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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for März, 2007

Hessisch für Anfänger (Folge 7)

Dienstag, 20. März 2007

alte_oper_frankfurt_winter_2008

Alte Oper Frankfurt (Bildnachweis: Thomas Wolf  GFDL)

Frankfurt

Unumsteeslich un gewiss
is, dess Frankfoard Grossstodt is.
Selbst der grosse Geede hot
sichs gewählt als Vadderstodt.
Kannst aach sonst on de Maniern
gleich de Grossstodt konschdadiern.
Des Gelaaf un de Bedrieb
dr Schpekdokel , des Geschieb,
des Gedrick un des Geschdump,
des Geduh un des Gelump.
Trotzdem häässt´s: S is nix so fei:
Wie kann mr net von Frankfoard sei!

(Frankfurt aus oberhessischer Sicht, nach einem Gedicht von
Wilhelm Philipps)

(Bildnachweis: Presse- und Informationsamt Frankfurt am Main)

Olympe de Gouges – Preis in Frankfurt am Main

Sonntag, 18. März 2007

Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen Frankfurt verlieh am 18. März 2007 im Frankfurter Presseclub zum siebten Mal den Olympe de Gouges-Preis. Die Auszeichnung ging dieses Jahr an die Fürther Landrätin Dr. Gabriele Pauli.

Olympe de Gouges, 1748 in Südfrankreich geboren, übersiedelte nach einem wechselvollen Leben im Alter von etwa 20 Jahren als junge Witwe nach Paris, wo sie sich oppositionellen Kreisen anschloss sowie sich als Autodidaktin der Literatur und dem Theater zuwandte. Gegen erhebliche Widerstände und Anfeindungen publizierte sie 1788 ihre bisherigen literarischen Werke und erreichte im Revolutionsjahr 1789 die Aufführung ihres lange Zeit abgelehnten Theaterstückes über Sklaverei in den Kolonien. Als Anhängerin der Grande Révolution musste sie jedoch schon bald erkennen, dass Frauen auch weiterhin von Menschen- und Bürgerrechten weitgehend ausgeschlossen bleiben sollten. Im Anschluss an politische Streitschriften über die Zulassung von Frauen zum bürgerlichen Leben verfasste sie 1791 die bekannte Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne, mit der sie die vollständige politische, rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen forderte. Ihre Deklaration stellte sie bewusst gegen die allgemeine revolutionäre Menschenrechtsdeklaration, die den Begriff homme, also Mensch, nur im Sinne von Mann verstand.

de-gouges

(Gemälde Ende 18. Jh; Foto: Alexandre Kucharsky)

Es kam, wie es nicht anders erwartet werden konnte: Die Nationalversammlung verabschiedete die allgemeine, im Sinne der Dominanz der Männer verstandene Deklaration. Für Olympe de Gouges entbrannte ein politischer Kampf um die Souveränität der Frauen, der sie in die Gefangenschaft und schliesslich vor ein Revolutionstribunal führte. Anfang November 1793 erlitt sie nach ihrer Verurteilung den Tod durch die Guillotine.

Mit dem Olympe de Gouges-Preis erinnert die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen an diese aufrechte und sich selbst bis in den Tod treu gebliebene Frauenrechtlerin.

Die Goldene Bulle

Samstag, 17. März 2007

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Wer kennt sie nicht, diese schmerzhafte Erkenntnis? Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind derart bestraft, soweit sie die einzigartigen Ausstellungen zum Jubiläum 650 Jahre Goldene Bulle in Frankfurt am Main versäumt haben. Die Präsentationen sind abgebaut, die Bulle liegt wieder im Tresor. Was tun? Hier sehen Sie als zwar nur kleinen, aber feinen Ersatz das Frankfurter Exemplar des Dokuments mit dem berühmten Goldsiegel:


(Bildnachweis: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main)

Sieben Ausfertigungen der Bulle sind überliefert: für Böhmen, Frankfurt, Köln, Mainz, Nürnberg, die Pfalz und Trier. Frankfurt, obwohl als freie Reichsstadt kein Kurfürstentum, liess sich als Wahl- und spätere Krönungsstadt eine eigene Urkunde ausstellen.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Weimarer Verfassung, Bismarcksche Verfassung des Deutschen Reichs, Verfassung des Paulskirchen-Parlaments … geht man noch sehr viel weiter zurück in der Geschichte, bis in das Jahr 1356, kommt man zu der Goldenen Bulle, einer Art Verfassung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Erlassen hatte sie Kaiser Karl IV. Sie beinhaltet die Beschlüsse zweier sogenannter Hoftage in Nürnberg und in Metz. Das Dokument sanktioniert vor allem Frankfurt als Wahlort der deutschen Könige und regelt die Wahl durch die – zunächst sieben – Kurfürsten einschliesslich des Wahlverfahrens, ferner zahlreiche, für die damalige Zeit wichtige protokollarische Fragen bis hin zur Sitzordnung der Kurfürsten. Von 1562 an bis 1806, dem formalen Ende des Heiligen Römischen Reichs, war Frankfurt anstelle von Aachen und abweichend von den Festlegungen der Goldenen Bulle zugleich Ort der Kaiserkrönung.

