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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für Mai, 2007

Antoine Dard: Sechs Sonaten für Fagott und Basso continuo

Donnerstag, 31. Mai 2007

Das Label RAMÉE publiziert in diesen Tagen die weltweite Ersteinspielung von sechs Sonaten für Fagott und Basso continuo aus dem Jahr 1759 des französischen Komponisten Antoine Dard. Der Solist ist Ricardo Rapoport, begleitet am Cembalo von Pascal Dubreuil. Karine Sérafin, Sopran, und Francois Nicolet, Traversflöte, wirken in kleineren anderen Partien der Einspielung als Gäste mit.

Antoine Dard (1715 bis 1784) zählte in Paris und in Versailles zu jenen Musikern, die zum Umfeld der bedeutendsten Musikinstitutionen der französischen Monarchie gehörten. Wenngleich Person und Oeuvre von Dard heute weitgehend lediglich noch der Fachwelt bekannt sind, kann man Dard doch als einen Komponisten von besonderem Interesse betrachten. So erschien am 11. Januar 1759 folgende Anzeige in der Pariser Presse: „6 Sonaten für Fagott, komponiert von Mr. Dard und sehr nützlich für diejenigen, die dieses Instrument gut spielen möchten. Diese Sonaten gelten als einzigartig und können auch auf dem Violoncello gespielt werden.“

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Tonumfang des Fagotts; Bildnachweis: wikimedia commons GFDL Weiterlesen

Neues in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung Frankfurt am Main

Mittwoch, 23. Mai 2007

Regina Schnersch und Helmut Göbel präsentieren ausgewählte Werke

Am 22. Mai 2007 eröffnete die Galerie der Heussenstamm-Stiftung ihre neue Ausstellung mit Skulpturen von Regina Schnersch sowie Bildern und Materialarbeiten von Helmut Göbel.

Regina Schnersch, 1966 in Schotten geboren, schloss im Jahre 2000 in der Meisterschule Aschaffenburg ihre Ausbildung zur Steinbildhauermeisterin ab. Seitdem setzt sie sich intensiv mit der Bildhauerei und dabei mit der Umsetzung eigener Ideen und Ausdrucksformen auseinander. Sie arbeitet mit den verschiedensten Materialien wie Alabaster, Basalt, Dolomit, Granit und Marmor sowie mit Kalk- und Sandstein. Bemerkenswert ist die überaus feine, sinnlich anmutende Bearbeitung der Oberflächen ihrer Materialien und die fesselnde Ästhetik ihrer Formensprache. Nach Ausstellungen in Bad Homburg, Frankfurt am Main, Offenbach und Wiesbaden präsentiert sie heuer im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung eine Auswahl ihrer Werke in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung.

Regina Schnersch: „Meine Arbeiten sind der Versuch, Gedanken und Gefühle in Form zu übersetzen. Ich begebe mich hierfür auf eine innere Suche und halte auftauchende Impulse in einfachen Skizzen fest. Hierauf folgt die Umsetzung in Stein … allem zugrunde liegt die Suche nach Klarheit und Essenz“.

Regina Schnersch, Öffnung

Der 1941 in Königstein / Taunus geborene Helmut Göbel ist Architekt und seit 1968 künstlerisch tätig. Auch er verwendet unterschiedliche Materialien, beispielsweise Hölzer, Pappen, Erden, Öl- und Acrylfarben. Seit 1976 stellt er im In- und Ausland aus. Viele seiner Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen.

Helmut Göbel beschäftigt sich seit längerem eingehend mit Arbeiten, die mit Geländeinformationen, Bodenstrukturen und Vermessungen zu tun haben. Erste entsprechende Werke kreisten um Freilegungen und Rekonstruktionen von gleichsam imaginären archäologischen Grabungen. Seine Kompositionen setzen sich in akribischer Feinstarbeit mit den Formen und Spuren vergangener, realer oder imaginierter Kulturen und Gesellschaften auseinander. Seit Anfang der achtziger Jahre befasst er sich vor allem mit Funden und Freilegungen im Moor, prähistorischen Anlagen und Kultstätten. In jüngerer Zeit entstanden Arbeiten über historische Kirchen und Klöster.

Helmut Göbel, UNBEKANNT

Die Arbeiten von Regina Schnersch und Helmut Göbel stehen in einem zunächst sperrig erscheinenden, bei näherem Hinsehen aber fruchtbaren Spannungsverhältnis: Beide, die junge, handwerklich souveräne, um Form und Ausdruck ringende Künstlerin, und der bereits auf ein langes künstlerisches Schaffen zurückblickende Analytiker, suchen dem Grundsätzlichen, dem hinter den äusseren Erscheinungsformen Liegenden Gestalt zu verleihen. Bei allem geht es um Fragen des Lebens, des Liebens, des Leidens, des Vergehens, der Existenz.

