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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Dezember, 2007

Weisheiten / 30

Samstag, 22. Dezember 2007

Wenn Gott sich in einem Hotel eintragen müsste, er wüsste wahrscheinlich gar nicht, was er unter “Konfession” schreiben sollte.

Hanns Dieter Hüsch (1925 bis 2005), Kabarettist

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(Foto: Wilfried Wittkowsky, wikimedia commons  GFDL)

KNECHT RUPRECHT besucht den Frankfurter Presse-Club

Freitag, 21. Dezember 2007

Zur Weihnachtsfeier des Frankfurter Presse-Clubs

am 17. Dezember 2007
(sehr frei nach Theodor Storm) verfasst und vorgetragen

von Helmut Herkenroth

Von drauß’ vom Walde komm ich her,
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Hochhaus-Spitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen.

In der lieblichen Frankfurter Innenstadt
ist mancher vom Kaufrausch schon ziemlich schachmatt:
und ist er von der Presse, dann fragt er sich schon,
warum war so klein meine Gratifikation.

Ganz droben aus dem Himmels-Tor
sieht mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:

“Knecht Ruprecht, sprich, wo eilest du hin?
Haste den Presse-Club etwa im Sinn?
Den Journalisten-Verein, den FPC,
auf den ich durchaus mit Wohlwollen seh?

Dann freut’s mich für dich, du alter Gesell,
auf, hebe die Beine und spute dich schnell.
Eine schmackhafte Gans erwartet dich dort,
ich selbst, das Christkind, kann heut’ noch nicht fort.

Aber bring meine Botschaft dort heute noch hin:
So ‘n Fest-Essen ist ja wie ‘n Lotto-Gewinn!
Und für gute Getränke scheint auch gesorgt -
Hat der Kassenwart sich etwa das Geld geborgt?

Nicht doch! ‘s Management kalkulierte genau.
Mit göttlichem Beistand gelang’s Weber-Nau,
zu bruzzeln ein leckeres Weihnachts-Gericht.
Eine Beitragserhöhung scheint nicht in Sicht!”

“25 Euro, 0, lieber Herre Christ,
die zahlt ja auch höchstens ein Optimist.
Drum frage ich jetzt auch nicht genauer -
Ungläubige wenden sich an Frau Sauer.”

“Und noch was,” sprach’ s Christkind hoch droben im All,
vergiß nicht, recherchiere auf jeden Fall,
warum nur mußte es dieses Jahr sein,
die FRANKFURTER RUNDSCHAU plötzlich so klein?

Ist das Format, genannt Tabloid,
wirklich Ypsilanti-affin und solid?
Die Artikel gegen Roland, den von der Union,
sind die jetzt halb so scharf nur im Ton?”

Ich werde, sprach ich, es gleich erkunden,
hab’ immerhin schon herausgefunden,
dem Boss dort, dem Uwe, hat’ das “Medien-Magazin”
vergangene Woche erst eine Art Orden verlieh’n!
Bester Chefredakteur des Jahres Null-sieben.
Nur, weil er dort immer noch geblieben?

Das Christkind nun: “Aus der Himmels Distanz
leuchtet aus Frankfurt viel farbiger Glanz
empor aus der frisch gestylten FAZ,
das finden hier oben die Engel sehr nett,

doch können wir oft aus des Himmels Höhen
die ALLGEMEINE nicht so genau sehen
und denken schon mal, was führ’n die im Schild,
man verwechselt das Edelblatt glattweg mit BILD!

Auf der Titelseite, der heiligen Kuh,
ein buntisches Foto! Uns’re himmlische Ruh
geriet ganz höllisch aus ihrer Spur.
Im ganzen Blatt Farbe! Kaum noch Fraktur!

Selbst aus Johannes Gutenbergs Himmels-Finka
knurrt es: Was denkt sich denn dieser D’Inka!?”

