Isabelle Borges und Jens Hausmann – ein Malerehepaar
Donnerstag, 31. Januar 2008Die in Berlin und Frankfurt am Main tätige Galerie Schuster präsentiert an ihrem Frankfurter Standort sehr unterschiedliche Arbeiten eines in Berlin lebenden brasilianisch-deutschen Malerehepaars.
ISABELLE BORGES wurde 1966 in Salvador, Brasilien, geboren. Nach dem Besuch der Escola de Artes Visuais do Rio de Janeiro übersiedelte sie 1994 nach Köln. In Deutschland setzte sie ihr Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie fort. 1997 liess sie sich als Malerin in Berlin nieder.

Broken Mirror, Öl auf Leinwand (2007), je 140 mal 110 cm
In ihren konstruktivistischen Arbeiten zerlegt Isabelle Borges geometrische Formen und Formkonstruktionen und bringt diese in ihrer Malerei in neue Zusammenhänge. Besonders der Kubismus und die Malerei von Francis Bacon beeinflussten ihren künstlerischen Werdegang. Auf der Basis von Fotografien oder Vorstudien in Form von Zeichnungen, vor allem von Pflanzen, Bäumen oder Wolken, folgt sie den organischen Urformen bis in ihre innersten Grundstrukturen, reduziert sie, entnimmt ihnen die Farben und setzt sie mit eigenen assoziativen Kolorierungen neu zusammen. Dabei stellen sich ihre Dekonstruktionen als eine intuitive Erforschung der Spannung zwischen Bildgegenstand und bildnerischer Form dar.
Die Motive interpretiert Borges neu, ihr Wesen sieht sie aus anderen Blickwinkeln, die in gewisser Weise die Grenzen zwischen den Dingen sprengen. Alles scheint wie aus einer Quelle geschöpft zu sein. Als was es für uns sichtbar wird, ist letzlich eine Frage unserer eigenen Wahrnehmung.

Blau, Öl auf Leinwand (2007), 210 mal 155 cm
So werden aus Blumen Tänzer oder aus Wolken sich auftürmende, facettenartig ineinander geschichtete Farbfelder. Mal erscheinen diese so weit reduziert, dass nur einzelne, sehr abstrahierte geometrische Formen bleiben; dann wieder zeigen sich runde Formen, einzelne Striche oder Schattierungen, um Blätter, eine Lichtwirkung oder kraftvolle Bewegung darzustellen.
In ihren neuesten Arbeiten The Wave und Circle setzt Isabelle Borges ihre Kompositionen nicht nur in sich wie Puzzleteile zusammen, sondern sie geht einen Schritt weiter, indem sie diese Elemente auf mehrere, nebeneinander gehängte Leinwände ausbreitet, die von fern an Altarbilder erinnern. Zwischen den Leinwänden lässt sie eine sichtbare Lücke, die die Fragmentierung der Formen noch zusätzlich betont. Dennoch bilden die Szenarien ein organisches Ganzes.
In Circle wird die Dekonstruktion der Form zu einem Blick nach aussen. Ein Durchbruch innerhalb des runden Grundelements öffnet einen unbestimmten Raum. Zwischen den vier einzelnen Leinwänden scheint bewusst eine Kreuzform ausgespart. Der Kreis könnte an die Dornenkrone erinnern.

