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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Mai, 2007

Neues in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung Frankfurt am Main

Mittwoch, 23. Mai 2007

Regina Schnersch und Helmut Göbel präsentieren ausgewählte Werke

Am 22. Mai 2007 eröffnete die Galerie der Heussenstamm-Stiftung ihre neue Ausstellung mit Skulpturen von Regina Schnersch sowie Bildern und Materialarbeiten von Helmut Göbel.

Regina Schnersch, 1966 in Schotten geboren, schloss im Jahre 2000 in der Meisterschule Aschaffenburg ihre Ausbildung zur Steinbildhauermeisterin ab. Seitdem setzt sie sich intensiv mit der Bildhauerei und dabei mit der Umsetzung eigener Ideen und Ausdrucksformen auseinander. Sie arbeitet mit den verschiedensten Materialien wie Alabaster, Basalt, Dolomit, Granit und Marmor sowie mit Kalk- und Sandstein. Bemerkenswert ist die überaus feine, sinnlich anmutende Bearbeitung der Oberflächen ihrer Materialien und die fesselnde Ästhetik ihrer Formensprache. Nach Ausstellungen in Bad Homburg, Frankfurt am Main, Offenbach und Wiesbaden präsentiert sie heuer im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung eine Auswahl ihrer Werke in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung.

Regina Schnersch: “Meine Arbeiten sind der Versuch, Gedanken und Gefühle in Form zu übersetzen. Ich begebe mich hierfür auf eine innere Suche und halte auftauchende Impulse in einfachen Skizzen fest. Hierauf folgt die Umsetzung in Stein … allem zugrunde liegt die Suche nach Klarheit und Essenz”.

Regina Schnersch, Öffnung

Der 1941 in Königstein / Taunus geborene Helmut Göbel ist Architekt und seit 1968 künstlerisch tätig. Auch er verwendet unterschiedliche Materialien, beispielsweise Hölzer, Pappen, Erden, Öl- und Acrylfarben. Seit 1976 stellt er im In- und Ausland aus. Viele seiner Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen.

Helmut Göbel beschäftigt sich seit längerem eingehend mit Arbeiten, die mit Geländeinformationen, Bodenstrukturen und Vermessungen zu tun haben. Erste entsprechende Werke kreisten um Freilegungen und Rekonstruktionen von gleichsam imaginären archäologischen Grabungen. Seine Kompositionen setzen sich in akribischer Feinstarbeit mit den Formen und Spuren vergangener, realer oder imaginierter Kulturen und Gesellschaften auseinander. Seit Anfang der achtziger Jahre befasst er sich vor allem mit Funden und Freilegungen im Moor, prähistorischen Anlagen und Kultstätten. In jüngerer Zeit entstanden Arbeiten über historische Kirchen und Klöster.

Helmut Göbel, UNBEKANNT

Die Arbeiten von Regina Schnersch und Helmut Göbel stehen in einem zunächst sperrig erscheinenden, bei näherem Hinsehen aber fruchtbaren Spannungsverhältnis: Beide, die junge, handwerklich souveräne, um Form und Ausdruck ringende Künstlerin, und der bereits auf ein langes künstlerisches Schaffen zurückblickende Analytiker, suchen dem Grundsätzlichen, dem hinter den äusseren Erscheinungsformen Liegenden Gestalt zu verleihen. Bei allem geht es um Fragen des Lebens, des Liebens, des Leidens, des Vergehens, der Existenz.

Die Ausstellung in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung dauerte bis zum 22. Juni 2007.

(Bildnachweis: Regina Schnersch / Helmut Göbel)

Weisheiten / 9

Dienstag, 22. Mai 2007

Arbeiten wir,
damit wir leben können,

oder leben wir,
damit wir arbeiten können?

Oder ist beides falsch?

100_1918
(Foto: Jasminka Becker /pixelio.de)

Cicero

Freitag, 18. Mai 2007

Cicero

Monika Müller-Löwenberg
(Text und Illustration)


In diesem Winter, wir schreiben das Jahr 1978, habe ich es mir endgültig überlegt.

Gut, der Winter war und ist immer noch heftig, aber ich hatte wirklich Zeit genug zum Nachdenken. Es war bis jetzt auch nicht viel los. Mehr oder weniger sitze ich nach dem Frühstück noch ein wenig auf der Stange, ab und zu schaukle ich auch auf der kleinen Minischaukel, die ich von IHR zum Nikolaus bekam. Ich tue IHR einen Gefallen, wenn ich damit schaukle. Sie schaut dann zu mir und lächelt. In der Regel mache ich nach dem Frühstück erst einmal die Augen zu, schlummere ein wenig und denke nach.

Ich bin zu dem Ergebnis gekommen: Jetzt mache ich den Schnabel auf.