“Pssst, Christkind, der macht auch de Boss vom Presse-Club!
Vielleicht sitzt er sogar hier in de Stubb … !
Wir sollten mit Meckern drum vorsichtig sein!”
Schauen wir lieber in mein Säckelein rein,
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
fressen auch fromme Journalisten gern!

Die frömmsten, die sitzen dort in Rhein-Main
bestimmt bei der NEUEN PRESSE ein.
Uns Himmlische freut, dass die Kirchen dort immer
recht nobel dabei wegkommen, böswillig nimmer.

Von jedwedem Dorf, aus jedem Verein
kommt alle Tage in’ s Blatt ebbes rein!
Fünfspaltig grinsen mit Mann und Maus
Jubilare aller Art aus den Spalten heraus.

Und die OFFENBACH-POST, Knecht Ruprecht, gestehe,
warum ich mit der dich so gut wie nie sehe?”
Ei, Christkindche, sprach ich zerknirscht nach oben
als Frankfurter Ruprecht dät des Blatt ich gern loben,

aber leider ist mir – der Herr sei gesegnet -
die Stadt mit vorne ‘nem “O” überhaupt nie begegnet.
Die kenn’ ich halt nicht, ihr könnt ruhig lache,
weil ich höchstens mal niwwer nach Sachsenhause mache!”

Christkindlein sprach: “Du tückischer Knecht,
so ‘n Lokalpatriotismus ist mir nicht recht.
Kennstde denn wenigstens die AGENTUREN,
mit den fleißigen, anonymen Naturen,

ohne die jede Zeitung im Nu wäre pleite
und erschiene, 0 Himmel, mit manch leerer Seite;
ohne Reuters, dpa, epd keine News,
auch an Keystone, AP und KNA: Schönen Gruß!”

“Danke, liebes Christkind, und gib auch den Segen
allen Fachblättern, die in Frankfurt sich regen,
und beschütze die fleißigen Korrespondenten
und nicht minder alle die Presse-Referenten,
die rings um den Römer ließen sich nieder -
nicht wenige sind ja auch Club-Mitglieder!

Noch etwas, Christkindchen, zu fragen gibt’s Gründe:
Ist BILD-Zeitung-Lesen eigentlich Sünde?
Nackedeis täglich, mit Polit-Tratsch aufbereitet;
die Angela leider immer sittsam bekleidet!

“Aber nein, Ruprecht, solch ein böses Gerücht
verbreitet immer einer aus Eifersücht,
weil BILD schon beim Marco im Flugzeug sitzt,
wenn die Konkurrenz noch blind durch die Gegend flitzt.
BILD-Frankfurt deshalb außer Rand und Band,
weil einer vergeblich in Egelsbach stand.”
“Manchmal aber ist jemand noch schneller als schnell:
In Nürnberg die Männer von RTL!

“Ist ja gut, dies zu wissen, aber es wäre noch netter,
ihr studiertet auch stets die Kirchenblätter!
Ob “GLAUBE UND LEBEN” , ob “DER SONNTAG” und so,
die lesen wir Himmlischen frohlockend und froh!
Seit BILD alle Deutschen zum Papst gemacht hat,
ist BILD ja längst auch ein Kirchenblatt!”

“Kennt ihr,” sprach ich dann, “da droben auch BLOGGER?
Die ewig vor ihrem Bildschirm-Hocker?
Zum “Blogger des Jahres” ward vor drei Tagen
ein Kollege erkoren – Ihr könnt ihn gern fragen – ,
weil mit Scharfsinn und Super-Qualität
sogar Skandale er aufdeckt, eh’ es zu spät”

Auch unsre Kommunikations-Profis, die braven
PR-Berater, erwähn’ ich, auch die Fotografen
futtern heut ihre GANS mit frohem Gesicht,
denn “Enten” lieben Redakteure ja nicht.

