home

FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Malerei von Hermann Albert

Ein “Deutsch-Italiener” in der Frankfurter Westend Galerie

Gleichsam als Hommage zu seinem siebzigsten Geburtstag würdigt die Frankfurter Westend Galerie das Oeuvre von Hermann Albert. Mit ihrer neuen Ausstellung “In heimatlicher Fremde” überrascht sie jedoch zugleich ihre Freunde und ihr Publikum: Gilt die Galerie – von wenigen Ausnahmen abgesehen – als ein Hort der klassischen wie zeitgenössischen abstrakten italienischen Malerei, so konfrontiert sie jetzt die Szene mit dem ausschliesslich figurativen Werk Hermann Alberts.

Hermann Albert, 1937 im mittelfränkischen Ansbach geboren, begann nach dem Studium, primär an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig, sein malerisches Schaffen zunächst mit abstrakten Werken. Nach mancherlei Experimenten und den mit ihnen gewonnenen Erfahrungen drängte sich ihm mehr und mehr die Frage nach der Zukunft der abstrakten Malerei auf. Er beantwortete sie, indem er sich ganz dem Figurativen, Narrativen zuwandte und darin mehr und mehr eine grosse Profession und Meisterschaft entwickelte.

albert3_722.jpg

Eine Wende in Alberts Leben trat ein, als er 1971 den Preis der Villa Romana erhielt: Nach seinem einjährigen Stipendium in Florenz wurde Italien, wurden sein Haus und sein Atelier in der Nähe von Cortona zu seinem geliebten Arbeits- und Lebensort. Weder die vielen Ausstellungen und Auszeichnungen, die er in Deutschland erhielt, noch die Professur für Malerei an der besagten Hochschule in Braunschweig, die er zwischen 1985 und 2002 inne hatte, vermochten daran etwas zu ändern.

Hermann Alberts Schaffen lässt sich nicht in den Mainstream der zeitgenössischen Kunst einordnen. Seine Malerei ist leichter vor dem Hintergrund italienischer Traditionen verständlich, als dass sie sich in der deutschen Gegenwart und den hier wirkenden Tendenzen ansiedeln liesse. In diesen Traditionen stehen zunächst Giotto, Masaccio, Piero della Francesca. Später das Oeuvre von Carlo Carrá und Giorgio de Chirico. Der gleichsam nachfuturistische Mario Sironi und der Deutschitaliener Massimo Campigli inspirierten ihn auf ihre Weise, jener mit seinem Hang zu dekorativer Monumentalität, dieser mit seiner Vorliebe für alles Etruskische und Archaische. Ungeachtet aller stimulierenden Einflüsse steht Alberts Werk als Eigenes da, das uns mit der Kraft wie auch zugleich der Behutsamkeit, Gefasstheit und Stille seiner Formen, dem weiten Spektrum seiner Farben anspricht und in Bann zieht.

albert.jpg

Albert malt zunächst in grossem Format. Viele seiner Bilder erstrecken sich in Höhe oder Breite über zwei Meter hinaus. Er beherrscht aber ebenso das Kleine, Intimere. Seine Sujets sind ganz überwiegend Frauen: Akte, Halbakte und Köpfe. Darüber hinaus Landschaften, Tiere, vor allem Pferde, Ziegen. Oft sind die Darstellungen in der Fläche zueinander in Beziehung gesetzt, mal perspektivisch angeordnet. Weiter Stilleben, Blumen, Früchte, Gläser, Krüge. Auffallend sind seine “Fensterbilder”: Fensterbänke mit Gegenständen und Halbakten. Sie gleichen oft Puppenbühnen, auf denen er seine Figuren auftreten lässt und hinter denen sich Ausblicke auf anderes weiten. Bei den Frauenbildnissen dominieren voluminös-üppige Gestalten. Albert wechselte bei ihnen von in den früheren Jahren eher erotisch-sinnlichen zu heute mehr statuarisch-archaischen, idealisierenden Darstellungen. Auch diese bewegen sich ungezwungen und selbstbewusst in südlichen Phantasielandschaften, individuelle Züge lassen sich jedoch nur selten ausmachen.

albert2_72jpg1.jpg

Albert arbeitet ausschliesslich mit Temperafarben. Er stellt sie nach eigens entwickelten Mixturen als ein eher breiiges Material her. Die Oberflächen muten mitunter freskenhaft an. Er liebt das schnelle Trocknen, das ein zügiges, konzentriertes Arbeiten erfordert, aber auch nachträgliche Übermalungen erlaubt. Die Farbpalette spiegelt die verschiedenen Erden und Vegetationen unter südlichem Himmel wider, je nach Jahreszeit, nach dem Licht des Tageslaufs, nach dem Wetter. Es verwundert nicht, dass Albert es liebt, zwischen seinem Haus und dem Atelier einen Fussweg durch die italienische Landschaft zurückzulegen.

albert_nm1.JPG

Albert ist nicht nur in Deutschland und Europa ein geschätzter und nachgefragter Künstler. Die Reihe seiner Ausstellungen ist lang: Sie reicht von der documenta 6 im Jahr 1977 in Kassel über zahlreiche Präsentationen in deutschen und in Galerien des europäischen Auslands bis hin zu Auftritten in Chicago, London, Los Angeles, Montreal, Moskau, New York und Sydney.

Die am 23. Juni eröffnete Ausstellung endete am 8. September 2007.

(Bildnachweis: Frankfurter Westend Galerie / Hermann Albert)

Ein Kommentar zu “Malerei von Hermann Albert”

  1. rene havekost
    25. Juni 2008 12:42
    1

    der gute hermann albert.glückwunsch zum 70-zigsten

    wäre ja auch beinahe ein jünger von ihm geworden, damals in den 70zigern, in braunschweig.
    aber das widerborstige einzel-gänger-herz war doch mächtiger.

    mit den besten glückwünschen
    rené havekost

Schreib´ einen Kommentar