Die Ausstellung in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung dauerte bis zum 22. Juni 2007.

(Bildnachweis: Regina Schnersch / Helmut Göbel)

Cicero

Freitag, 18. Mai 2007

Cicero

Von Monika Müller-Löwenberg
(Text und Illustration)


In diesem Winter, wir schreiben das Jahr 1978, habe ich es mir endgültig überlegt.

Gut, der Winter war und ist immer noch heftig, aber ich hatte wirklich Zeit genug zum Nachdenken. Es war bis jetzt auch nicht viel los. Mehr oder weniger sitze ich nach dem Frühstück noch ein wenig auf der Stange, ab und zu schaukle ich auch auf der kleinen Minischaukel, die ich von IHR zum Nikolaus bekam. Ich tue IHR einen Gefallen, wenn ich damit schaukle. Sie schaut dann zu mir und lächelt. In der Regel mache ich nach dem Frühstück erst einmal die Augen zu, schlummere ein wenig und denke nach.

Ich bin zu dem Ergebnis gekommen: Jetzt mache ich den Schnabel auf. Weiterlesen

Dietrich Buxtehude – ein Wegbereiter Bachs

Donnerstag, 10. Mai 2007

Zum 300. Todestag des berühmten Lübecker Organisten und Komponisten

Johann Sebastian Bach – im Jahr 1705 lief er, der Legende nach, als Zwanzigjähriger zu Fuss rund 300 Kilometer nach Lübeck, um den berühmten Organisten Buxtehude in der Kirche St. Marien zu hören. Offenkundig verweilte er eine Zeitlang in Lübeck und nahm dort Unterricht bei seinem grossen Vorbild. Zwei Jahre zuvor hatte sich bereits Georg Friedrich Händel auf den Weg nach Lübeck gemacht, um dem verehrten Meister in St. Marien beim Orgelspiel zu lauschen.

Dietrich (Dieterich), eigentlich Diderik Hansen Buxtehude wurde vermutlich im Jahr 1637 in Oldesloe, nach anderen Quellen im dänischen Helsingborg geboren, wo er jedenfalls den überwiegenden Teil seiner Kindheit verbrachte. Nach dem Besuch der Lateinschule und der Unterweisung im Orgelspiel durch seinen Vater Hans Jenssen Buxtehude, der seinerseits ein bekannter Organist war, kam er im Alter von 31 Jahren als „Werckmeister“ nach St. Marien, wo er bis zu seinem Tod am 9. März 1707 wirkte. Weit über Lübeck und Norddeutschland hinaus als Virtuose an der Orgel und am Cembalo bekannt, machte er sich zusätzlich als Komponist einen Namen. Er wurde zum markantesten Vertreter der „Norddeutschen Orgelschule“. Neben einem damals wie heute bedeutenden Oeuvre an weltlicher und geistlicher Orgel- und Klaviermusik schuf er ein umfangreiches Vokalwerk, vornehmlich Oratorien und Kantaten. Mit seinen „Abendmusiken“ von oratorienartigem Charakter legte er den Grundstein für die geistliche Konzertmusik in Deutschland. Kein Wunder also, dass Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach ihm frühzeitig die Ehre erwiesen.

St. Marienkirche zu Lübeck, Wirkungsstätte von Dietrich Buxtehude (Foto: Arnold Paul, wikimedia commons GFDL) Weiterlesen

Auf der schwierigen Suche nach einer hessischen Identität

Freitag, 4. Mai 2007

Hessen, Hessenland . . . was ist das eigentlich?

Hessen ist das Bundesland, dessen 60jähriges Bestehen die hessischen Bürgerinnen und Bürger im Herbst 2005 feierten. Gegründet am 19. September 1945, hiess dieses Land zunächst Gross-Hessen. Seine unmittelbaren Rechtsvorgänger waren der Volksstaat Hessen sowie die preussischen Provinzen Kurhessen und Nassau.

Gehen wir auf das Jahr 1866 mit der Einverleibung weiter Teile des heutigen hessischen Territoriums durch Preussen zurück, so gab es – von Norden nach Süden betrachtet – das Fürstentum Waldeck und Pyrmont mit der Residenz in Bad Arolsen, das Kurfürstentum Hessen mit der Hauptstadt Kassel, das Herzogtum Nassau mit der Hauptstadt Wiesbaden, die Landgrafschaft Hessen mit der Residenz Bad Homburg, die Freie Stadt Frankfurt sowie das Grossherzogtum Hessen mit der Residenz in Darmstadt; als Kuriosum schliesslich noch den Kreis Wetzlar als Exklave der preussischen Rheinprovinz.

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