Archive for Mai, 2007
Auf der schwierigen Suche nach einer hessischen Identität
Freitag, 4. Mai 2007Hessen, Hessenland . . . was ist das eigentlich?
Hessen ist das Bundesland, dessen 60jähriges Bestehen die hessischen Bürgerinnen und Bürger im Herbst 2005 feierten. Gegründet am 19. September 1945, hiess dieses Land zunächst Gross-Hessen. Seine unmittelbaren Rechtsvorgänger waren der Volksstaat Hessen sowie die preussischen Provinzen Kurhessen und Nassau.
Gehen wir auf das Jahr 1866 mit der Einverleibung weiter Teile des heutigen hessischen Territoriums durch Preussen zurück, so gab es – von Norden nach Süden betrachtet – das Fürstentum Waldeck und Pyrmont mit der Residenz in Bad Arolsen, das Kurfürstentum Hessen mit der Hauptstadt Kassel, das Herzogtum Nassau mit der Hauptstadt Wiesbaden, die Landgrafschaft Hessen mit der Residenz Bad Homburg, die Freie Stadt Frankfurt sowie das Grossherzogtum Hessen mit der Residenz in Darmstadt; als Kuriosum schliesslich noch den Kreis Wetzlar als Exklave der preussischen Rheinprovinz.
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Soweit die jüngere Geschichte – sie allein schon macht deutlich, aus wie vielen politisch, geschichtlich und kulturell meist sehr verschiedenen souveränen Staaten das heutige Hessen im Jahr 1945 – man kann nur sagen synthetisch – zusammengesetzt wurde. Hinzu kommen bis weit in die mittlere und ältere Geschichte reichende höchst unterschiedliche volksstämmige, landsmannschaftliche, kulturelle und sprachliche Verwurzelungen, die bis heute fortwirken, nicht zuletzt in den sehr vielgestaltigen hessischen Dialekten.
Hessische Identität? Es war und es ist auch heute noch schwierig, sie zu verwirklichen. Denn Identität erwächst aus dem Bewusstsein gemeinsamer Herkunft, Sprache, Gebräuche und Traditionen, aus der Sicherheit und Vertrautheit im Umgang mit allem, was Heimat im wohlverstandenen Sinne bedeutet.
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Mit ihrer aktuellen Imagekampagne “An Hessen führt kein Weg vorbei” will die Hessische Landesregierung sicherlich auch neuerlich dazu beitragen, eine solche Identität zu gewährleisten. Zunächst vorrangig zielt die Aktion jedoch unter wirtschaftspolitischen Aspekten auf “Touristen und Investoren, in- und ausländische Entscheidungsträger sowie deutsche und internationale Multiplikatoren” ab. Diese Zielgruppe soll Hessen als das sympathische, liebenswerte und moderne Bundesland in der Mitte Europas wahrnehmen.
Erste Motive dieser Kampagne weisen einige interessante und gelungene Verknüpfungen markanter hessischer Motive mit dynamischen Zielvorstellungen auf. Die Verbindung beispielsweise des Bad Homberger Residenzschlosses, namentlich seines Weissen Turmes, mit der Frankfurter Hochhausszenerie oder des bekannten Kunstwerks “Himmelsstürmer” von Jonathan Borofsky vor dem Kasseler Hauptbahnhof mit der Förderung steiler beruflicher Karrieren belegen dies.


(Fotos: Hessen Agentur)
In der Summe gesehen muten die bislang bekannt gewordenen Motive der Kampagne jedoch etwas abstrakt, kühl, auch “menschenleer” an. Es mangelt an Wärme, bürgerschaftlicher Nähe, persönlicher Ansprache des einzelnen – eben an Emotionalität. Das Management der Kampagne hat diese Defizite allem Anschein nach erkannt und will künftig einige entsprechende zusätzliche Akzente setzen.
