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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Juni, 2007

Weisheiten / 12

Freitag, 8. Juni 2007

Die Weisheit eines Menschen misst man nicht nach seiner Erfahrung, sondern nach seiner Fähigkeit, Erfahrungen zu machen.

George Bernard Shaw (1856 bis 1950), Dramatiker, Satiriker, Träger des Nobelpreises für Literatur

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(Foto: Henrik Gerold Vogel /pixelio.de)

Immer mehr Fernsehen

Dienstag, 5. Juni 2007

Fernsehen ist fabelhaft. Man bekommt nicht nur Kopfschmerzen davon, sondern erfährt auch gleich in der Werbung, welche Tabletten dagegen helfen.

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Bette Davis (1908 bis 1989), Schauspielerin

Frankfurt im Griff von Maurizio Cattelan!

Freitag, 1. Juni 2007

Auch wer nur mit einem offenen Auge durch Frankfurt am Main laufen sollte, hat es längst bemerkt: Maurizio Cattelan ist nicht nur in der Stadt angekommen, sondern hat Frankfurt fest im Griff. Wie es das Plakat beweist:

Lassen Sie sich nicht allzu sehr von der Deutschlandfahne beirren (prägte sie nicht das öffentliche Leben letztes Jahr während der Fussball-Weltmeisterschaft?) Und was heisst Frankfurt? Im Mittelpunkt steht natürlich das Museum für Moderne Kunst MMK. Wer es bisher noch nicht wahrhaben wollte, sieht sich spätestens jetzt des Rechten belehrt: Das MMK unter der Leitung von Direktor Udo Kittelmann hat seinen festen Platz in der weltweiten Spitzenliste derartiger Museen, direkt neben dem MOMA und den Guggenheims dieser Welt!

Wer ist Maurizio Cattelan? Der Künstler, der weltweites Aufsehen erregte beispielsweise mit seiner Installation La Nona Ora (1999), einer Figur von Papst Johannes Paul II., von einem Meteoriten getroffen am Boden liegend. 1960 in Padua geboren, lebt und arbeitet Cattelan heute in New York. Er gestaltet unter anderem lebensgrosse und lebensecht wirkende Figuren, die er in verfremdeten und oft provokanten Situationen inszeniert. Cattelan zählt zweifellos zu den inspiriertesten, kreativsten und bedeutendsten Künstlern unserer Zeit.

Udo Kittelmann gelang es, Cattelan nach Jahren einer gewissen künstlerischen Abstinenz mit einer Reihe von neuen, durchaus spektakulären Arbeiten für das Frankfurter MMK zu gewinnen. Unverkennbar auch hier wiederum Cattelans spezifische “Handschrift”: Ausbrüche, Durchbrüche, seien es das lebensgrosse, mit dem Kopf in die Wand gerammte Pferd, der mit einer Geburtstagstorte für das MMK bestückte, durch die Aussenmauer des Museums gestossene (oder sorgsam geschobene?), halb über der Braubachstrasse schwebende Tisch oder die drei zum Faschistengruss aus der Wand herausgestreckten Arme offensichtlich korrekt oder feierlich gekleideter Herren.

Cattelan im documenta-Jahr 2007 in Deutschland, in Hessen, in Frankfurt – ein Zufall, ein besonders geglücktes Zusammentreffen, ein geschicktes Arrangement? Direktor Udo Kittelmann wird es uns offenbaren – demnächst in seinem wundervollen Haus!

Heiligendamm 2007

Freitag, 1. Juni 2007

Heute möchte ich Ihnen mit dessen freundlicher Genehmigung einen brillianten Kommentar von Klaus Schrotthofer, Chefredaktion der Westfälischen Rundschau, präsentieren. Dem Text, der auch eine weite Verbreitung in den Pressestimmen-Sendungen der Rundfunkanstalten fand, ist nichts mehr hinzuzufügen:

“Heiligendamm ist seit gestern also “abgeriegelt”. Zwölf Kilometer Stacheldraht ziehen sich entlang der Ostseeküste, Tausende Polizisten sichern die G8-Konferenz. Zuvor haben “Sicherheitsexperten” die bürgerlichen Freiheitsrechte hier und dort so effektiv eingezäunt, dass wir uns dafür sogar den Spott des russischen Präsidenten Putin gefallen lassen müssen. Schon der Begriff ist eine Frechheit: Ein Gipfeltreffen soll in Heiligendamm stattfinden. Auf richtigen Gipfeln treffen sich Menschen nach anstrengendem Aufstieg und genießen von oben einen besseren Überblick. Die Hauptpersonen in Heiligendamm werden sich nicht groß angestrengt haben, sie werden auf ihrem Gipfel auch keinen größeren Überblick als vorher haben. Sie werden, bestenfalls, eine gute Figur gemacht und reichlich Floskeln abgesondert haben. Sie werden für ihr Treffen 120 Millionen Euro verbrannt, Zehntausende von Polizisten und Demonstranten bewegt und eine Menge Vertrauen in den freiheitlichen Rechtsstaat zerstört haben. Wofür? Für ein paar Fernsehbilder. Man sollte solchen gemeingefährlichen Unsinn verbieten.

Selbst die Fotopositionen sind lange festgelegt bei dieser Inszenierung eines vorgeblich wichtigen Gesprächs. Es ist auch nicht so, dass sich die Dame und die Herren beim Rotwein endlich mal die Wahrheit geigten. Was wer zu sagen hat, ist längst vorher abgemacht – ein Heer von Bürokraten, PR-Experten, Kommunique?-Artisten und anderen Wichtigtuern feilt seit Monaten an klangvollen Unverbindlichkeiten.

Und eben deshalb ist diese Gipfel-Show eine Farce. Sie ist das Gegenteil von gestaltender Politik. Sie beleidigt die Intelligenz des Publikums, und sie verhöhnt mit ihrem autoritären Getue beste demokratische Traditionen. Wenn die Acht wirklich Wichtiges zu bereden wünschten, würden sie sich zurückziehen. Ganz allein, ganz ohne Tross und ohne Fernsehen. Aber wer weiß: Vielleicht fürchtet mancher die Sprachlosigkeit noch mehr als Demonstranten.”

Klaus Schrotthofer, Westfälische Rundschau, vom 31. Mai 2007

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(Demonstration in Rostock vor dem G 8 – Gipfel; Foto: Andreas Hilbeck)