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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Dezember, 2007

Max Weinberg

Freitag, 14. Dezember 2007

Die Welt ist Pink!
Max (Moshe) Weinberg führt uns in sein Zauberreich

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Pink heisst: lebendig, kräftig, warm, vital? Ja. Aber die Welt ist nicht immer pink. Deshalb finden wir auf Max Weinbergs Palette sehr bald auch das Schwarz, das Grau, das Blau, ein wenig Grün, das aufregende oder auch beredt-schweigende Weiss.

Max Weinberg, in seinem achtzigsten Lebensjahr, malt bevorzugt alle erdenklichen Frauen: Mädchen, Teenies, Damen, Models, Weiber, Kokotten, Hetären, Hexen, Huren – und Engel! Eine Welt voller Weiblichkeit, wie wir sie uns bunter nicht hätten vorstellen können. Aber er malt auch Manager, Professoren, Politiker, Medienleute – oder Makler, Mafiosi, Programmierer, Aussenminister, wie er sie jüngst im Staatlichen Museum in St. Petersburg ausstellte.

Seine Gesichter haben ein, drei, vier, fünf, sechs Augen – selten zwei. Seine Frauen haben drei, vier, fünf, sechs Brüste, ebenfalls selten zwei, seine Figuren drei, manchmal auch mehr Beine. Es ist viel von Heiterkeit und Ironie in diesen Gesichtern und Gestalten, aber auch Eitelkeit und Narzissmus, Aggressivität und Wut, dann wieder Klage, Elend, Schmerz, Verzweiflung. Die meisten seiner Figuren schweben, vor allem die wundervollen Engel. Die Engel – sie haben zwei Flügel, niemals weniger oder mehr. Und: Die Engel sind weiblich!

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Max Weinberg, 1928 in Kassel geboren, stammt mit seinen sechs Geschwistern aus einem deutsch-polnisch-jüdischen Elternhaus. 1933 floh die Familie vor der nationalsozialistischen Gewalt nach Belgien, 1935 nach Palästina. Max wuchs im heutigen Israel mit dem bald aufkeimenden Wunsch heran, zu malen, nichts als zu malen. Als Achtjähriger wurde er mit der Musik Ludwig van Beethovens bekannt – sie liess ihn nie wieder los und bestimmt sein gesamtes Leben und Schaffen bis auf den heutigen Tag. Alsbald stellte er seine Bilder auf der Strasse aus – sein von einem liberalen Pioniergeist erfüllter Vater liess ihn gewähren. Max kam mit dem Talmud in Berührung und löste sich wieder von ihm. Mit achtzehn Jahren richtete er in einer Baracke am Tel Aviver Strand sein ersten Atelier ein. Er malte gegenständlich, vorwiegend badende Frauen – er selbst fühlte sich von kleinauf mit dem Meer vertraut.

Max Weinberg war 23 Jahre alt, als ihm ein Galerist seine Bilder abkaufte. Mit dem Erlös finanzierte er ein vierjähriges Studium an der Staatlichen Akademie für Kultur und Künste in Tel Aviv. Als er erlebte, wie die junge israelische Gesellschaft alle Anstrengungen allein auf ökonomisches Wachstum und wirtschaftliche Prosperität richtete, sah er für seine künstlerische Entwicklung dort keine Perspektive mehr. 1959 übersiedelte er, in Rückbesinnung auf seine Geburt in Deutschland, nach Frankfurt am Main, der Stadt mit einer, wie er wusste, uralten jüdischen Tradition. Er setzte sein Studium in den Jahren von 1961 bis 1963 fort, jetzt an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste – Städelschule -. Seitdem lebt und arbeitet er als freischaffender Maler, Graphiker und Zeichner in Frankfurt. Als Bildhauer schuf er eine Monumentalskulptur von nahezu sechs Meter Höhe.

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Max Weinbergs Geschöpfe sind ebenso archaisch-zyklopisch wie zeitgeistig. Ur-Emotionen – Liebe, Leidenschaft, Sex, Koketterie, Neid, Hass, Angst, Schmerz, Trauer – finden in ihnen Ausdruck. In seinem Schaffen spiegeln sich in manchem orientalisch-maurische Elemente wider – auch eine gewisse orientalisch anmutende, bei allem kreative Irrationalität. Aus diesem Konglomerat menschlicher, urkreatürlicher Eigenschaften entwickelten sich sein gestalterisches Potential, seine inzwischen weit bekannte eigenständige Formensprache und Ästhetik.

Sein Werk ist von Gegensätzen geprägt: Chaos und Ordnung, Orient und Okzident, Impuls und Kalkül, kindlich-naives Empfinden und Altersweisheit. Seine “Frauen” beispielsweise zeichnet und karikiert er in einer “sexistischen Darstellungsgesellschaft”, wie er formuliert, oft ironisch-sarkastisch verfremdet. Niemals aber entfernt sich sein Humor, seine Kritik von seinem gelebten Humanismus. Zynismus ist ihm fremd. Zumeist liegt auch ein gewisser Frieden über seinen Geschöpfen, wie er selbst seinen Frieden in seinem künstlerischen Schaffen gefunden hat.