Keinesfalls sollte das wirtschaftlich dominante Rhein-Main-Gebiet, der Ballungsraum Frankfurt oder sein internationaler Grossflughafen in einer Weise kommuniziert werden, dass sich das ganze Hessen bereits darin erschöpfe. Das Hessenland ist sehr viel mehr!
Das neben der Wirtschaftsförderung gleichgewichtige Ziel, unter den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes eine hessische Identität lebendig werden zu lassen und zu bewahren, darf keinesfalls auf der Strecke bleiben. Hierzu bedarf es vor allem weiterer Bemühungen, ein gemeinsames kulturelles Bewusstsein zu schaffen. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten, um drei prominente Beispiele zu nennen, die reichhaltige und zum Teil aufeinander bezogene hessische Museumslandschaft, der jährliche Hessentag oder der Hessische Rundfunk mit seinen spezifischen, auf die Bürgerinnen und Bürger ganz Hessens zielenden Programmen, vom Rhein bis zur Werra, vom Reinhards- bis zum Odenwald.
Weitere Informationen erhalten Sie bei der Hessen Agentur.
Fernsehen
Freitag, 4. Mai 2007Es gibt Fernsehprogramme, bei denen man seine eingeschlafenen Füsse beneidet.
Robert Lembke (1913 bis 1989), Journalist, Fernsehmoderator
(Foto: Stefan Kühn, wikimedis commons GFDL)
Mit Tradition und Renommee: der Frankfurter Cäcilien-Chor
Mittwoch, 2. Mai 20071818 – ein für die Frankfurter Musikgeschichte folgenreiches Jahr: Johann Nepomuk Schelble gründet an der dortigen Musikakademie einen Chor, den er 1821 Cäcilienverein nennt. Dieser Chor – was man den Frankfurtern wie den Musikinteressierten in aller Welt nicht mehr zu sagen braucht – zählt auch heute zu den herausragenden Frankfurter Klangkörpern.

Wer war Johann Nepomuk Schelble? 1789 in einem kleinen Ort in der Nähe von Donaueschingen geboren, wirkte er zunächst als Operntenor und Musikpädagoge in Stuttgart, bevor ihn nach einigen Engagements unter anderem in Berlin und Wien 1816 die Frankfurter Musikakademie als Dirigent berief. Nach besagter Gründung des Chors widmete er diesem alsbald seine ganze Arbeitskraft und schrieb für ihn eine Reihe von Kompositionen. Grosse Verdienste erwarb sich Schelble bei der Wiederentdeckung der Werke von Johann Sebastian Bach. Im Alter von nur 48 Jahren starb Schelble, der dem Cäcilienverein bis zu seinem Tod als Leiter verbunden blieb, in seinem Heimatort.
Auch der Cäcilienverein – heute Cäcilien-Chor – machte sich um Johann Sebastian Bach verdient. Mitte des 19. Jahrhunderts führte er im Rahmen der Bach-Renaissance die Matthäus-Passion sowie die h-moll – Messe und das Weihnachtsoratorium auf. Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte für den Chor das Oratorium Paulus. Und 1937 wirkte der Cäcilienverein an der Uraufführung der Carmina Burana von Carl Orff an der Frankfurter Oper mit.
Erinnern wir uns an die Namensgeberin des Chors: die Heilige Cäcilia, der Überlieferung nach im 3. Jahrhundert Märtyrerin in Rom, Patronin der Musik. Zahlreiche Komponisten widmeten ihr zu den Cäcilienfeiern am 22. November Messen und vergleichbare Kompositionen.
Auch in diesen Tagen stand der Cäcilien-Chor wieder vor einem grossen musikalischen Ereignis: der Frankfurter Erstaufführung der Kirchenoper Augustinus des Orff-Schülers Wilfried Hiller. Das Werk zeichnet in sieben Bildern den Lebensweg des Heiligen Augustinus (354 bis 430) nach. Diese Erstaufführung fand am Samstag, 5. Mai 2007, in der Heiliggeist-Kirche (Dominikanerkloster) zu Frankfurt am Main statt.
(Bildnachweis: Cäcilienchor)


