Die Goldene Bulle
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Wer kennt sie nicht, diese schmerzhafte Erkenntnis? Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind derart bestraft, soweit sie die einzigartigen Ausstellungen zum Jubiläum 650 Jahre Goldene Bulle in Frankfurt am Main versäumt haben. Die Präsentationen sind abgebaut, die Bulle liegt wieder im Tresor. Was tun? Hier sehen Sie als zwar nur kleinen, aber feinen Ersatz das Frankfurter Exemplar des Dokuments mit dem berühmten Goldsiegel:

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(Bildnachweis: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main)
Sieben Ausfertigungen der Bulle sind überliefert: für Böhmen, Frankfurt, Köln, Mainz, Nürnberg, die Pfalz und Trier. Frankfurt, obwohl als freie Reichsstadt kein Kurfürstentum, liess sich als Wahl- und spätere Krönungsstadt eine eigene Urkunde ausstellen.
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Weimarer Verfassung, Bismarcksche Verfassung des Deutschen Reichs, Verfassung des Paulskirchen-Parlaments … geht man noch sehr viel weiter zurück in der Geschichte, bis in das Jahr 1356, kommt man zu der Goldenen Bulle, einer Art Verfassung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Erlassen hatte sie Kaiser Karl IV. Sie beinhaltet die Beschlüsse zweier sogenannter Hoftage in Nürnberg und in Metz. Das Dokument sanktioniert vor allem Frankfurt als Wahlort der deutschen Könige und regelt die Wahl durch die – zunächst sieben – Kurfürsten einschliesslich des Wahlverfahrens, ferner zahlreiche, für die damalige Zeit wichtige protokollarische Fragen bis hin zur Sitzordnung der Kurfürsten. Von 1562 an bis 1806, dem formalen Ende des Heiligen Römischen Reichs, war Frankfurt anstelle von Aachen und abweichend von den Festlegungen der Goldenen Bulle zugleich Ort der Kaiserkrönung.
Sie sind geschichtlich interessiert? Dann empfiehlt sich ein Besuch im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte im ehemaligen Karmeliterkloster, für den Sie eine kleine Zeitspanne Ihrer Lebensplanung investieren sollten. Sie werden dort reichlich dafür belohnt werden!
Hier die zeitgenössische Darstellung einer Kaiserkrönungszeremonie in Frankfurt:
Huldigung Frankfurter Bürger vor Kaiser Franz I., kolorierter Kupferstich 1745
(Bildnachweis: Presse- und Informationsamt Frankfurt am Main)