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Zuerst einmal müsste ich laut schimpfen, ich habe es schon oft gemacht. Glaubt mir, man kann es bis zum nächsten Haus hören. Wirksamer noch ist mein Pfeifton. Es ist ein typischer Strassenpfiff. Manchmal höre ich Jungens auf der Strasse mit diesem Pfiff – er ist aber bei Weitem nicht so schrill und durchdringend wie der meine. Wenn ich diesen Ton halte, gleich mehrfach hintereinander pfeife, ist hier zu Hause der Teufel los.

Glaubt mir, ab und zu ist es einfach nötig, sich bemerkbar zu machen. Ich lebe nun schon einige Jahre mit den beiden zusammen. Man sollte doch glauben, dass selbst der dümmste Mensch sich an ein so intelligentes Tier wie mich gewöhnt.

Vor ein paar Monaten schien es so, als ob sie mich verstanden hätten.

Ich hatte Besuch von Bübche. Der Arme war wirklich gestraft mit seinem Namen, den hätte ich auch nicht ausgesprochen!

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Bübche ist ein grauer Papagei mit maximal zwei bis drei roten Federn. Das ist natürlich im Vergleich zu meinen leuchtenden Farben für das Auge allein ziemlich langweilig. Der Arme war auch noch dadurch geschädigt, dass er nur ein Auge hatte.

Ich muss zugeben, zuerst einmal hatte ich Wut im Bauch. Wie kamen die beiden dazu, noch einen Papagei in meiner Wohnung zu halten? Zu dieser Zeit wusste ich noch nicht, dass er nur zu Besuch war.

Das Frühstück war ein Fiasko. Es fing damit an – und das fand ich albern – dass SIE uns beiden gleichzeitig ein Stück Salami in den Käfig hielt. Schliesslich war ich der Hausherr und zuerst da. So liess ich meine Scheibe Salami aus Protest fallen, Salami ist sowieso nicht unbedingt meine Lieblingswurst. Ein Stück Fleischwurst, mit Haut zum daran herumlutschen, schmeckt wesentlich besser. Hinterher kann ich das Stückchen noch in den Wassernapf fallen lassen. Da schmeckt dann auch das Wasser gut.

Zurück zu Bübche. Er liess sich seine Salami schmecken. Nach dem Frühstück wurde ich zuerst in IHR Arbeitszimmer getragen, aber nicht wie sonst auf den Kopierer gestellt, sondern auf die Lucy.

Das ist so ein Apparat zum Verkleinern und Vergrössern von Zeichnungen oder Layouts. Ich habe nichts gegen die Lucy, aber der Apparat ist viel niedriger und steht ganz hinten in der Ecke, fast hinter der Tür.
Dann brachte SIE Bübche und stellte ihn auf meinen Platz – auf den Kopierer. Von dort kann man direkt auf die Strasse sehen und den Bus hören, der quietschend um die Ecke biegt.

Hätte ich gewusst, dass Bübche nicht so lange bei uns bleibt, hätte ich mich auch nicht darüber aufgeregt.
Jetzt fing der Zirkus erst recht an. Sobald SIE aus dem Zimmer ging, machte er Terror in seinem Käfig. Sein Pfiff, ähnlich der einer Lokomotive, war fast so durchdringend wie der meine. Die Tonart lag jedoch wesentlich höher. Dazu kam so ein “Pling” – wie wenn jemand mit dem Messer an ein Glas tickt. Schrill, für meine Ohren wie ein Fis oder Cis.
Er ging mir ganz schön auf die Nerven, auch weil er mir die Show stahl. Schliesslich hatten wir gerade erst unser Frühstück hinter uns, wonach ich normalerweise etwas schlummere oder nachdenke. Dieses “Pling” machte er alle paar Sekunden, immer dann, wenn er eine Runde im Käfig gedreht hatte. Er kletterte also am Fressnapf hoch bis zur Decke des Käfigs, an den höchsten Punkt, dort hing er dann mit dem Kopf nach unten – da kam das “Pling”. Dann kletterte er wieder auf die Stange, am Fressnapf hoch und so ging es weiter.
SIE sass an ihrem Schreibtisch und ich merkte, SIE wurde von Minute zu Minute nervöser.

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Das war der Zeitpunkt meines Einsatzes. Ich pfiff meinen Strassenpfiff “huiuitt” nicht wie sonst so um die fünfzehn Mal hintereinander, sondern unendlich oft.

Ich begann, mein gesamtes Repertoire einmal wieder so richtig auszuprobieren. Erst ein langes “raaaaa”, dann “huiuitt”, und dies immer im Wechsel. Ich war gut drauf. Im Anschluss begann ich mit meinem Namen, meinem Beruf, Tageszeit und was mir noch so alles einfiel.
Ihr werdet staunen, von Bübche war nichts zu hören. Er war völlig still, guckte mich mit seinem einen Auge an und hielt sein Ohr fasziniert an die äusseren Käfigstangen.

