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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for September, 2007

Weisheiten / 23

Dienstag, 11. September 2007

Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.

Mahatma Gandhi (eigentlich Mohandas Karamchand Gandhi, 1869 bis 1948), Rechtsanwalt, Pazifist, Menschenrechtler

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(Foto: marctwo /pixelio.de)

Weisheiten / 22

Sonntag, 9. September 2007

Nehmen Se de Menschen, wie se sind. Andere jibt et nich.

Konrad Adenauer (1876 bis 1967), erster deutscher Bundeskanzler (1949 bis 1963)

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(Foto: Christoph Aron /pixelio.de)

Tag der deutschen Sprache

Samstag, 8. September 2007

Heute, am 8. September 2007, begehen wir den “Tag der deutschen Sprache”. Ja, den gibt es tatsächlich.

Um die deutsche Sprache und den zu ihrer Ehre angesetzten Tag macht sich neben vielen anderen Einrichtungen der Verein Deutsche Sprache e.V. verdient.

Aber haben wir etwas zu feiern? Nicht wirklich: Ist dieser 8. September doch zugleich wie jeder andere der Tag der überhandnehmenden sinnlosen Anglizismen, der Tag des Kauderwelschs, das allenthalben auf den Strassen, in Geschäften, Taxis, Bahnhöfen, Gaststätten – die Aufzählung liesse sich beliebig fortsetzen – zu lesen, zu hören, zu ertragen ist.

Ja, die Franzosen sind zu beneiden: Frankreich unternimmt enorme Anstrengungen, um die französische Sprache zu pflegen. Sie ist weit und breit im Land als eines der wesentlichen Kulturgüter anerkannt.

In Deutschland gibt es Grund zu Besorgnis und Pessimismus: In nur noch wenig mehr als ein oder zwei Jahrzehnten wird es die deutsche Sprache in anspruchsvoller Anwendung wohl nur noch als Literatursprache geben.

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(Foto: Norbert Höller /pixelio.de)

Ein neuer musikalischer Leckerbissen auf RAMÉE

Montag, 3. September 2007

Ein neuer musikalischer Leckerbissen wartet auf Sie: Léon Berben spielt auf der historischen Orgel (ca. 1521) in Oosthuizen (Niederlande) unter dem Titel “Clarifica me” Werke von William Byrd. Fast überflüssig zu sagen, dass diese Einspielung bei RAMÉE erschienen ist.

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WILLIAM BYRD (um 1543 bis 1623) gehörte zu einer Generation von Musikern, die viel Neues hervorbrachten. Zu seinen Zeitgenossen zählten u. a. Claudio Monteverdi, Jan Pieterszoon Sweelinck, Girolamo Frescobaldi und Fransisco Correa de Arauxo.

In Byrds Werk sticht insbesondere die Vielfalt an Gattungen und Strukturprinzipien hervor. Zwar nahm Byrd regen Anteil an den Entwicklungen auf dem Festland und schöpfte in Ansätzen aus dem stilistischen Reservoir ausländischer Kollegen. Seine Gattungen sind aber von einer hohen Individualität geprägt und zeigen wenig Ähnlichkeit mit den kontinentalen Genres. Vielmehr bezieht sich sein Schaffen auf heimische Traditionen, die er grundlegend erneuerte, was besonders in seiner Instrumentalmusik deutlich wird. Byrds Fantasien etwa zeigen das Genre von einer neuen, unvergleichlich abwechslungsreichen Seite. Imitatorische Abschnitte wechseln hier mit toccaten- und canzonenhaften Momenten oder sogar tänzerischen Segmenten. Gelegentlich verwendet er in einzelnen Phrasen zugleich mehrere Tonarten, was man nach dem Urteil seines Kollegen Thomas Morley in Fantasien niemals tun dürfe.

