunden von Kopenhagen nach Kabul und schaffte den Weltrekord auf dieser Strecke mit einer kleinen, 1937 in Lock Haven hergestellten Piper Colt: Sie dringt heimlich und auf die Gefahr hin abgeschossen zu werden mit ihrer Maschine in die afghanische Kriegszone ein, und es gelingt ihr auch, den Hindukusch zu überfliegen”, schreibt Kyra Claydon.

Sind es allmächtige Göttinnen, die alles mögliche können, auch schweben? Sie hielten sich ähnlich wie männlich gedachte Gottheiten im Olymp, auch in allen möglichen Himmelsdimensionen auf, erklärt dazu die Malerin. Sind es selbstbewusste Herrscherinnen, oder flügellose Engel, die so elegant und mit federhafter Leichtigkeit vor den weissen Wölkchen eines lichtblauen Himmels dahinschweben, selbstbezogen, unsterblich zwischen den Sphären, fern des Bodens, ohne Schatten zu werfen? Oder sind es moderne Frauen der Jet-Set-Generation, nicht frei von emanzipatorisch-autobiografisch Narrativem? Barbarellas der Lüfte, modern girls eben, “Modan Garu”?

“Die junge Frau jettet mit ihren Aposteln durch die Welt, über Dächer und Städte hinweg … Frösche sind bei mir zwar auch Verwandler, aber keine Prinzen, sondern Apostel oder Assistenten, Kompagnons, kurz Jungs für alles”, erklärt die Künstlerin zu ihrem Bild Jet-Set

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Jet-Set, Öl auf Leinwand, 200 mal 140 cm

Die Bilder sind farbenfroh, man könnte sagen poppig-flippig, voller Figuren und Gegenstände, also Apostel und Assistenten, wie Kyra Claydon sagt, inspiriert von südamerikanischen und indischen Einflüssen. Die Gemälde mögen entfernt an die um die Wende zum 20. Jahrhundert in Paris entdeckte, seit den 50er Jahren in Kroatien auf andere Weise wieder aufblühende Naive Malerei erinnern. Sie zitieren in manchem die Bildkraft von Werbeplakaten, vor allem der Tourismusindustrie, dann wieder meinen wir Märchenhaftes zu entdecken, zum Beispiel den Froschkönig. Und Mangas umgeben und begleiten gerne die fliegenden Reisenden.

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Amica, Petra und Bym, Öl auf Leinwand, 100 mal 70 cm

“Kein Bild aber führt tiefer als bis zu seiner Grundierung. Betrachten und bedenken wir also die Hintergründe … Aber die Hintergründe helfen, keine Geschichte zu finden. Ohne Kontext freilich sind die Bilder nicht. Nur liest er sich so leichtfüßig schwer wie ein Text, in dem der eine Satz auf einem roten Teppich daherkommt und der nächste ihm diesen Teppich mit lachender Ironie wieder wegzieht”, urteilt Hans-Joachim Strauch.

Und Hubert Beck schreibt über die Malerin: “Wie Engel, wenn auch ohne Flügel lässt die Künstlerin ihre Figuren fliegen; sie werfen keine Schatten … Das erste reale ‘Flying Girl’, unsere erste Pilotin in Deutschland, war Melli Beese. Sie war wie viele andere bereits ein Modan Garu (modern girl), wie die Japaner den Typus der in den zwanziger Jahren aufkommenden neuen Frauenfigur nennen. Das Wesen der Engel ist das Anderssein, sie sind Transmitter, Vermittler (Boten) zwischen den himmlischen und irdischen Sphären. Sie sind unsterblich und Inbegriff geschlechtlicher Ambiguität.”

Überraschend wirkt die fliegende Hexe, ganz anders als die sonnenhungrigen Amicas, Petras umd Byms (handelt es sich bei diesen Namen nicht zugleich um Frauenzeitschriften?) von blasser Hautfarbe vor schwärzlichem Hintergrund, wie sie von Rosen begleitet wird oder jene in ihrem Fluge hinterlässt. Sie, die Hexe, benötige zum Fliegen keinen Besen, das sei sehr wichtig, sagt Kyra Claydon. Den Besen, man spürt es, hat diese Hexe wirklich nicht mehr nötig.

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Fliegende Hexe, Öl auf Maltuch, 140 mal 100 cm

Die 1966 in Frankfurt am Main geborene Kyra Claydon ist eine Malerin, die es in vielem noch zu entdecken gilt. Namhafte Professoren begleiteten ihre künstlerische Ausbildung: Christa Näher und Thomas Bayrle an der Frankfurter Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – , Christian Boltansky an der École National Supérieure des Beaux Arts in Paris, wo sie sich 1988 im Rahmen eines Stipendiums aufhielt. Nach einem Studienaufenthalt 1990 in New York folgte 1992 der Abschluss an der Städelschule. Weitere mehrjährige diverse Studiengänge schlossen sich an.

Im Jahr 2002 stellte Claydon in Königstein aus, 2004 in Kronberg sowie in der Frankfurter Ausstellungshalle 1A. Es folgten bis heute weitere Präsentationen in Frankfurt, Bad Soden, Königstein und Hofheim.