“Jetzt mußt du, Knecht Ruprecht”, sprach es von oben,
“auch noch die tapferen CLUB-FÖRDERER loben.
Dann kannste versuchen, Kontakte zu knüpfen
und mit Blick in den SPIEGEL ein Geheimnis zu lüpfen.”

Ach ja, verstehe; steh’n Chefsessel zur Wahl!
Jemand mit ‘nem unterschriebenen Vertrag hier im Saal?
Und: Haben Dumont und FR sich zusammengerauft
und inzwischen die Süddeutsche Zeitung gekauft?

Gleich zweimal himmlische Weihnachts-Stille.
Na schön, liebes Christkind, es ist dein Wille.

Doch vergeßt nicht JOURNAL FRANKFURT, den PFLASTERSTRAND -
ach nein, der verlief ja schon lange im Sand.
Doch FRANKFURT-LIVE.COM nicht! ‘n Geheimtip von mir,
und lies den ZEILSHEIMER ANZEIGER, rate ich dir!

“Den haben wir, Ruprecht, schon lang abonniert,
denn ohne den wären wir ja angeschmiert,
wüßten praktisch nichts von der guten Erde
und unserer frommen Menschenherde.”

Und das Christkind sprach weiter: “So tue denn recht!
Jetzt geh’ mit Gott, mein treuer Knecht,
doch eile zuvor noch beim RUNDFUNK vorbei,
und bringe denen mal Mores bei.

Hohe Quoten sind für die Freien ja Pflicht!
Für die Öffentlich-Rechtlichen aber doch nicht!”

Wir haben ‘s vernommen, o himmlisches Kind!
Ich mache mich jetzt aus dem Staube geschwind
und eile durchs glitzernde Häusermeer
und verrat euch ein Letztes: ES WEIHNACHTET SEHR!

 

Immer weiter fernsehen

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hiesse es ja Buchung.

Dieter Hildebrandt (geb. 1927), Kabarettist

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(Bildnachweis: Oliver Kurmis)

Doppelschlag: Kittelmann und Eissenhauer verlassen Frankfurt und Kassel

Dienstag, 18. Dezember 2007

Wenn es zuschlägt, dann meist heftig, und im aktuellen Fall gleich doppelt: Udo Kittelmann, Direktor des Museums für Moderne Kunst Frankfurt (MMK), und Michael Eissenhauer, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (vormals Staatliche Kunstsammlungen Kassel), werden ihrem Ruf nach Berlin folgen – Kittelmann als Direktor der Alten und Neuen Nationalgalerie (einschliesslich des “Hamburger Bahnhofs”), Eissenhauer als Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Der Stiftungsrat der Stiftung Preussischer Kulturbesitz hat heute die entsprechenden Vorschläge der Findungskommission einstimmig gebilligt. Derzeit werden die beiden Berliner Positionen von Peter-Klaus Schuster in Personalunion wahrgenommen, der im Oktober 2008 in den Ruhestand eintreten wird.

Der Beschluss der Findungskommission und seine Veröffentlichung am vergangenen Wochenende kamen für Freund wie Feind überraschend. Ein Musterbeispiel für geschickte Personalpolitik, deren Strippen wohl massgeblich Kulturstaatsminister Bernd Neumann, zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates, gezogen haben dürfte. Und manche vorwiegend in Frankfurt angestellten Spekulationen (und Befürchtungen!), für Berlin komme doch eigentlich der Direktor von Städel Museum, Liebighaus und Schirn, Max Hollein, in Frage, haben sich erledigt, wobei Hollein schon vor längerem ihm nachgesagte Ambitionen in Richtung Berlin dementiert hatte. “Berufsmässige” Personalspekulanten dürfte dies allerdings kaum ruhen lassen.

Ein harter Schlag für Frankfurt, für Kassel und für Hessen! Da tröstet es wenig, stolz darauf verweisen zu können, derartige Persönlichkeiten als prominente Museumschefs in Frankfurt und Kassel zu haben, aktueller gesagt: gehabt zu haben.

