home

FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für September, 2007

Albrecht Dürer – der „moderne“ Künstler der Renaissance

Sonntag, 30. September 2007

Ausstellung des druckgraphischen Werkes im Städel Museum Frankfurt am Main

Wer kennt ihn nicht, Albrecht Dürer … die Betenden Hände und den Feldhasen in den Andenkenbuden und Postkartenlädchen … sein berühmtes Selbstbildnis von 1498 im Prado, die vier Apostel in der Alten Pinakothek München, die Bildnisse der Elsbeth Tucher und des Jakob Fugger …

albrecht_durer_-_monogramm.png

Jetzt können wir den anderen Albrecht Dürer kennenlernen: Nach über 35 Jahren haben die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger sowie die Besucher des Städel Museums von fern und nah die Möglichkeit, die bedeutendsten, rund 130 Blätter seines druckgraphisches Werkes zu sehen. Aus konservatorischen Gründen kann dieses Opus lediglich in gewissen zeitlichen Abständen präsentiert werden; zuletzt wurde es im Sommer dieses Jahres im Guggenheim Museum Bilbao zu dessen 10jährigem Bestehen gezeigt. Mit über 330.000 Besuchern erzielte diese vom Städel Museum konzipierte Ausstellung einen überzeugenden Erfolg. Weiterlesen

„Kyma“ – Dialog zwischen Norden und Süden

Montag, 24. September 2007

Michael Franke in der Frankfurter Westend Galerie

Nach der Werkschau mit dem figurativ arbeitenden Maler Hermann Albert überrascht die Frankfurter Westend Galerie, sonst bekannt als ein Eldorado der zeitgenössischen abstrakten italienischen Malerei, erneut mit einem nicht der Abstraktion verpflichteten „Deutschitaliener“: mit Michael Franke und seiner Ausstellung „Kyma“.

Kyma – „Welle“, ein Begriff, den wir zunächst mit der hellenisch-griechischen Architektur in Verbindung bringen: Welle, konvex oder konkav, als Profil- und Gestaltungselement insbesondere an Tempelbauten (bekannt sind vor allem das dorische, ionische und lesbische Kyma), später oft als mit Akanthus, Medaillons oder Palmetten verzierter Viertelstab.

Michael Franke hingegen versteht sein „Kyma“ als Welle des grossen Wassers, der Ur-Meere. Wasser, Meere – als Urgrund des Lebens, ein Urgrund, der in der griechischen Mythologie lebt, sie geradezu prägt. Wasser, das vom Anfang aller Zeiten her die hellenischen Gestade umfängt, den antiken Menschen Grenzen zieht, ihnen aber zugleich Lebensraum und Nahrungsspender ist.

franke4.JPG
tò Kyma XIV

Weiterlesen

DOCUMENTA 12 in Kassel – ein Riesenerfolg

Sonntag, 23. September 2007

Die am heutigen 23. September zu Ende gegangene DOCUMENTA 12 in Kassel war mit ihren rund 754.000 Besucherinnen und Besuchern – rund 100.000 mehr als bei der DOCUMENTA 11 vor fünf Jahren – ein Riesenerfolg!

logo_d12.gif

Die DOCUMENTA KASSEL stellt heute die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst dar. Begonnen hatte alles im Jahr 1955: Arnold Bode, renommierter Künstler und Akademieprofessor in Kassel, begründete sie in diesem Jahr. Die Ausstellung sollte nach der Zeit des Nationalsozialismus und der Diffamierung der damaligen Moderne als „entartet“ ein breites deutsches Pubkikum wieder an das internationale Kunstgeschehen heranführen. Gezeigt wurden 1955 Werke des Fauvismus und Expressionismus, des Kubismus und der Künstlergilde „Blauer Reiter“, des Futurismus und der Pittura Metafisica. Niemand ahnte jedoch damals, dass der DOCUMENTA ein weltweiter Erfolg beschieden sein sollte.

800px-fridericianum-d12.JPG

Museum Fridericianum, ein Präsentationsort der DOCUMENTA (Foto: Carroy wikimedia commons GFDL)

Die DOCUMENTA 13 in Kassel wird im Jahr 2012 stattfinden: Sie werden sich also, liebe Leserinnen und Leser, noch 60 Monate oder 260 Wochen oder 1825 Tage bis zur nächsten Ausstellung der dann zeitgenössischen Kunst gedulden müssen!

roland-sippel.JPG

Künstler der DOCUMENTA 12 (Bildnachweis: Roland Sippel)

Eine Nachlese der DOCUMENTA 12 sowie einen Überblick über die Ausstellungen 1 bis 11 finden Sie unter DOCUMENTA KASSEL

Hallo Freunde der Naturtrompete: „Le Nozze di Figaro“ in der Oper Frankfurt am Main!

Freitag, 21. September 2007

Über die Naturtrompete haben wir auf dieser Seite bereits mehrfach berichtet. Hier eine weitere gute Nachricht:

In der aktuellen Frankfurter Inszenierung der Oper „Le Nozze di Figaro“ sind die Trompetenstimmen mit zwei barocken Natur- Langtrompeten besetzt. Auch das übliche langweilige Cembalo für die Rezitativ-Begleitung musste dem Hammerklavier weichen. Bravo! Eine wunderbare, vollkommen transparente und „durchhörbare“ Leistung aus dem Orchestergraben!

mozart_drawing_doris_stock_1789.jpg

(Doris Stock , W. A. Mozart während seines Aufenthalts in Dresden, Silberstiftzeichnung, 1789; Nachweis: wikimedia commons)

Es lohnt sich immer wieder eine Reise zur Oper nach Frankfurt am Main – Trägerin der Auszeichnung „Opernhaus des Jahres“!

Entartete Kultur – weiss der Kardinal in Köln, worüber er redet?

Dienstag, 18. September 2007

Der Kardinal in Köln: „Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.“

Ja, weiss der Kardinal eigentlich, was „entartet“ im kulturellen Leben Deutschlands bedeutet?

Die Ausstellung „Entartete Kunst“ wurde am 19. Juli 1937 in München in den Hofgarten-Arkaden eröffnet; zur Ausstellung verteilten die Nationalsozialisten Flugblätter (Buchdruck auf dünnem rotem Papier, 134 x 200 mm) mit dem Text:

Gequälte Leinwand —

Seelische Verwesung —

Krankhafte Phantasten —

Geisteskranke Nichtskönner
von Judencliquen preisgekrönt, von Literaten gepriesen, waren
Produkte und Produzenten einer „Kunst“, für die Staatliche
und Städtische Institute gewissenlos Millionenbeträge deutschen
Volksvermögens verschleuderten, während deutsche Künstler zur
gleichen Zeit verhungerten. So, wie jener „Staat“ war seine
„Kunst“.
Seht Euch das an! Urteilt selbst!
Besuchet die Ausstellung
„Entartete Kunst“
Hofgarten-Arkaden, Galeriestraße 4
Eintritt frei Für Jugendliche verboten

„Entartete Kunst“:

453px-franz_marc_003.jpg

Franz Marc ( 1880 bis 1916, Mitgründer des deutschen Expressionismus und der Künstlergruppe Blauer Reiter, von den Nationalsozialisten als „entarteter Künstler“ diffamiert), Blaues Pferd I, 1911; (Foto: Rufus46 wikimedia commons CC)