The Circle, Öl auf Leinwand (2007), je 110 mal 140 cm
Ihre nuancierte Farbpalette – immer ein lebendiges Zusammenspiel aus hell und dunkel, warm und kalt – erarbeitet sie sich für jedes Bild anhand der Dynamik der Formen neu. Die Farben orientiert Isabelle Borges fast nie an der Natur, sondern an dem, was man als “Akkorde der Gegenwart” oder eines “medialen Zeitalters” verstehen könnte.
Zunächst präsentierte Borges ihre Werke in Rio de Janeiro. Nach ihrer Übersiedelung nach Deutschland stellte sie in Einzelausstellungen weiter in Brasilien (Joao Pessoa, Rio de Janeiro, Sao Paulo und Salvador), auf Mallorca sowie in Berlin und Dresden aus. Gruppenausstellungen hatte sie in ihrem Heimatland ebenfalls in Rio de Janeiro, Joao Pessoa und Sao Paulo, ferner in Cardiff, Mailand und Sydney sowie – in Deutschland – in Berlin, Greifswald und Köln.
Die Arbeiten des 1964 in Meiningen geborenen JENS HAUSMANN gehören ebenso zu den bemerkenswerten Entdeckungen der Galerie Schuster.
Hausmann arbeitete nach dem Schulbesuch und einer Steinmetzlehre zunächst als Steinbildhauer. 1987 zog er nach Ost-Berlin, wo er als Atelierassistent wirkte. 1989 wandte er sich, unter anderem in Stuttgart, dem freien Zeichnen und der Illustration zu, bevor er 1994 an der Hochschule für bildende Künste in Dresden wiederum Bildhauerei studierte. 1996 wechselte er zur Malerei. Er beendete das Studium mit dem Diplom. Seit 2001 arbeitet er in Berlin als freier Maler.
Hausmann entlehnt die Motive seiner realistischen Malerei einer deutschen klein- bis gutbürgerlichen Vorstadtwelt, wobei er die für uns sichtbare Wirklichkeit dramatisch überhöht. Architektur und Landschaft interagieren oft gleichsam als eine Bühne für seine figürlichen Konstellationen: hier die Requisiten und dort die Menschen, die, vor allem wenn er sie entfernter platziert, wie bunte Spielfiguren aus Plastik anmuten. Hausmanns erzählerisch aufgeladene Ansichten beleuchten dabei kritisch sowohl seine eigenen bürgerlich-romantischen Ambitionen, wie auch diejenigen des Betrachters.

Traum vom Haus, Öl auf Leinwand (2007), Durchmesser 80 cm
Satteldächer recken sich spitz und abweisend, scheinbar sich selbst gegen andere verteidigend, in den Himmel. Aber Hausmann will sie nicht denunzieren, diese Scheinromantik. Er ist ein präziser Beobachter, der mit seinen Bildern seinen Blick auf die Dinge formuliert.

Vorstadttheater III, Öl auf Leinwand (2007), 145 mal 300 cm
Einige Elemente und Details tauchen immer wieder auf. Bestimmte Häusertypen, geklont, wie zum Beispiel das weisse Satteldachhaus mit den meist zugezogenen Vorhängen, Vorgärten ohne Blumen, sterile grüne Rasenflächen, allgegenwärtige Metallzäune, die die Häuser aufreihen wie auf einer Perlenschnur. Ein Pool oder ein kleiner See. Bäume und runde, kompakte Büsche. Die Natur hat einen besonderen, symbolischen Stellenwert für Hausmann. Licht und Schatten sowie Spiegelungen sind ebenfalls Symbole, die er immer wieder verwendet. Spiegelungen der “Requisiten”, aber auch der Menschen im Wasser. Sie unterstreichen die ambivalent aufgeladene Stimmung noch zusätzlich.
Hubschrauber, die überall hektische Bewegung verbreiten und vor oder über den Häusern kreisen, sind ähnlich mehrdeutig zu verstehen: Im Miniaturformat sind sie für ihn ein schönes Freizeitspielzeug. Aber sind sie nicht zugleich auch Rettungs- oder gar Kriegsgeräte? Ob sie im Vordergrund oder im Hintergrund fliegen, lässt sich manchmal nicht leicht ausmachen, auch nicht, was für Dimensionen sie haben, ob sie Freund oder Feind sind. Hausmanns Hubschrauber tragen Schriftzüge von Fernsehsendern, wie man sie aus den USA kennt, wenn sie etwa spektakuläre Fluchtversuche aus der Luft aus sicherem Abstand mitverfolgen und für das heimische Publikum medial aufbereiten.

Zwischenraum V, Öl auf Leinwand (2006) , 85 mal 115 cm
Die Wirkung seiner konzentrierten, ruhigen Malweise und der geordneten, geradezu geometrischen Komposition seiner Bilder wird von diesen dramatischen, manchmal surrealistisch wirkenden Szenen effektvoll gebrochen.
Hausmann präsentierte seine Werke in Einzelausstellungen mehrfach in Berlin sowie in Meiningen, Luckenwalde, Stuttgart und Köln, ferner im Jahr 2004 in Salvador, Brasilien. Mit Gruppenausstellungen war er in Berlin, Dresden, Essen und Köln sowie in Cardiff, Wales vertreten.
Die Ausstellung des Künstlerpaars in der Galerie Schuster, Frankfurt, lief bis zum 8. März 2008.
(Bild- und Textnachweis: © Galerie Schuster Berlin und Frankfurt am Main)

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