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Museum für Moderne Kunst Frankfurt
(Bildnachweis: MMK)

Kittelmann, seit 2002 Nachfolger des Gründungsdirektors Jean-Christophe Ammann, hat das Frankfurter MMK zu einem der weltweit renommierten Häuser dieser Sparte ausgebaut. Er, der dem Publikum in seinem Haus eine Reihe grossartiger, spektakulärer Ausstellungen bescherte, sprach sich jedoch zugleich immer wieder für die Grundwerte eines Museums aus, nämlich eine eigene Sammlung zu errichten und zu erweitern, um auf diese Weise das kulturelle Erbe für nachfolgende Generationen aufzubereiten und zu bewahren. Dies gelte, so Kittelmann, gerade und in erster Linie auch für die zeitgenössische Kunst. Skepsis hegte er gegenüber einem – oberflächlich betrachtet oft publikumsattraktiveren und deshalb kommerziell erfolgreicheren – reinen “Ausstellungsbetrieb”. Ob er damit die benachbarte, manches Mal als Konkurrenz empfundene Schirn Ausstellungshalle meinte? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Nun wird er aber als künftiger Chef der Berliner Nationalgalerie eine Institution leiten, die sich jenseits der eigenen Sammlungen gerade durch besonders massenattraktive Ausstellungen – man denke nur an die Präsentation des New Yorker MOMA oder des Metropolitan Museum of Art, New York – eine Position erobert hat, die die einen als bereits heute legendär ansehen, andere aber als event- und sensationsbestimmt kritisieren.

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Museum Schloss Wilhelmshöhe in Kassel
(Foto: Christoph Juengling wikimedis commons GFDL)

Michael Eissenhauer, seit 2001 Direktor in Kassel und seit 2003 zugleich Präsident des Deutschen Museumsbundes e.V., hatte es sich zum Ziel gesetzt, die dortige reiche, aber oft als zersplittert wahrgenommene Museumslandschaft zu einem neuen und schlüssigen Konzept zusammenzufügen. Er verlässt Kassel, ohne diese Herkulesaufgabe vollendet zu haben. Herzstück der Kasseler Museen sind die (wie man ungestraft sagen kann weltberühmten) Sammlungen der Landgrafen und Kurfürsten von Hessen-Kassel, also die Galerie alter Meister mit Werken unter anderem der altdeutschen Maler (Albrecht Altdorfer, Albrecht Dürer) und vornehmlich der italienischen, spanischen und niederländischen Malerei des Barock, allen voran Tizian, Rembrandt, Frans Hals, Peter Paul Rubens.

Beide künftig an prominenter Stelle wirkende Direktoren sind berufliche Seiteneinsteiger: Kittelmann, 1958 geboren, war zunächst Augenoptiker, bevor er als Leiter des Ludwigshafener und anschliessend des Kölner Kunstvereins auf sich aufmerksam machte. 2001 holte er als Kommissar des deutschen Pavillons auf der Biennale Venedig mit dem Künstler Gregor Schneider auf Anhieb den “Goldenen Löwen”. Eissenhauer, Jahrgang 1956, erlernte erst das Handwerk des Möbelschreiners und begann anschliessend seine akademische Laufbahn, die er 1985 mit der Promotion abschloss. Vor seiner Berufung nach Kassel wirkte er in verschiedenen Positionen in Berlin, Nürnberg und Coburg. Beide Direktoren stehen für eine Verjüngung an der Spitze der Berliner – und der deutschen – Kunstmuseumslandschaft. Frankfurt und Kassel werden sich nolens volens nach geeigneten Nachfolgern umsehen müssen – die Fussstapfen, die Kittelmann und Eissenhauer hinterlassen, sind gross.

KUNST / 11

Montag, 17. Dezember 2007

Bilde, Künstler! Rede nicht!

Nur ein Hauch sei dein Gedicht.

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Johann Wolfgang Goethe (1749 bis 1832)