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Max Weinberg ist glücklich, wir erfahren es glaubhaft ganz unmittelbar im Gespräch mit ihm, glücklich, weil er frei sein, weil er malen, weil er sich ausdrücken kann, wie es die allerwenigsten unter den gegebenen gesellschaftlichen und ökonomischen Zwängen zu tun vermögen. Diese Begeisterung, dieses Glück leuchtet aus seinen Gesichtszügen. Heuchlerisch-dümmlich von Passanten befragt, ob er denn von seiner Malerei leben könne, antwortete er, wie er erzählt, ja, sehen Sie nicht, ich lebe doch, oder?

Weinberg blieb und bleibt in seinem künstlerischen Ausdruck und seiner Ästhetik niemals stehen. Immer und immer wieder überarbeitet er seine Werke, entwickelt sie, kaum dass die Farbe bereits trocken wäre, zum nächsten Schritt hin weiter.

In einer besonders bedrückenden Arbeit gibt er der Gewalt, der Qual, dem Tod eine ganz in Schwarz ausgeführte Gestalt, in den Händen hält sie ein stilisiertes Hakenkreuz. Das ist, sagt er, sechzig Jahre und länger her. Die heutige Generation sei frei von persönlicher Schuld. Er mag es, wenn sich Kinder in seinem Atelier unbefangen und intuitiv mit seinen Gemälden und Gestalten befassen. Sie verstehen sehr schnell, freut er sich, sie finden den unmittelbaren Zugang in sein Zauberreich.

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Weinberg geht gerne mit grobem Pinsel und Spachtel um. Er arbeitet in Mischtechnik, Öl und Silicon, auf Leinwand und Papiere. Die Verwendung des Silicons führt zu stark strukturierten, nahezu gebirgigen Oberflächen, die wie Erosionslandschaften anmuten. Alle verfügbaren Flächen seines Ateliers einschliesslich des Fussbodens sind mit oft erst noch trocknenden Arbeiten bedeckt.

In Deutschland, zumals in Frankfurt am Main und Umgebung, scheint es nur wenige der Kunst verpflichtete Orte zu geben, an denen Max Weinberg nicht bereits ausgestellt hätte. Im Ausland hat das interessierte Publikum sein Werk unter anderem in Paris und in Burgund, in Luxemburg, Caracas, New York und zuletzt in St. Petersburg kennengelernt.

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Im Atelier geht es derzeit immer enger zu: Arbeiten in riesigen Formaten nehmen Wände ein. Das grösste Volumen beansprucht eine Hommage an den verehrten Ludwig van Beethoven, dessen Musik das künstlerische Werk Weinbergs lebenslang begleitet und inspiriert hat.

Max Weinberg sieht seinem achtzigsten Geburtstag im kommenden Jahr entgegen. Nicht nur aus diesem Anlass werden ihm Frankfurt am Main und seine Geburtsstadt Kassel, aber sicher auch andere Orte Ausstellungen bereiten. Wir werden neben Repräsentativem aus seinem nahezu unerschöpflichen Repertoire überraschende neue Arbeiten von ihm sehen und haben deshalb allen willkommenen Anlass, 2008 auf diesen Künstler zurückkommen. Shalom bis dahin, Max Weinberg!

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(Bildnachweis: © Max Weinberg)

Immer noch Fernsehen

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Ein Buch in der Hand ist besser als eine Fernsehantenne auf dem Dach.
(Kennen Sie doch, mit Spatz und Taube)

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(Foto: Franz Haindl; pixelio.de)

Wachtelspiegelei

Montag, 10. Dezember 2007

Es führt kein Weg an der Küche vorbei,
die uns brät ein Wachtelspiegelei.

Oder: Es gibt offensichtlich nichts, was es nicht gibt.

Hier das bekannte Hühnerspiegelei – (was heisst hier eigentlich Spiegelei? Können Sie sich etwa darin sehen?)

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Und hier das Wachtelspiegelei, wie es allen Ernstes in der Menukarte eines renommierten Frankfurter Restaurants angeboten wird:

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Ja, sagen Sie mir doch bitte einmal – wer hat da nicht mehr alle Tassen (will meinen, Eier) im Schrank?

KUNST / 10

Montag, 10. Dezember 2007

Der Zweck der Kunst ist Genuss.

Nicolas Poussin (1594 bis 1665)

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(Nicolas Poussin, Selbstporträt [1649/1650])

Tierisches

Samstag, 8. Dezember 2007

Das geheimnisvolle Tier

In meinem Garten lebt ein Tier,

das hat ganz grosse Angst vor mir.

Wenn es mich sieht, dann läuft es fort,

an einen streng geheimen Ort.

Drum hab ich es noch nie gesehn,

auch wenn ich rief: “Bleib doch mal stehn!”

Ich glaube fast, es mag mich nich.

Ist das nicht sehr bedauerlich?

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(Foto: Momo111 / pixelio.de)

Dieses schöne Gedicht ist leider nicht von mir, sondern von -habust- , dessen andere Gedichte ich Ihnen auch empfehle.