Heide Weidele bei ARTE GIANI in Frankfurt am Main
Heide Weidele: “Pseudo-Lüster” und weitere neue Arbeiten
Heide Weidele – nicht nur die Leserinnen und Leser dieses Feuilletons schätzen die weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus für ihre luftigen Konstruktionen bekannte Künstlerin. Die Galerie ARTE GIANI zeigt jetzt überwiegend deren neueste Arbeiten.

Aus dem Geiste von Dekonstruktion und Konstruktion geboren, schaukeln Kronleuchter – “lustres illuminés” – unter der Decke. Sie sind nicht aus edlem Kristall oder Porzellan gefertigt, sondern aus dem transformierten “armen” Alltagsmaterial Plastik, dem wir seine ursprüngliche Verwendung als Flasche, Kanister, Sieb, Schlauch etc. noch ansehen können. In ausgefallenen Farben und Formen sind die Einzelteile zu Grossobjekten zusammengesetzt und scheinen aus sich heraus zu leuchten, fast als ob ihnen spirituelles Eigenlicht innewohne. Aufgehängt an Nylonfäden tänzeln und strahlen sie, zu kostbaren, einzigartigen Pseudo-Lüstern veredelt, heiter im Raum.

Heide Weidele überrascht uns seit Jahren mit immer neuen innovativen Gebilden, deren Reiz in der Kombination von bildhauerischer Stringenz mit ironischem Witz und fröhlicher Überdrehtheit liegt. Ob der Pseudo-Lüster von Heide Weidele einer Lampe gleich funktionieren kann und will, interessiert genau so wenig wie die Frage, ob ein Flugobjekt von Panamarenko auch wirklich fliegen kann. Schöne und wichtige Kunstwerke sind sie alle beide!

Ihre Arbeit als Bildhauerin beginnt, als sie an der Städelschule Malerei studierte. Das mag ein Grund dafür sein, weshalb Farbe ein stets wichtiges Kriterium in ihrem Schaffen bleibt. Da sie das Material Plastik nie als “Original-Material” verwendet, das sie in eine selbst geschaffene Form gießen lässt, sondern vorgefertigte Behältnisse zerschneidet und ihrem Formwillen unterwirft, ist sie stark auf formale Mittel konzentriert. Diese Vorgehensweise zeigt die Mechanismen der Produktion und ermöglicht eine ironische Überprüfung, die bei Heide Weidele zu durchwegs vergnüglichen Ergebnissen führt. Ihren Objekten haftet eine Art jugendliche Frische und Unbekümmertheit an, gepaart mit einer rastlosen Freude an unaufhörlicher Transformation. Nur der Verkauf eines Kunstwerks kann diesen Prozess stoppen, wird es dadurch doch dem Zugriff der Künstlerin endgültig entzogen.

Jenseits üblicher bildhauerischer Materialien wie Holz, Metall oder Stein empfindet sich Weidele in ihrem freien Umgang mit dem industriell hergestellten Plastik beinahe als “underground artist”. Dazu passt auch ihre Freude an “schrägen” Ausstellungsorten, wie etwa 2006 in den Gewölbegängen des Barrage Vauban in Strassburg, die als Lagerräume von mittelalterlichen Sandsteinfiguren dienen. Obwohl sie durch zahlreiche Ausstellungen in Kunstvereinen und Museen, zuletzt 2007 im Frauenmuseum, Bonn, dem Kunstverein Marburg und 2006/2007 im Martin-Gropius-Bau, Berlin, einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt worden ist, ist sie dennoch ein Geheimtipp unter den zeitgenössischen Künstlerinnen.

ARTE GIANI, Taunusanlage 18, 60325 Frankfurt am Main
(Text- und Bildnachweis: ARTE GIANI; © Heide Weidele)

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