Was könnten Dresden und Frankfurt gemeinsam haben?
Die noch nicht gebaute Waldschlösschenbrücke in Dresden (was für ein entzückender Name für lärmenden und stinkenden LKW-Verkehr!) – wir berichteten im vergangenen August auf dieser Seite – und Rhinolophus hipposideros – die kleine Hufeisennase: Die Lösung ist greifbar nahe!
Politiker sind genial, wie wir alle wissen – die jahrelangen Possenspiele um die Waldschlösschenbrücke sind ein eindrucksvoller Beleg dafür. Aber Juristen sind doch noch genialer, Beweis dafür ist der neueste Richterspruch aus Bautzen: Das dortige Sächsische Oberverwaltungsgericht hat nun den von der Vorinstanz angeordneten Baustopp für die Brücke aufgehoben. Zwar ist, wenn die Brücke steht, die Landschaft im Elbtal perdu, aber Rhinolophus hipposideros wird gerettet. Die Lösung: Nicht das Brückenbauwerk bringt unser winzig kleines Fledermäuslein um, sondern der Autoverkehr. Na denn, die Rechnung ist jetzt ganz einfach (der alte Juristensatz “judex non calculat” stimmt eben doch nicht): Die kleine Hufeisennase, geschickte nächtliche Fliegerin, die sie ist, kann den bösen Autos ausweichen, wenn diese nicht schneller als 60 km/h fahren. Also wird des Nachts der Verkehr auf der Brücke auf 30 km/h beschränkt. Es werden zwei stationäre Radaranlagen angebracht. Warum 30? Weil dann, wer mit 60 und mehr km/h unterwegs ist, einen Monat Fahrverbot kassiert. Und wer will das schon. Perfekt, diese Rechnung. Musste man eben nur erst einmal darauf kommen. Dass einen Meter nach den alsbald im ganzen Sachsenland bekannten Radaranlagen die bösen Autos sofort wieder auf 80 bis 100 km/h beschleunigen, scheint den Richtern entgangen zu sein, oder sie glauben eben so unverbrüchlich wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, und auch ich selbst an das Gute im Auto fahrenden Menschen. Glauben wir doch, aber ja!
Nun soll der Rhein-Main-Flughafen, wie bekannt, eine neue Landebahn Nord bekommen. Der Wald abgeholzt, die dortige Hirschkäferpopulation hinweggerafft, das Städtchen Kelsterbach nahezu unbewohnbar – das ginge ja noch. Aber die Vogelflugrouten! Da kommen die herbstlichen Vogelgeschwader, sagen wir, vielleicht schon mal einhundert Kraniche im Formationsflug. Die bringen nicht nur sich selbst ums Leben, sondern das böse Flugzeug in Gefahr. Wenn man nun wiederum anfängt zu rechnen, wäre das nicht die Lösung? Ornithologen herbei, bei welcher Flugzeuggeschwindigkeit können die Kraniche noch ausweichen? Also diese, die Geschwindigkeit natürlich, halbieren, Bodenradar installieren, den Flugkapitänen einen Monat Flugverbot androhen – die Lösung wäre auch hier perfekt. Natürlich wäre die Berechnung um einiges komplizierter als in Dresden respektive Bautzen, etwa so:

Im Diagramm sehen Sie die Flugrichtung der Kraniche, wobei Im die Zahl noch einsetzbarer Messgeräte des ehemaligen DDR-Stasi-Ministeriums, g das Durchschnittsgewicht eines Kranichs, f dessen mittlere Fluggeschwindigkeit, T die durch den Kranichflug ausgelösten Turbulenzen, z die zerebralen Aktivitäten der Flugkapitäne, D die Dysfunktionen der Flugpassagiere, gradg die Zahl der Akademiker an Bord einer Maschine und M die durchschnittliche Mortalitätsrate der überflogenen Kelsterbacher Bevölkerung bedeuten.




Das Ergebnis der – zugegeben langwierigen – Berechnungen zeigt die optimale Flugzeuggeschwindigkeit, um Zusammenstösse mit der Kranichformation zu vermeiden. Wer hätte das gedacht?