Léon Berben

LÉON BERBEN wurde 1970 in Heerlen (Niederlande) geboren und wohnt seit mehreren Jahren in Köln. Er studierte in Den Haag (Koninklijk Conservatorium) und Amsterdam (Sweelinck Conservatorium) bei Rienk Jiskoot, Bob van Asperen, Ton Koopman und Gustav Leonhardt Cembalo und Orgel und schloss sein Studium mit dem Solisten-Diplom ab. Seit März 2000 war er Cembalist von Musica Antiqua Köln (Reinhard Goebel). In dieser Eigenschaft gastierte er in Europa, Asien, Nord- und Südamerika und spielte CDs für Deutsche Grammophon / Archiv Produktion ein. Ende November 2006 löste sich Musica Antiqua Köln auf.

Léon Berben hat sich seitdem in seiner Arbeit neben der Kammermusik insbesondere dem Solo-Repertoire gewidmet. Er gibt Solokonzerte auf Cembalo und Orgel. Seine Solo-CD-Aufnahmen auf historischen Orgeln und Cembali – hauptsächlich für die Label Ramée und Aeolus – wurden in der Presse hoch gelobt und mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik und dem “Choc” von Le Monde de la Musique. Neben seiner Tätigkeit als ausübender Musiker beschäftigt er sich auch mit Musikgeschichte und -theorie. Er veröffentlicht u. a. Artikel zur historischen Aufführungspraxis und zeichnet als Co-Autor für Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Sein Repertoire umfasst Klavierwerke zwischen 1550 und 1750, wobei sein Hauptinteresse der deutschen Musik, den Virginalisten und Sweelinck gilt.

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(Bildnachweis: RAMÉE)

Kinderarmut und Pflegemängel – ja, eine Schande!

Sonntag, 2. September 2007

Eine Schande für unser Land – kommentierte die Bild-Zeitung vor wenigen Tagen. Worum geht es?

Zunächst:

Nach aktuellen, unbestrittenen Berechnungen des Deutschen Kinderschutzbundes leben nahezu zwei Millionen Kinder in Deutschland in Armut.

Und:

Der jüngste Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen weist unzureichende Ernährung, Versorgung und Betreuung in vielen Pflegeheimen und bei mobilen Pflegeleistungen nach; allein der Pflegezustand jedes zehnten Heimbewohners sei “unangemessen”.

“Was ist nur aus unserem Land geworden? Vor wenigen Tagen schockte die Meldung über steigende Kinderarmut die Menschen. Jetzt enthüllt der neueste Pflegebericht, wie schäbig unsere Alten behandelt werden … Was für eine Schande für eines der immer noch reichsten Länder der Welt. Eine Gesellschaft ist nur so gut, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht – und das sind die Kinder und die Alten. Allein am Geld kann es nicht liegen. Vielmehr sind in den letzten Jahrzehnten an die Stelle von Gemeinsinn und Verantwortung immer häufiger Egoismus und Gefühlskälte getreten. Das darf nicht so bleiben. Gefragt sind wir alle – die Schulen, die Kirchen, und vor allem die Politik” – beklagt Georg Gafron in der Bild-Zeitung. Zu recht! Einen solchen Kommentar hätte man aber gerne auch in anderen Blättern gelesen – beispielsweise dem mit den klugen Köpfen dahinter (und davor?).

Was aber sind die Ursachen? Auch das Versagen der Politik! Der Kapitalismus siegte einst – und das war auch gut so – über den bankerotten, zusammengebrochenen realen Sozialismus. Dann aber kam die Ernüchterung: Turbokapitalismus, uneingeschränkter Neoliberalismus verbunden mit “Sozialdarwinismus” machten sich alsbald in der Gesellschaft ungehindert breit – die damit endgültig zur Ellenbogengesellschaft mutierte. Moral und Politik hätten energischer aufmerken und gegensteuern müssen. Sie taten es nicht, sondern liessen den freien Kräften des “Marktes” ihren Lauf. In Armut lebende Kinder haben eben keine schlagkräftige Lobby. Und privatwirtschaftlich geführte Pflegeheime und -dienste arbeiten nun einmal primär zur Gewinnerzielung. Der “Markt” nutzt Kindern und Alten wenig. Die beklagten Missstände sind Ergebnisse nicht zuletzt dieser gesellschaftlichen Entwicklung.