home

FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for März, 2007

Reisen nach Italien – Goethe Vater und Goethe Sohn

Freitag, 2. März 2007

Sie hat Tradition in Deutschland – die Sehnsucht nach “Arkadien”, nach Italien, nach den römisch-abendländischen Wurzeln. Zu einem erheblichen Teil fusst sie auf den Italienreisen von Vater und Sohn Goethe und beeinflusste die Romantik sowie das ganze 19. und das beginnende 20. Jahrhundert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Wirtschaftswunderjahren bahnte sie sich – vordergründig als Aufbruchstimmung und Reiselust, unterschwellig aber wohl doch auch als die alte Sehnsucht – ihren Weg vor allem an den Gardasee und die Adria. Auch wenn mit ihr das begann, was man heute Massentourismus nennt.

421px-johanncaspargoethe.jpg
Vater Johann Caspar Goethe

Zur Jahreswende 1739/1740 brach Vater Goethe, Johann Caspar, Jurist wie sein berühmter Sohn, über Wien zu einer Reise nach Italien auf, die ihn über Venedig, Bologna und Rom nach Neapel führte. 1741 kehrte er, wiederum über Rom, nach Frankfurt zurück. Über seine Reiseeindrücke verfasste er in der damals modischen Form eines Tagebuchs ein umfangreiches Werk “Viaggio per l´Italia” – in italienischer Sprache! Ein wirklich lesenswerter Bericht, in deutscher Übersetzung erschienen im Verlag C. H. Beck und heute antiquarisch erwerbbar. Zum Beleg, dass das Reisen damals ein beschwerliches Unterfangen war, ein kurzes Zitat aus dem ersten Brief: “Als ich Italien betrat, schienen mir alle Elemente feindlich gesinnt zu sein und alles nur erdenkliche Unglück zu verkünden …” Kälte und Überschwemmungen verzögerten das Vorankommen. “Als dies bewältigt war, traf mich ein neues und nicht geringeres Unglück, nämlich die schöne vierwöchige Quarantäne, in die ich mich nach der venezianischen Grenze begeben musste, weil man mich für pestkrank hielt, obwohl ich doch kerngesund war”.

Sicherlich inspiriert von den Reisen des Vaters, aber auch unzufrieden mit den Regierungsgeschäften und den eigenen Lebensumständen am Weimarer Hof liess sich Johann Wolfgang Goethe von seinen dienstlichen Obliegenheiten beurlauben und brach im September 1786 über München, Innsbruck und den Brenner nach Italien auf. Über Verona und Venedig ging es nach Rom mit Abstechern nach Neapel und Sizilien. Im April 1788 trat er die Heimreise nach Weimar an. Auch Johann Wolfgang legte mit einem Buch “Italienische Reise – Auch ich in Arkadien” ein beredtes, äusserst lebendiges und mit Spannung zu lesendes Zeugnis seiner Eindrücke und Erfahrungen vor. Diese prägten sein weiteres Leben und Schaffen.

759px-johann_heinrich_wilhelm_tischbein_007.jpg
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Goethe in der römischen Campagna

Im Jahr 1787 entstand das bekannte Bild von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein “Goethe in der römischen Campagna” – heute anzuschauen im Frankfurter Städel-Museum. Der damals in der römischen Künstlerkolonie lebende Maler hatte zuvor Goethe den Weg in sein römisches Quartier bereitet.

goethe_1791
Johann Wolfgang Goethe 1791

Über seine zweite Reise nach Italien von März bis Juni 1790, die ihn nur bis Venedig führte und wohl eher enttäuschend verlief, ist wenig bekannt. Unter anderem schrieb er dort den “Torquato Tasso”. Jedenfalls scheiterte sein Versuch, die Stimulationen, die er von seiner ersten Italienreise empfangen hatte, zu wiederholen.

