home

FeuilletonFrankfurt



Erhard MetzHerzlich willkommen!
Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Äppelwoi und Europäische Kommission

Der Äppelwoi und die Europäische Kommission – eine Lachnummer, wenn es nicht gar zu traurig wäre.

Da gibt es eine Europäische Kommission mit, wie wir wissen, vielen fleissigen Köpfen und Händen, es sind tausende, genauer genommen nach EU-eigenen Angaben rund 24.000 Beamte und Angestellte – uns stockt der Atem im Anblick dieser Zahl. Ja, was machen denn nun eigentlich diese 24.000 Menschen, der Einwohnerzahl einer respektablen mittelgrossen Stadt gleich, so den lieben langen Tag? Nun, man wird darüber nachdenken – ich nehme an pausenlos -, was man etwa noch nicht geregelt haben könnte im grossen weiten Europa. Da ja nun aber schon fast alles geregelt ist, vom Krümmungsgrad der Banane bis zu ebensolchem des Klosettbrillenrandes, ist der Prozess des Nachdenkens anstrengend und zermürbend … aber, potz blitz!, es muss sich doch noch irgend etwas Ungeregeltes finden lassen.

Da kam eines lieben langen EU-Tages irgend einem dieser 24.000 fleissigen Köpfe der Gedankenblitz: Ja, der Frankfodder Äppelwoi, der ist’s, den haben wir noch nicht reglementiert, dem werden wir’s jetzt zeigen, wo der EU-Hammer hängt!

schnorbsi_070.jpg

(Foto: Eva Kröcher/wikimedia commons GFDL)

Was soll nach den blindwütigen Vorstellungen der EU-Kommisssion geschehen? Der Äppelwoi, hochdeutsch Apfelwein, soll künftig nicht mehr so heissen dürfen, damit die dummen EU-Bürger ihn nicht mehr mit “richtigem” Wein , also den aus den Weintrauben, verstehen Sie, verwechseln können. Nach den Gedankenblähungen der Kommission scheint dies, also diese Verwechselung, tagtäglich hunderttausendfach zu geschehen – ist Ihnen, geneigte Leserinnen und Leser, räumen Sie es hinter vorgehaltener Hand ruhig ein, doch auch oft schon passiert? -, so dass diesem Übelstand zum Wohle der EU-Bürger dringlichst abgeholfen werden muss. Per Richtlinie, Verordnung, Untersagung, verstehen Sie, wegen der vermeintlichen Tumbheit ebenjener Bürger.

Da hat die Kommission aber die Rechnung ohne den Äppelwoi-Wirt gemacht! Ja, ihr Kommissionistenbürokraten, erst erkunden und denken, dann reden oder gar Regulierungsentwürfe formulieren, das sei auch eure Devise. Es meldeten sich zu berechtigtem spontanen wie heftigen Protest: der hessische Ministerpräsident, der hessische Europaminister, die SPD-Landesvorsitzende und Oppositionsführerin in Hessen, der Bundeslandwirtschaftminister, die Frankfurter Oberbürgermeisterin, das Frankfurter Kulturkommitee, die Grünen, die Linke … und, nicht zu unterschätzen, der Volkszorn! Einhelliger Tenor (ich zitiere): vollkommen unnötig und inakzeptabel; ausserordentlich schädlich; Missachtung hessischer Traditionen; bürokratischer Unsinn; Blödsinn; irritierend für Verbraucherinnen und Verbraucher, die diese Begriffe seit Jahrhunderten kennen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Aber kein Schwachsinn scheint gross genug zu sein, als dass ihn nicht die EU-Bürokratie in eine Richtlinie zu giessen bereit wäre. Deshalb Vorsicht: Dem Ochsen ins Horn gepetzt, sagt ein deutsches Sprichwort. EU-Kommission und EU-Beamtenheerscharen, hab’ t acht, es gibt neue Aufgaben: auch althergebrachte deutsche Redensweisheiten gehören künftig wegreguliert!

PS: Deutschland ist der grösste Netto-Einzahler in die EU-Kasse. Das Land Hessen hat einen gewaltigen Anteil daran. Ist es nicht endlich an der Zeit, diese Tatsache den EU-Bürokraten kräftig auf die Ohren zu geben?

5 Kommentare zu “Äppelwoi und Europäische Kommission”

  1. Christian
    4. November 2007 23:14
    1

    Ei sowas! Da könnd isch grad verrüggd wern …

  2. Mütter lieben Äppler
    5. November 2007 17:30
    2

    Was ist denn das für ein Unsinn, also ob es sonst keine Probleme gäbe. Wir bezahlen mit unseren Steuern auch noch für sowas!

  3. claudia johann
    7. November 2007 18:46
    3

    Hoffendlisch losse se die Finger vum Saumage… sunschd muss unsern Aldkanzler mol ä Machdword schbresche… :-)

    Liebe Grüße
    Claudia Jo.

  4. Der Autor
    7. November 2007 22:21
    4

    Ei, des dun se sisch in Brüssel ned traue, ha hawwe se zuviel Angst vor dem Dicke.

  5. claudia johann
    9. November 2007 19:04
    5

    Do bin isch awwer beruhischd… und do druff drinke ma äner… her mit dem Bembelsche! :-)

Schreib´ einen Kommentar