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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Februar, 2007

Deutsche Sprache – einmal anders

Donnerstag, 15. Februar 2007

Sie kennen den legendären Karl Valentin. Und zweifellos auch den sprachvisionären Ernst Jandl.

Eugen Roth, Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz und andere Schriftsteller dieses Genres sind Ihnen vertraut.

Sicherlich kennen Sie auch habust . Nein ? Das darf nicht wahr sein. Sie sollten, Sie müssen ihn kennenlernen !

habust ist ein Meister. Vielleicht nicht wie – pardon – Goethe, eben anders. Und auch noch nicht so bekannt. Er seziert Sprache, legt sich dabei ein Tarnmäntelchen um, führt Sie auf das Glatteis einer Nonsens-Literatur (der teilweise Anglizismus sei hier ausnahmsweise erlaubt!). Und hat seine Freude daran, Sie ins Schlittern kommen zu sehen. Ja, Sie müssen damit rechnen: Er beobachtet Sie bei Ihrer Lektüre scharf !

raufusskauz

Nehmen Sie ruhig das Vorbemerkte in Kauf, wenn Sie sich der Literatur von habust hingeben. Letzteres sollten Sie auf jeden Fall tun. Die Preise seiner im selpsferlak – Selbstverlag – erschienenen Werke sind moderat, ja fast schon von gemeinnütziger Bescheidenheit. Zögern Sie also nicht, zu bestellen.

Demokratie und Wahlbeteiligung

Donnerstag, 15. Februar 2007

Ein ernstes Thema, wie niemand bestreiten wird – und doch oft Gegenstand nur oberflächlicher Betrachtung durch “die Politik”.

Nehmen wir zum Beispiel die jüngste Direktwahl für das Amt des Oberbürgermeisters / der Oberbürgermeisterin in Frankfurt am Main: Eine Wahlbeteiligung von bekanntlich knapp 34 %, ein Wahlergebnis von gut 60 %. Somit entfielen auf die Gewählte rund 20 % der Stimmen der Wahlberechtigten. Es geht hier in keiner Weise um konkrete politische Persönlichkeiten oder Präferenzen, sondern ausschliesslich um Grundsatzfragen eines solchen Wahlergebnisses, das anderenorts und auf anderen Ebenen ähnlich ausfallen könnte.

Nicht hilfreich erscheinen verschiedene Interpretationsversuche, gleich von welcher politisch interessierten Seite: “Man ging nicht zur Wahl, weil man ohnehin vom Sieg des Gewählten / der Gewählten ausging.” Oder aber: “Die grosse Mehrheit der Stimmberechtigten hat den Sieger / die Siegerin eben bewusst nicht gewählt.” Nicht ausreichend ist auch die Berufung auf ein formal korrektes Wahlverfahren. Die Grundsatzfrage lautet doch: Welche demokratische Legitimation, welchen Respekt kann ein solches Wahlergebnis für sich in Anspruch nehmen? Wann kommen wir an den kritischen Punkt, an dem Quantität in Qualität, sprich demokratische Legitimation umschlägt? Bei 25 %, bei 20 % oder erst bei noch geringerer Wahlbeteiligung?

Sollte die Politik eine Wahlpflicht einführen, wie sie manche europäische Länder – auf gesamtstaatlicher oder regionaler Ebene – kennen? Das Für und Wider einer solchen Pflicht füllt bereits jetzt Bibliotheken. Bringt uns das aber weiter? Unternimmt “die Politik” genug Anstrengungen, um die Gefahren eines solchen drohenden Erosionsprozesses bewusst zu machen, oder geht sie – wie es in Frankfurt den Anschein hat – zum schlichten Alltag über?

lgenspruch

(Foto: Peter Schmidt /pixelio.de)

Deutsche Sprache – ein Auslaufmodell ?

Mittwoch, 14. Februar 2007

Heute ein sattsam bekanntes Thema: Wie gehen wir angesichts der unerträglich gewordenen Zahl an Anglizismen im Alltagsgebrauch mit unserer deutschen Spache um ? Gefällt uns das Kauderwelsch (welch ein wunderschönes Wort übrigens !) etwa bei der Telekom oder der Bahn wirklich ? Müssen wir, wenn wir ein Stück Wegs mit der Strassenbahn fahren wollen, ein Ticket lösen statt einen Fahrschein ? Call and surf, park and ride – der Unsinn liesse sich beliebig lang fortsetzen. Auch möchte ich, wenn ich einige bauliche Schönheiten in einem Städtchen besuchen will, dass mich die Strassenschilder in die Innenstadt verweisen und nicht in die City. Warum bietet ein wackerer Handwerksmeister per Aufschrift auf seinem Kleinbus seine Dienstleistungen als Home Service an ? Und warum soll ich unbedingt einen Snack essen ?

Genug der grausamen Beispiele als kleiner Auswahl aus tausenden.Wir müssen nicht alle der Spache von Goethe und Schiller, Hölderlin und Klopstock, Hegel, Kant und Thomas Mann nacheifern – wir könnten es auch gar nicht. Aber wir sollten uns nicht gedankenlos und ohne Not der Verstümmelung der deutschen Sprache durch vermeidbare Anglizismen hingeben !

“Blogging” : Ja, das geht in Ordnung, weil es als originäres Wort für einen neuen Lebenssachverhalt steht. “Netz-Tagebuch” : Nein, das gefiele auch mir nicht.