“Alles andere als malerische Bescheidenheit strahlen die Gemälde Kyra Claydons aus”, schreibt Andreas Greulich. “Da malt eine Künstlerin offensichtlich so, wie sie muss, und das ist gut so … Die Menschen scheinen losgelöst, ganz bei sich selbst zu sein. Zuweilen schauen sie dabei knapp am Betrachter vorbei. Auf irgendein Ziel hin. Und dann beginnt das erzählerische Moment der Gemälde zu wirken. Die Künstlerin entwickelt dabei eine eigene Bildsprache, die es zu erschließen gilt … Was allerdings nicht klar wird ist, welches Weltbild in diesen Bildern eigentlich vermittelt wird. Nach verschiedenen Seiten offen lesbar ist auch das Frauenbild, das uns die Malerin vermittelt. Selbstbewusstsein und Oberflächlichkeit sind die beiden Begriffe, zwischen denen die jungen Frauen in ihrer ‘Selbstdarstellung’ mäandern … Man weiß nicht genau, ob eine kritische Haltung oder Wohlgefallen an den Motiven die Thematik beherrscht. Es ist kurios und zeichnet diese Arbeiten aus, dass sie auf der malerischen Seite sehr deutlich und kompromisslos, inhaltlich aber nicht leicht zu fassen sind. Für mein Empfinden ist dieser Gegensatz aber wesentlich für diese Arbeiten.”

Galerie der Heussenstamm-Stiftung, Braubachstraße 34, 60311 Frankfurt am Main; www.heussenstamm-stiftung.de; Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12 bis 18 Uhr, Samstag 12 bis 17 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 7. März 2008.

(Bildnachweis: Galerie der Heussenstamm-Stiftung; © Kyra Claydon)

Lesen

Montag, 25. Februar 2008

Afugrnud enier Sduite an enier Elingshcen Unvirestiät ist es eagl, in wlehcer Rienhnelfoge die Bcuhtsbaen in eniem Wrot sethen, das enizg wcihitge dbaei ist, dsas der estre und lzete Bcuhtsbae am rcihgiten Paltz snid. Der Rset knan ttolaer Bölsdinn sien, und du knasnt es torztedm onhe Porbelme lseen. Das ghet dseahlb, wiel wir nchit Bcuhtsbae für Bcuhtsbae enizlen lseen, snodren Wröetr als Gnaezs.

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(Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de)

Tischgesellschaft

Samstag, 23. Februar 2008

Nach ihrer Reise fast um den ganzen Erdball – unter anderem besuchte sie das Museum of Modern Art in San Francisco, die Tate Modern in London und das Musée D’Art Contemporain in Avignon – ist die Tischgesellschaft nach Frankfurt am Main zurückgekehrt. Sie hat im grossen Saal des ehemaligen Hauptzollamts Platz genommen, vis-à-vis dem Museum für Moderne Kunst, als dessen Dependance der 1927 errichtete Bau heute die Ausstellungsmöglichkeiten des MMK erweitert.

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Die Skulptur Tischgesellschaft der 1956 in Essen geborenen, in Düsseldorf arbeitenden Künstlerin Katharina Fritsch ist eine der Ikonen der Frankfurter Museumslandschaft, den Freunden und Besuchern des MMK seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1991 vertraut, vielen sogar “ans Herz gewachsen”. Über Jahre hinweg hatte sie ihren Platz in einem der Dreiecksäle des Hauses, in wechselnden Umgebungen und damit auch Perspektiven. Nun hat sie, nach ihrer Odyssee durch viele der renommierten Häuser der Welt, ein – vorläufiges? – Domizil gefunden, das auf den ersten Blick erstaunt und spätestens auf den zweiten überzeugt.

Da ist zunächst der Ort: Der Saal im ehemaligen Zollamt ist heute in das Haus am Dom integriert, dem katholischen Kultur- und Bildungszentrum des Bistums Limburg. Gerade in dieser Bezogenheit ist er mit seinen verklinkerten Säulen und Wandverkleidungen von einer strengen, asketischen, nahezu sakralen Anmutung. Mit der Tischgesellschaft in seiner Mitte könnte er uns als ein klösterliches Refektorium erscheinen.

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Charakteristisch für die Arbeiten von Katharina Fritsch sind die Farben schwarz, weiss und rot. Ihre Skulpturen sind zumeist von mathematischer Strenge, Symmetrie und Geschlossenheit. Oft scheint die Zahl Acht eine Rolle zu spielen, in ihrer Multiplizier- und Teilbarkeit: So besteht auch die Tischgesellschaft aus 32, sich in zwei Reihen zu je 16 Personen gegenübersitzenden identischen Figuren. Das 16 Meter lange Ensemble ist an seinem jetzigen Standort – wir erinnern uns der Acht – in genialer Weise mittig zwischen zwei Säulenreihen der Ausstellungshalle aufgebaut, die wiederum jeweils aus vier Pfeilern bestehen.

Es handelt sich um lebensgrosse Männer, bekleidet mit schwarzem Hemd, schwarzer Hose und schwarzen Schuhen. Der zweiunddreissigfach gleiche Faltenwurf des Hemdes mutet lediglich für sich betrachtet individuell an. Die Männer legen in gleicher Weise ihre ebenso wie die Gesichter weissen Hände auf die aus einem Stück gefertigte Tischdecke, welche ein rotfarbenes, mathematisch-verschränktes Muster aufweist, gleichsam als wollten sie mit diesen Händen die in dem Muster vermutete Botschaft ertasten, enträtseln. Die Figuren entsprechen einem zeitgenössischen Typ von Mann, der jedoch in tiefer Introvertiertheit verstummt und verharrt. Ein jeder ist mit jedem anderen beliebig verwechsel- wie austauschbar. Bedrückende Szenerie verlustig gegangener Persönlichkeit, Schreckensvision einer von Klonung bedrohten Zukunft.

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Katharina Fritsch, Tischgesellschaft (1988), Holz, Polyester, Baumwolle, Dauerleihgabe der Dresdner Bank AG an das MMK

(Bildnachweis: © Museum für Moderne Kunst; Fotos: Axel Schneider)