Ich dachte bei mir, jetzt ist die Lage geklärt – Bübche weiss nun, wer der Herr im Hause ist. Jedoch dauerte es nicht lange und wieder ging es mit seinem “Pling” los. Jetzt fing SIE an.

Am Schreibtisch sitzend sang SIE und wippte mit den Beinen auf dem Stuhl hin und her. Nun waren wir beide still, Bübche und ich. Warum er still war, weiss ich nicht. Ich war still, weil ich es liebe, wenn SIE singt – SIE singt dann ganz hoch und immer kommt mein Name vor und “kleiner Papagei”.
Doch an diesem Vormittag half Alles nichts. Kaum hatte SIE aufgehört, schon ging das Pling-Geräusch wieder los. Ich beobachtete, wie SIE ihre Tasche packte und zur Tür ging.
Sonst parfümiert SIE sich immer noch mal und ich weiss, SIE geht jetzt weg und ich rufe tschüüs oder tschöö. Ich nahm es ihr übel, dass sie mich mit ihm alleine liess. Er machte noch ein paar mal “Pling” und dann war Ruhe.

So verlief der Nachmittag sehr ruhig.

Am Abend kam SIE mit ihm zurück. SIE ruft ihn immer Männlein oder Peeeter.
Manchmal, wenn ich auf der Staffelei oder auf der Garderobe sitze und niemand kümmert sich um mich, dann rufe ich mit ihrer Stimme Männlein oder Peeeter. Er denkt, SIE sei es schon wieder. Wenn ich lange rufe, kommt dann einer von beiden. Aber sie sind nie böse deswegen mit mir. Sie sind stolz auf mich. Das sind dann friedliche Zeiten.

An diesem Abend stellte er Bübche und mich ins Wohnzimmer und Bübche begann mit dem gleichen “Pling” vom Vormittag. Das ging mit viel Krach, Diskussion und ungemütlichem Abendessen so etwa eine halbe Stunde.
Dann war er entschlossen. Ich kann ihm ansehen, wenn er sauer wird. Mit schnellem Entschluss trug er Bübche mitsamt Käfig aus dem Zimmer, und es war endgültig Ruhe.

Ich nehme stark an, er hat ihn in ein dunkles Zimmer gestellt. Mit mir hat er das auch schon einmal gemacht, als ich SIE in den Finger gehackt habe.
Da steht man da im Dunkeln, ist noch nicht müde, Krach machen hilft dann auch nichts mehr. So träumt man halt von besseren Zeiten.

Am nächsten Tag wurde Bübche abgeholt, jeder im Haushalt war froh, dieses “Pling” nicht mehr hören zu müssen.

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Solche Höhepunkte gibt es nicht oft, doch ich muss generell sagen, dass ich mich bei den beiden nicht unwohl fühle.

Der Winter hat auch seine guten Seiten für mich. Da darf ich tagsüber, wenn SIE den ganzen Tag zuhause ist, ausserhalb des Käfigs alle Regale im Arbeitszimmer inspizieren.
Da gibt es immer Einiges zu tun. Wenn ich dann ein Regal abgeräumt habe, und das dauert manchmal den ganzen Nachmittag, dann fliege ich oben auf die Tür vom Arbeitszimmer und nage etwas von der Tapete ab und hole mir dadurch Kalk und wetze meinen Schnabel.
Ich muss zugeben, das ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Dann beisse ich am Kabel über der Tür, es ist schon fast durchgenagt.
Bis jetzt habe ich meine Arbeit nie vollenden können, denn irgendwie holt SIE mich dann immer von der Tür herunter.
Einfach ist das für SIE nicht. SIE versucht es mit allen Mitteln, pfeift mit mir und singt, worauf ich mich dann auch immer ablenken lasse, denn SIE singt wirklich schön.

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Frühlingsfeier

Freitag, 18. Mai 2007

graureiher_auf_maeusejagd
(Foto: Spot1972 wikimedis commons GFDL)

Ein hoffnungsvoller Reiher
fliegt zum Reiher-Weiher
zur Reiher-Frühlingsfeier.

Es feiern alle Reiher,
die Weibchen legen Eier,
so fröhlich ist die Feier.

Auf einmal kommt ein Geier,
kreist über´m Reiher-Weiher,
vorbei ist´s mit der Feier.


Politiker und Journalisten

Donnerstag, 17. Mai 2007

“Journalisten fragen Politiker, warum Politiker stets auf Fragen antworten, die ihnen kein Journalist gestellt hat.”

Dieter Hildebrandt (*1927), Kabarettist

musik
(Foto: Lutz Doblies /pixelio.de)