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Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Archive for Februar, 2007

Hessisch für Anfänger (Folge 2)

Sonntag, 25. Februar 2007

“Host dus de scho gehört, dess de Kall vor Woche gestorwe eass” “Aah, drem sitt mr d´n aach in letzter Zeit so selte!”

Wir befinden uns heute fern im Oberhessischen – sagen wir, so Richtung Vogelsberg. Dort, wo die Winter lang und die Sommer kurz sind. Wo alles langsamer geht als – eben drunten im Tal. Und die Wahrnehmung noch ganz unverfälscht ist. Das ist oberhessisch!

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(Herbst am Vogelsberger Taufstein; Foto: Dirk Schmidt /pixelio.de)

Die königliche Trompete

Sonntag, 25. Februar 2007

Heute wende ich mich an die Liebhaber der klassischen Trompete, von der schon an anderer Stelle meiner kleinen Notizen die Rede war. Ich stehe offenkundig nicht allein mit meiner Überzeugung, dass die barocke Trompetenliteratur möglichst auf ventillosen, den alten Originalen nachgebauten Instrumenten ausgeführt werden sollte. Wegen der aussergewöhnlich schwierigen Technik des Clarinblasens, bei der die Chromatik allein durch Ansatz und Lippenspannung dargestellt werden kann, greifen zwar auch die Natur-Trompeter in Livekonzerten wegen der damit verbundenen hohen Risiken legitimerweise auf Ventilinstrumente zurück. Man sollte aber in Studioeinspielungen nicht auf die Naturtrompete verzichten – vorausgesetzt, man beherrscht diese besondere Technik. Übrigens ist zu beobachten, dass mehr und mehr Opernhaus- und Konzertorchester die Naturtrompete bei der Interpretation barocker Werke einsetzen, das Instrument also nicht auf den solistischen Einsatz beschränkt bleibt.

Entsprechende Nachbauten der alten Vorbilder fertigt beispielsweise das weltberühmte Unternehmen Blechblas-Instrumentenbau Egger in Basel, auf die sehr viele Naturtrompeten-Virtuosen zurückgreifen.

Hier einige Abbildungen dieser herrlichen Instrumente:

Kopie eines Instruments von Johann Leonhard Ehe II (1664 bis 1724)

Kopien von Instrumenten von Michael Nagel, Nürnberg, Mitte 17. Jh.

(Bildnachweis: mit freundlicher Unterstützung Fa. Egger, Basel)

Neben einer Reihe anderer Künstler beherrschen zum Beispiel Trompetenvirtuosen wie Edward H.Tarr, Reinhold Friedrich, Friedemann Immer, Niklas Eklund diese alte Blastechnik. Die Naturtrompeten mit ihrer doppelten – gegenüber der Piccolo vierfachen – Rohrlänge und ihrer speziellen, auf alter Meistertradition der barocken Instrumentenbauer beruhenden Mensur zeichnet ein unvergleichlich schöner, ja weicher und zugleich strahlender Klang aus. Entsprechende hervorragende Einspielungen auf CD stellen diese Tatsache unter Beweis.

Nehmen wir zum Schluss das zweite Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach in seiner Einspielung mit Il Giardino Armonico und mit Gabriele Cassone an der Naturtrompete, erschienen bei Teldec. Hören Sie diese Aufnahme und vergleichen Sie sie mit herkömmlichen Interpretationen auf der Piccolo – Sie werden ein völlig neues Hörerlebnis haben – und ein zweifelsohne authentisches dazu.

Salterio, Pantaleon, Hackbrett – die bemerkenswerte Instrumentenfamilie

Dienstag, 20. Februar 2007

Es ist immer ein Erlebnis, alte, aus dem Zeitgeist verbannte Musikinstrumente wieder zu entdecken und für die Aufführungspraxis neu zu beleben. Einige Beispiele dafür sind etwa das Hammerklavier oder die Gambe. Oder mein Lieblingsinstrument, die ventillose Naturtrompete (mit Grifflöchern versehen auch als “Barocktrompete” bekannt) – keinesfalls zu verwechseln mit der zeitgeistigen, klanglich jedoch zumeist unbefriedigenden vierventiligen Piccolotrompete, auf der heute die barocke Trompetenliteratur leider zelebriert und dabei oft maltraitiert wird. (Der Grund: Nur sehr wenige Berufstrompeter beherrschen die alte Kunst des Clarinblasens auf ventillosen Instrumenten.)

