Maurizio Cattelan verlässt Frankfurt
Frankfurt am Main wird im Jahr 2008 auf kulturellem Gebiet um einiges ärmer: Nicht nur Udo Kittelmann, der quirlige Direktor des Museums für Moderne Kunst, wird die Stadt im Herbst verlassen, sondern auch Maurizio Cattelan. Genauer gesagt: Dessen im MMK und am Portikus installierte Kunstwerke haben sich bereits zum Rückzug gerüstet.
Als erstes ist das Pferd ausgeritten, nachdem es sich aus seiner misslichen Lage – es steckte mit dem Kopf in der Wand zuletzt am Treppenhaus hinter der Eingangshalle des MMK – befreit hatte. Auch die drei korrekt gekleideten Herren werden jeweils ihren rechten Arm aus der Wand des hinteren Ausstellungsraums in der oberen “Tortenstück”-Etage herausziehen, sich den Mörtel vom feinen Tuch abklopfen und mit unbekanntem Ziel abreisen. Bleibt noch das Schicksal des Tisches in der Wand zur Braubachstrasse abzuwarten – handelt es sich vielleicht sogar um den Schreibtisch des Museumsdirektors selbst, den er – vorahnungsvoll der höheren Weihen, zu denen er demnächst nach Berlin aufbrechen wird – für das auch baurechtlich bizarre Experiment zur Verfügung gestellt haben könnte? Und was wird aus der Torte zum “Tortenstück”, die den Tisch in luftiger Höhe über dem Strassenverkehr ziert?
Bald wird auch wieder der riesige Montagewagen mit der Steigerbühne am Portikus auffahren und die Dame in Schwarz, die dort ihre Arme über den Baumwipfeln ausbreitet, zum schmählichen Abtransport ergreifen. Was werden die Sachsenhäuser dazu sagen, von denen manche die Madame, so hört man es raunen, obwohl jene “hippdebach” den Portikus bewacht, schon als Schutzpatronin von “Dribbdebach” verehren sollen?
Von vorn herein nur ein kurzes Gastspiel gab der Jolly Rotten Punki, eine Performance von Bernard Wilson für den grossen Meister Cattelan. Die skurrile Figur trieb von Ende September bis Mitte Oktober 2007 nicht nur im MMK ihr Unwesen.
Seit März 2007 arbeitete das MMK gemeinsam mit Cattelan an einer Serie neuer Arbeiten, die er exklusiv für Frankfurt konzipierte. Ihren Ort und ihr Geschehen fanden die Arbeiten innen, aussen und um das Museum herum. Sie wurden jeweils in die gegenwärtige Sammlungspräsentation des MMK eingefügt, ohne dass der genaue Zeitpunkt ihrer Installation öffentlich kommuniziert wurde. Cattelans Arbeiten, die sich nach und nach zu einem Gesamtprojekt addierten, waren sein erstes künstlerisches Statement in Deutschland seit mehreren Jahren.
Allen Kunstliebhabern sei empfohlen, Ihre Schritte noch einmal baldmöglichst in das MMK zu lenken, um Maurizio Cattelan zu erleben, bevor es an der Stelle dieser Werke nur noch eines zu sehen geben wird: eine jeweils frisch und sauber verputzte und geweisste Wand!

Herzlich willkommen!
13. Januar 2008 19:41
Jetzt bin ich aber wirklich froh, dass ich das alles noch sehen durfte. Herrn Cattelans Werke brachten einen zum Staunen wie ein Kind. Dem bedauernswerten Pferd gönne ich die Befreiung. Muss es nun seinen Kopf in eine andere Wand stecken?
Schöne Grüße
Claudia Jo.
13. Januar 2008 20:07
Der Autor
Ich befürchte ja.