450px-goethe-denkmal.jpg
Goethe-Denkmal in Rom (Bildnachweis: Wikimedia Commons GFDL)

Hessisch für Anfänger (Folge 3)

Donnerstag, 1. März 2007

“Henner, geh vom Trottewaar, s kimmet ne feine Dame ……… Henner, kannst widder nuffkommen, ´s is nur minne Schwester”

140px-coat_of_arms_of_kasselsvg

Wir haben uns soeben ins Nordhessische, nach Kassel begeben, der Hauptstadt von Hessisch Sibirien, der Heimat des ebenso lieblichen wie eleganten Kasseläner Dialekts. Auch wenn manche ihn nicht mögen. Die wiedergegebene Szene ist ein mustergültiges Beispiel für Höflichkeit und geschwisterliche Fürsorge. Und echt kasselänersch.

JA, NEIN und die dritte Kategorie

Donnerstag, 1. März 2007

In meinen kleinen Notizen handelte ich von habust – ich hoffe, Sie haben sich inzwischen mit ihm bekannt, wenn nicht vertraut gemacht.

habust ist genial, wie Ihnen dabei nicht entgangen sein dürfte. Ein Beispiel: Bislang gab es – auf Fragen und ähnliche Ansinnen – nur ein dröges Ja oder Nein. habust entdeckte die dritte Kategorie: “Weisnet”!

positiv_negativ_45454
nein_ja
(Fotos: Bernd Altmann /pixelio.de)

Machen Sie in Zukunft, wenn Ihnen die Mühsal der Entscheidung über Ja oder Nein Ihre Lebensfreude zu rauben droht, einfach von der neuen Kategorie Gebrauch: Weisnet!

Politik – Parteipolitik

Donnerstag, 1. März 2007

Ist Politik in Wirklichkeit Parteipolitik? Eine provozierende Frage. Aber ein Thema, das eben zu Diskussion und Provokation herausfordert.

Ausgangspunkt ist das Grundgesetz: Artikel 21 Absatz 1 Satz 1 legt fest: “Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.” Über diesen Satz gibt es zigtausend Seiten an staats- und verfassungsrechtlicher Literatur. Wir wollen uns hier statt dessen ebenso einfache wie klare Fragen stellen.

Was sagt der genannte Satz? Erstens: Die politische Willensbildung geschieht im und durch das Volk. Und zweitens: Die Parteien wirken bei dieser politischen Willensbildung mit – nicht weniger, aber vor allen Dingen nicht mehr. Man kann diesen Grundsatz nicht oft genug ins Bewusstsein rufen. Mitwirken heisst: Nicht bestimmen oder beherrschen, sondern lediglich Einfluss nehmen können, nach vernünftigen Massstäben. Im Klartext: Die Parteien haben nach dem Grundgesetz keinen Auftrag und keine Legitimation, allein oder auch nur im Schwerpunkt die Kompetenz zur politischen Willensbildung zu beanspruchen.

landtagswahl_stimmzettel_2
(Foto: www.bayernnachrichten.de / Alexander Hauk pixelio.de)

Genau das aber tun sie. Sie geben mit ihren Positionen und Programmen Wege und Ziele der politischen Willensbildung vor. Das “Volk”, das gemäss dem zitierten Verfassungssatz der eigentliche Träger dieser Willensbildung ist, ist in der Lebenswirklichkeit mehr oder weniger auf die Zuscherrolle verwiesen. Am Ende politischer Diskussions- und Entscheidungsprozesse kann es zu deren vorformulierten Ergebnissen letztlich nur in Wahlen ein Ja oder Nein sagen.

Allen Institutionen wohnt Selbsterhaltungsinteresse und Expansionsbestreben inne, so auch den Parteien. Sie unternehmen alles, um Macht und Einfluss zu halten und auszubauen. Ihr politisches Mitwirkungsrecht missverstehen sie als die massgebende Gestaltungskompetenz in der Gesellschaft. Sie beugen sich allein mächtigen Interessengruppen. Weiter: Politik ist immer schlichtweg Personalpolitik. Diese sorgt dafür, dass die jeweiligen Gefolgsleute in die Parlamente und an die Schaltstellen im Bürokratie- und Machtapparat gelangen.

Und das “Volk” – also wir Staatsbürger: Was tun wir dafür, um unser Mandat zur originören politischen Willensbildung auszuüben? Parteimitglied werden (die Mitgliederzahlen sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken)? Sich in Bürgerinitiativen zerreiben? Alle paar Jahre zu Wahlen gehen - oder noch nicht einmal das, wie die allseits sinkende Wahlbeteiligung zeigt?