Heute zu einem Instrument, das unter dem fast ordinär klingenden Namen Hackbrett bekannt ist, aber viel lieber auf die Bezeichnungen Salterio (von Psalterium) oder Pantaleon (genannt nach dem Virtuosen Pantaleon Hebenstreit), aber auch Dulcemelos (“lieblicher Klang”) oder Dulcimer hört. Das zumindest seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Italien und anderen europäischen Ländern durchaus verbreitete, aus dem volkstümlich-bürgerlichen, sehr viel älteren Hackbrett für die Kunstmusik weiterentwickelte Instrument besitzt über ein oder zwei Resonanzböden gespannte Saiten, die gezupft und später vorzugsweise mit Klöppeln angeschlagen wurden. Seinen klanglichen Zauber entfaltet es, weil die ungedämpften Saiten – ebenso wie bei den frühen Klavieren – nachschwingen. Grössere Exemplare können mitunter beträchtliche Ausmasse annehmen und verfügen über drei- oder viersaitige Chöre. Besagter Pantaleon Hebenstreit (1668 bis 1750) war es, der das Salterio zu einem vollendeten Instrument ausbaute, das er virtuos zu spielen verstand. So virtuos, dass – wie überliefert – der französische König Ludwig XIV. das Salterio nach dem Vornamen des Künstlers benannte. Die von Hebenstreit erweiterten Pantaleons verfügen über bis zu 90 Saitenpaare. Sie waren ausserordentlich schwierig zu spielen, zu stimmen und auch sonst zu handhaben. Kein Wunder, dass sie Ende des 18. Jahrhunderts von den Tasteninstrumenten verdrängt wurden und anschliessend in Vergessenheit gerieten.

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Wer beherrscht heute das Pantaleon? Die Künstlerin heisst Margit Übellacker, ihr Ensemble Dulce Melos. Mit La Gioia Armonica unter Leitung des Alto Jürgen Banholzer stellt sie auf der CD “Antonio Caldara – Cantate, Sonate ed Arie“, erschienen bei RAMÉE, ihr virtuoses Können unter Beweis – eine faszinierende, in jeder Hinsicht äusserst hörenswerte Einspielung.

Ab nach Kassel …

Samstag, 17. Februar 2007

“Ab nach Kassel” – so riefen im September 1870 die Aachener dem in der Schlacht von Sedan von preussischen Truppen gefangen genommenen Kaiser Napoleon III., einem Neffen von Napoleon I., nach, als er zur Internierung nach Kassel verbracht wurde. Er logierte dort höchst komfortabel im Schloss Wilhelmshöhe.

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Schloss Wilhelmshöhe (Bildnachweis: Malte Ruhnke GFDL)

Schon zuvor hatte das Schloss einen illustren Gast beherbergt: Ein Bruder Napoleons I., Hieronymus Bonaparte, residierte dort bis zum siegreichen Ende der Befreiungskriege als damaliger König von Westfalen, noch heute bei der Kasseler Bevölkerung bekannt als “König Lustig”. Woher dieser Name? Besagter, von Napoleons Gnaden eingesetzter Landesvater soll, so wird erzählt, im Pavillon Marmorbad in – na ja – Rotwein gebadet haben. (Über das weitere Schicksal dieses derart königlich geadelten Weines existieren verschiedene Spekulationen, denen hier nicht weiter nachzugehen ist.)

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Orangerie mit Marmorbad (Bildnachweis: Carroy GFDL)

Für jetzt genug der Geschichte! An dieser Stelle ist erklärend festzuhalten, dass der Autor in dieser Stadt seine Kindheit und Schulzeit verbracht hat und noch heute ein bekennender Kasseler (leider nicht “Kasselaner” oder “Kasseläner”) ist. Dazu vielleicht später an anderer Stelle mehr.

Ab nach Kassel ! So erschallt auch in diesem Sommer der Ruf: Zur documenta 12, der seit langem weltweit bekannten und berühmten Präsentation zeitgenössischer Kunst. Diese Schau sollten Sie keinesfalls versäumen. Auch über dieses Ereignis hinaus ist die einzigartige Residenz-, Schlösser- und Gartenstadt zu jeder Zeit einen Besuch wert. Oder besser viele Besuche. Es wird Sie nicht reuen.

Der Autor möchte Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, gerne weiter über Kassel berichten, wenn, ja wenn Sie ihm – schon um Ihr wirkliches Interesse zu dokumentieren – das berühmte “Kasseler Wörtchen” mitteilten, am besten in dessen Langversion. Derart versichert, eine geneigte Leserschaft anzutreffen, verriete ich Ihnen einige charmante Details des – leider nicht von allen geliebten – Kasseler Dialekts.

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Hessisch für Anfänger (Folge 1)

Samstag, 17. Februar 2007

Eh ich mich uffreesch, isses mir egal

Eine alte hessische Weisheit. Immer wenn Sie beginnen, sich über die Dummheit oder Frechheit eines Zeitgenossen oder die Unfähigkeit und Borniertheit eines Politikers zu ärgern, atmen Sie, wenn Sie im Wald sind, tief durch oder öffnen Sie, wenn Sie sich zuhause aufhalten, weit das Fenster und atmen Sie auf die gleiche Weise. Sodann artikulieren Sie laut und mit innerer Überzeugung den eingangs genannten Weisheitsspruch. Sie werden sehen, wie wohl Ihnen anschliessend zumute ist. Das ist hessisch.*

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(Foto: Jürgen Reitböck /pixelio.de)

* Anmerkung: Wir wollen versuchen, in loser Folge einige hessische Weisheiten den Mitmenschen anderer landsmannschaftlicher Provenienzen uneigennützig verfügbar zu machen. Da es sich bei den hessischen Weisheiten um landestypisches Allgemeingut handelt, gehen wir davon aus, keine Urheberrechte zu verletzen.