Neues deutsches Falschschreib
Mittwoch, 1. August 2007Heuer, der 1. August 2007, ist abermals ein trauriger Tag für die deutsche Kulturlandschaft: Das neue deutsche Falschschreib – die Kultusministerkonferenz und der Falschschreibrat, pardon, Rechtschreibrat, euphemisieren das Machwerk zur revidierten Rechtschreibreform – tritt endgültig / vorläufig endgültig / immerwährend endgültig, ganz wie Sie wünschen, in Kraft.
Wissen Sie, was das bedeutet? Ist Ihnen klar, was Sie ab heute immer noch oder nicht mehr oder wieder erneut verbindlich schreiben sollen / müssen und wo Sie zwischen verschiedenen Schreibweisen (dito: immer noch oder nicht mehr oder wieder erneut) wählen können? Nein? Trösten Sie sich: mir auch nicht. Den wievielten Duden werden Sie jetzt kaufen müssen? Und haben Sie Schulkinder, die demnächst weinend mit lauter rot-tintig angestrichenen Fehlern in ihren Heften zu Ihnen nach Hause kommen?
Nun ist es nicht neu, dass Sprache sich wandelt. Lesen Sie einmal Texte von Goethe oder Schiller in den originalen Handschriften. Aber Sprache soll sich vom Literarischen her entwickeln und bitte nicht durch Bürokraten bestimmt werden! Wobei zu letzteren auch die Sprachfunktionäre aus Wissenschaft und Kultur zählen, die sich wohl gerne ein Reformdenkmal setzen möchten.
Aber seien Sie beruhigt: Gemäss einem weisen Urteil des Bundesverfassungsgerichts gilt das verordnete neue / neueste Regelwerk nur für Schulen und Behörden und den offiziellen Sprachgebrauch. Schreiben Sie also Ihrer Tante oder Nichte ruhig nach den Ihnen vertrauten und plausiblen Regeln, so wie ich dies auf dieser Seite im wesentlichen auch tun werde.
Und eines ist gewiss: In fünfzig Jahren werden Ihre Enkelinnen und Enkel wieder anders schreiben!
(Foto: Claudia Hautumm /pixelio.de)