Sie sind geschichtlich interessiert? Dann empfiehlt sich ein Besuch im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte im ehemaligen Karmeliterkloster, für den Sie eine kleine Zeitspanne Ihrer Lebensplanung investieren sollten. Sie werden dort reichlich dafür belohnt werden!

Hier die zeitgenössische Darstellung einer Kaiserkrönungszeremonie in Frankfurt:


Huldigung Frankfurter Bürger vor Kaiser Franz I., kolorierter Kupferstich 1745

(Bildnachweis: Presse- und Informationsamt Frankfurt am Main)

Das Sportschiessen – eine manchmal noch verkannte Disziplin

Donnerstag, 15. März 2007

Was tut man in einem Schützenverein? Man trifft lauter nette Leute.

Nach dem Kalauer zu Beginn nun eine ernsthafte Feststellung: In einem seriösen Schützenverein – und dazu zählen, seien es Traditions- oder reine Sportvereine, die allermeisten – werden Sie neben Ärzten viele andere stressgeplagte, in verantwortungsvollen Berufen stehende Menschen kennen lernen, die dort Konzentration, Entspannung und – ja, so ist es – Ruhe suchen und finden. Und zwar beim sportlichen Schiessen. (Dass es anschliessend auch gesellig zugehen kann, steht dem nicht entgegen.)

Der Schiesssport blickt auf eine alte Tradition zurück, die auf den mittelalterlichen Schützengilden fusst und im 19. Jahrhundert zur Bildung der Schützenbruderschaften führte. Traditionsvereine mit ihren beliebten, in der Bevölkerung verwurzelten Schützenfesten sind besonders in Süd- und Norddeutschland beheimatet.

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Rembrandt Harmenszoon van Rijn: Die Nachtwache (1642)
(Darstellung einer Schützengilde)

Sportliches Schiessen setzt eine charakterliche Eignung dazu voraus, die die Vereine bei Aufnahmeanträgen sorgfältig prüfen sollten und in der Regel auch prüfen. In besonderem Masse gilt dies für die Erlaubnis, eigene Sportwaffen erwerben zu können. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen sind in Deutschland, sehr zu Recht, ausserordentlich restriktiv. Unfälle oder vergleichbare Zwischenfälle beim Umgang mit Sportwaffen sind hierzulande äusserst selten – und das soll auch so bleiben! Den Sportschützen zeichnet ein grosses Mass an Disziplin, Umsicht und Verantwortungsbewusstsein für alle aus, die sich mit ihm gemeinsam auf dem Schiessstand aufhalten.

Sportschiessen heisst, auf einer relativ zur Entfernung von zumeist 10, 25 oder 50 Metern nur sehr kleinen Scheibe die in der Mitte liegende “Zehn” zu treffen, die man vom Schiesstisch aus mit dem blossen Auge nicht mehr erkennen kann. Um dieses Ziel mit einem einigermassen sportgerechten Ergebnis zu erreichen, bedarf es eines längeren Trainings und vor allem der Konzentration und Entspannung. Wer die “Zehn” unbedingt und mit Willenskraft treffen will, wird sie verfehlen. Wer mit mentalem Training, wozu auch das eigentliche Autogene Training zählt, an diese Aufgabe herangeht, wird erfolgreich sein. Natürlich gehört zum leistungssportlichen Schiessen auch eine gute allgemeine körperliche Verfassung. Aber: Der Muskelprotz und Kraftmeier hat im Sportschiessen nichts zu suchen!

Sport-Scheiben für Luftgewehr und Luftpistole auf 10 Meter Entfernung (Bildnachweis: Wilfried Wittkowski GFDL)

Sportschiessen unterliegt strengen organisatorischen und rechtlichen Regularien. Oberstes Gremium ist der Deutsche Schützenbund, dem 20 Landesverbände, rund 15 000 Vereine und rund 1,5 Millionen Mitglieder angehören.

Neugierig auf einen “Schnupperkurs” geworden? Der Deutsche Schützenbund, Ihr zuständiger Landesverband oder Ihr örtlicher Schützenverein geben Ihnen gerne nähere Auskünfte.


Hessisch für Anfänger (Folge 6)

Mittwoch, 14. März 2007

“Kall, isch waass net, frieher da haste immer abends mei Händ gehalte” ….. “Ei Klärche, da hatte merr ja aach des Klavier noch”

Wir schauen ein weiteres Mal ins Oberhessische, aber schon näher am südlichen Rand, sagen wir, doch deutlich Richtung Frankfurt. Wir sind Zeugen abendlicher ehelicher Lebensgestaltung mit vormals musikalischem Hintergrund, der in dieser zauberhaften Zweierbeziehung leider verloren gegangen ist.

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(Foto: Micbit wikimedia commons GFDL)